Unter Glyzinen, April in Italien

„An jene, die Glyzinen und Sonnenschein zu schätzen wissen. Kleines mittelalterliches Castello an der italienischen Mittelmeerküste für den Monat April möbliert zu vermieten. Notwendiges Personal vorhanden. Z, Postfach 1000, The Times.

Das war der Augenblick der Empfängnis; aber wie es so oft der Fall ist, war die Empfangende in diesem Augenblick selbst ahnungslos.“

Elizabeth von Arnim

Verzauberter April*, insel Taschenbuch 1538, 1. Auflage 1993, Seite 7.

Glyzinen. Oder Glyzinien. Wie ist es richtig? Sollte eine orthografische Fachsimpelei mich davon abhalten, von dieser wunderbaren blasslila Blütenpracht zu schreiben, die den italienischen April verzaubert? Ich meine nicht. Am Anfang war genaugenommen dieses Foto. Das musste in den Titel. Und dann fiel mir wieder ein, dass ich vor vielen Jahren, als ich noch nicht einmal ahnte, irgendwann nach Italien zu ziehen, ein zauberhaftes Buch gelesen hatte. Darin ging es um Italien und um … genau: Glyzinen. (Ich entscheide mich jetzt für diese Schreibweise. Nicht, weil sie um einen Buchstaben kürzer ist und ich es prägnant mag, sondern weil diese der im Roman verwendeten Version entspricht.) Also suchte ich das Buch heraus, um es noch einmal zu lesen, und nach den ersten Seiten stand fest: Ich muss es euch empfehlen. Und es ist mir schnuppe, ob der Beitrag genau in diese Kategorie passt, die ich „Literarische Orte“ genannt habe. Aber natürlich passt ein wundervoller Roman über Italiens Zauber hierher. Ich muss euch schließlich nicht verraten, dass ich das Titelbild nicht in Ligurien, wo der Roman spielt, sondern (immerhin im April, das sehr wohl!) in Südtirol fotografiert habe. Jetzt habe ich genau das doch getan. Egal! Das Foto hätte genauso gut von hier in der Lombardei sein können, aufgenommen in einem nahegelegenen Restaurant, wo man zu dieser Jahreszeit draußen unter einer von Glyzinen umrankten Pergola speist. Als ich „Verzauberter April“ nun zum zweiten Mal las, stellte ich mit Vergnügen fest, dass der Name des Schauplatzes in Ligurien denselben Namen trägt wie der Ortsteil, in dem ich wohne. Zwar ist mein San Salvatore kein blumenumranktes mittelalterliches Castello und wir haben auch keinen Blick auf das Meer. Das liegt nicht mal in der Nähe. Wir blicken dafür in ein grünes Meer, bemerke ich in jedem Frühjahr wieder voller Begeisterung. Und auf die Alpen am Horizont. Aber ich schweife ab. Vielleicht fehlen mir die Worte, um den reizenden Roman „Verzauberter April“ (Originaltitel „The Enchanted April“) zu beschreiben. Ihr müsst ihn einfach lesen. Als Urlaubslektüre während der nächsten Italienreise oder zur Vorfreude darauf. Die amüsante Geschichte erzählt von vier zufällig aufeinandertreffenden Frauen, die im grauen und verregneten Frühjahr im London der zwanziger Jahre auf das eingangs zitierte Inserat stoßen, das Castello spontan mieten und einen Monat gemeinsam im Paradies verbringen. Dort lernen sie nicht nur den Zauber Italiens, sondern vor allem sich selbst kennen. Die so grundverschiedenen Charaktere, ihr Interagieren und ihre Verwandlung in diesen gemeinsam verbrachten Tagen beschreibt Elizabeth von Arnim auf köstliche Weise. Ein Roman zum Schmunzeln und zum Träumen, aber auch zum Nachdenken über sich selbst, die anderen, das Leben. Lest „Verzauberter April“! Ihr werdet verzaubert sein.

Der Trailer zum Film.

*Na, wenn das keine Werbung ist. Natürlich wie immer aus freien Stücken, unverlangt und unbezahlt.

Veröffentlicht von Anke

La Deutsche Vita in Bella Italia auf meinem Blog tuttopaletti.com. Geboren in der DDR, lebte ich zunächst im wiedervereinigten Deutschland und habe in Norditalien meine Heimat gefunden. Ein Leben zwischen den Welten und Kulturen, schreibend, lesend, neugierig und immer auf der Suche nach neuen spannenden Geschichten.

24 Kommentare zu „Unter Glyzinen, April in Italien

    1. Io, dopo aver letto il libro (in tedesco) la seconda volta, ho guardato adesso il film (in italiano) con il mio marito. Devo dire che il film è carino, ma il libro è geniale.
      Grazie e Buona Pasqua anche a te, cara Luisella!

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    1. Immer gerne!
      Deutschland ist sowieso das neue Italien, was das Klima betrifft. 🌞 Freut mich, dass bei euch mittlerweile auch so viele herrliche, früher dem Süden vorbehaltene Pflanzen gedeihen. Liebe Grüße in den Norden 🙋‍♀️

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  1. Das wird mein Buch für den Urlaub mit unserer Großfamilie in Italien. Ich bin gespannt! Frühling in Berlin ist übrigens auch sehr schön und grün. Von meinem Balkon aus ist es auch etwas italienisch, da ich auf ein kleines italienisches Café schaue – Pane al Caffè. Es liegt in einem Hof mit morbidem Charme.

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    1. Dann wünsche ich eine entspannte Lektüre und einen wunderschönen Familienurlaub! Klar ist der Frühling auch in Berlin schön! Im Buch wird der Londoner März als so ungemütlich beschrieben, und dann ist der italienische fast schon frühsommerliche April am Meer eine Offenbarung dagegen. Wie nett, dass du so ein kleinen Hauch Italien sogar vom Balkon aus genießen kannst. Tanti saluti, Anke

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