Abschiedsstimmung

Mehrmals schrieb und schwärmte ich auf diesem Blog von jenem Ort in Ligurien, zu dem es mich immer wieder hinzieht. Oder sollte ich sagen, zu dem es mich zog? Diesen Sommer hatte ich das bedrückende Gefühl, es könnte mein letzter Aufenthalt in Alassio gewesen sein. Später schwächte ich meine Prognose ab, indem ich hinzufügte: im August. Im August werde ich nicht mehr nach Alassio fahren. Zum einen war es in 2025 so heiß, dass es sich nicht einmal mehr nachts abkühlte und ein trauriger Rekord aufgestellt wurde. In der Nacht zum 12. August „sanken“ die Temperaturen auf 32,5 Grad, las ich später und es hieß, es handelte sich um die höchste nächtliche Temperatur, die je an diesem Ort gemessen worden sei. Nun könnte man meinen, in den Nachrichten und erst recht im Netz übertreiben sie es gerne, aber es war tatsächlich dieser Morgen gewesen, an dem die Tochter von ihrem Spaziergang zurückkam und über die Hitze um sieben Uhr in der Früh stöhnte. Zum anderen empfanden wir meinen Lieblingsferienort diesmal einfach als zu chaotisch. Bei den Sirenen von Krankenwagen und Polizei dachten wir, sie würden zu Noteinsätzen der Hitze wegen ausrücken, dabei gab es auch Prügeleien und Kriminalität. Direkt im Ortszentrum, an der berühmten Mole, ging es mehrmals zur Sache. Vor zwei Jahren noch war die Mole von Alassio ein besonders romantischer Ort und hatte sogar für eine Ausstellung gedient. Das Turiner Filmmuseum erinnerte 2023 mit imposanten Fotografien, die über dem Meer zu schweben schienen, an ein Juwel der italienischen Filmgeschichte: Lucino Viscontis „Il Gattopardo“ (Der Leopard). Immer wieder lief ich in jenem Sommer über die Mole, als ob der Glanz der wunderbaren Filmszenen und die zeitlose Schönheit der beiden Hauptdarsteller Alain Delon (Tangredi) und Claudia Cardinale (Angelica) ein klein wenig abfärben könnten auf die, die bewundernd an den Aufnahmen vorbeischlenderten. Ich meine schon. Auf emotionaler Ebene. Ich fühlte das Glück, an diesem faszinierenden Ort sein zu dürfen, in dem Land, das so berühmte Filme hervorgebracht hat. Vielleicht können euch meine Fotos der Bilder auch nachträglich noch eine Idee vermitteln. Nun, da nach dem Tod Alain Delons im August 2024 auch Claudia Cardinale nicht mehr vor der Kamera des Lebens steht, sind es ihre unvergesslichen Rollen und Bilder wie diese, die beide Schauspieler für immer unsterblich machen:

Claudia Cardinale hatte beim Ableben Delons der italienischen Nachrichtenagentur ANSA ihre Trauer mit poetischen Worten erklärt: „Il ballo è finito. Tancredi è salito a ballare con le stelle … per sempre tua, Angelica.” (Der Tanz ist vorbei. Tancredi ist zu den Sternen aufgestiegen und tanzt dort mit ihnen … für immer dein, Angelica.) Jetzt tanzt auch Angelica im Himmel. Claudia Cardinale verstarb 87-jährig am 23. September 2025 in Frankreich.

„Il Gattopardo“ steht ganz oben auf unserem Heimkinoprogramm. Und das mit Alassio überlege ich mir noch mal. Im Winter soll die Ligurische Küste einen besonderen Zauber besitzen. Vielleicht besuchen wir Alassio ja einmal über den Jahreswechsel. Und das Nationale Filmmuseum in Turin gleich mit!

Veröffentlicht von Anke

La Deutsche Vita in Bella Italia auf meinem Blog tuttopaletti.com. Geboren in der DDR, lebte ich zunächst im wiedervereinigten Deutschland und habe in Norditalien meine Heimat gefunden. Ein Leben zwischen den Welten und Kulturen, schreibend, lesend, neugierig und immer auf der Suche nach neuen spannenden Geschichten.

7 Kommentare zu „Abschiedsstimmung

  1. Danke – vor allem für die schönen Fotos der beiden Schauspieler, die beide nicht mehr vor der Kamera stehen und nicht mehr unter uns sind. – Ich war ja aus unterschiedlichsten Gründen nicht die große Kinogängerin vor dem Herrn, aber ein wenig kenne ich die beiden doch.

    Das mit den 32° in der Nacht finde ich so schrecklich – aber ich fürchte mit Recht, dass sich das wiederholen wird, wenn nicht sogar steigern.

    Lieben Gruß zu dir

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  2. So furchtbar heiße Nächte sind uns dieses Jahr erspart geblieben. Zu einer anderen Zeit ist der Ort vielleicht trotzdem wieder nett und angenehm. Als Film habe ich „Il Gattopardo“ noch gar nicht gesehen. Ich gestehe, dass ich das Buch sehr langweilig fand. Vielleicht ist der Film ja sogar mal besser?

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