Der Italiener und das Wundermittel gegen Erkältung
Auf meinem Blog könnt ihr gewiss sein, meine ureigenen Gedanken zu lesen. Ihr werdet hier keine Zusammenfassungen bereits anderswo publizierter Artikel finden. Ehrlich gesagt verbiete ich es mir sogar, vor dem Schreiben nach bereits Geschriebenem zum Thema zu suchen, denn das könnte mich demotivieren. Ich würde denken, es sei schon alles gesagt, oder ich würde für meine eigene Meinung plötzlich angesichts der Überzahl oder Seriosität vermeintlich gegenteiliger Darstellungen keine Berechtigung mehr sehen. Deshalb schaue ich erst gar nicht nach. Was ich recherchiere, sind Fakten. Die Sicht auf die Dinge ist immer meine, die sich dem Einfluss von Gehörtem und Gelesenem nicht vollkommen entzieht. Das versteht sich von selbst. Ich sitze schließlich nicht (oder so gut wie nie) in einem Elfenbeinturm und fantasiere vor mich hin.
Hin und wieder passiert es, dass ich kurz nach der Veröffentlichung eines Textes auf Tuttopaletti an offizieller Stelle einen Artikel lese, der in dieselbe Kerbe haut. Das freut mich immer besonders. Es beweist mir, dass ich einen Nerv getroffen habe, der offensichtlich freiliegt. Gestern ploppte im Nachrichten-Feed ein Artikel auf, der meine als „Tortur mit schöner Aussicht“ geteilten Gedanken von fachlicher Seite unterstützt. Ihr erinnert euch: Ich schrieb von der italienischen (Un)Sitte, die Aerosol-Therapie als Allheilmittel bei Erkältungsbeschwerden zu betrachten. Matteo Bassetti, Direktor für Infektionskrankheiten am Universitätsklinikum San Martino in Genua, stellt klar: „Das Aerosol kann bei Asthma und Bronchiolitis nützlich sein, nicht aber bei Erkältungen und Grippe.“* Ich musste schmunzeln, als ich weiterlas: „Wie oft haben wir die Kinder mit dem Inhalationsschlauch des Aerosolgerätes vor den Fernseher gesetzt, in dem Glauben, dass dies die Lösung für alles ist? Aber das ist nur eine italienische Mode, die in den 1970er-Jahren entstanden ist.“*
Hab ich es doch geahnt!
Auf Instagram erklärt er in seinem Video mit dem Titel „Aerosol: eine rein italienische Gepflogenheit“, dass in anderen Ländern die Aerosolbehandlung nicht in den Behandlungsrichtlinien stünde. Was mich dann doch erstaunt, ist seine Aussage, es wären in Italien vor allem die Mütter, gar nicht mal die Ärzte, die danach fragen würden. Zu denen zähle ich definitiv nicht, aber ich bin ja auch keine Italienerin. Ich glaube gern, dass diese Therapie den italienischen Müttern schon in ihrer eigenen Kindheit als Allheilmittel verkauft wurde und damit kulturell unanfechtbar geworden ist. Ich werde mich beim nächsten Mal, wenn uns Kinderärztin oder Hausarzt mit Aerosol daherkommen, vorsichtig herantasten und nach einer Alternative fragen. Bassetti empfiehlt einen ordentlichen Naseneinlauf. Der ist auch nicht angenehm, geht aber schneller.
Quelle: *Quotidianosanita.it: Aerosol. Bassetti smonta ‘mito’: “Non serve a nulla contro raffreddore e influenza”,
Titelfoto: Grundausstattung für Aerosol-Therapie in einem italienischen Haushalt. 😉
Ob Bassetti heimlich deinen Blog liest und nochmal über das Thema nachgedacht hat, liebe Anke? 😉 Ich könnte es mir durchaus vorstellen, so lesenswert wie deine Artikel sind. 😃
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Hihi, ja liebe Eva, so wird es sein. Die Aufklärer und Influencer lesen heimlich bei mir mit, brauchen ja immer mal eine neue Anregung.
Danke und habt ein erkältungsfreies Wochenende! 🙂
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Ein gutes Gefühl 👍👍👍.
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Stimmt.😀
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Meine Mutter setzte mich als Kind immer vor die berühmte Schüssel mit heißem Kamillentee und warf mir ein Handtuch über den Kopf. Es war immer leicht ekelig, wenn dann der Schnupfen und die Schweißperlen in die Schüssel tropften und ich immer die Vermutung hatte, die kämen mit dem Dampf wieder hoch🤢
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Aber man darf doch die Nase schnauben zwischendurch, oder nicht? Sonst wird es tatsächlich schnell unangenehm.🙈
Übrigens hat unsere Große die (deutsche) Kultur des Gesichts-Dampfbads von mir übernommen. Nicht nur bei Erkältung, sondern regelmäßig für reine Haut.😍
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