Schwer von Begriff

Einkaufslisten für den Supermarkt werden mir von den Töchtern gerne schriftlich und im letzten Moment aufgegeben, also per Textnachricht, während ich mindestens die Hälfte der Regale abgelaufen bin. Wenn ich Glück und sie einen guten Tag haben, zieren Herzchen und Strahle-Emojis ihre Aufträge. Diesmal hat die Große einen besonderen Wunsch: „Penne nere“. „Bitte, bitte!“ steht auch noch dabei. Na gut, denke ich, und laufe zurück, da sich das Nudelsortiment gleich vorne an die Kühlregale mit Milchprodukten und abgepacktem Aufschnitt anschließt. Auf dem Weg dorthin kommen mir leise Zweifel. Schwarze Spaghetti und Linguine kenne ich, sie sind „al nero di seppia“, mit Tintenfischtinte gefärbt. Penne habe ich noch nie in dieser Variante gesehen. Nachdem ich das Regal dreimal abgelaufen bin, rufe ich meine Tochter an. „Dürfen es auch Linguine sein?“ Sie versteht nicht und bringt das mit einem schrillen „Häh?“ ohrenbetäubend zum Ausdruck. Ich atme tief durch. „Du wolltest doch, dass ich Penne nere mitbringe.“ Schweigen am anderen Ende. „Die gibt es nicht, ich habe alles abgesucht“, erkläre ich weiter. „Dann hole halt die blauen“, mault es durch den Hörer. Blaue Pasta? Rote habe ich schon gesehen, auch grüne, mit Saft von Roter Beete beziehungsweise Spinat gefärbt. Aber blaue? „Vielleicht finde ich rote, oder grüne …“, versuche ich einzulenken, ohne meine Tochter meinerseits mit einem „Häh?“ zu brüskieren. „Mama“, antwortet sie jetzt lachend, „bitte bring mir einen blauen Kugelschreiber, nur einen, und dann schauen wir im Schreibwarenladen nach den schwarzen.“

„Penne nere“ sind beziehungsweise waren in unserem Fall Kugelschreiber mit schwarzer Mine, könnten aber auch die kurzen, diagonal geschnittenen, als Penne bezeichneten Röhrennudeln sein.

Titelfoto: Symbolbild von Pexels.

Veröffentlicht von Anke

La Deutsche Vita in Bella Italia auf meinem Blog tuttopaletti.com. Geboren in der DDR, lebte ich zunächst im wiedervereinigten Deutschland und habe in Norditalien meine Heimat gefunden. Ein Leben zwischen den Welten und Kulturen, schreibend, lesend, neugierig und immer auf der Suche nach neuen spannenden Geschichten.

14 Kommentare zu „Schwer von Begriff

  1. Vervollständigte Einkaufszettel per WhatsApp kenne ich gut 😉, liebe Anke. Weil ich mich nicht so gut auskenne bei den Produktwünschen der lieben Kleinen 😅, bekomme ich immer noch ein Foto dazu. Dann kann nichts schief gehen. Betreutes Einkaufen eben.

    Einen schönen Sonntag!

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