Gleichnis

Ich stehe an der stark befahrenen Straße, will sie überqueren, um vom Einkaufszentrum zum Bahnhof zu kommen, an dem es keine freien Parkplätze mehr gibt. Ohne Fußgängerüberweg gilt es, sich in Geduld zu üben, den Optimismus nicht zu verlieren. Das ist ein Gleichnis, denke ich bei mir. Pazienza, wie der Italiener sagt. Geduld, der richtige Moment wird kommen. Man kann ihn nicht erzwingen, aber man muss ihn erkennen und dann schnell handeln. Ich stehe nicht das erste Mal hier. Die Erfahrung lehrt mich, auch wenn es nicht danach aussieht, ja unvorstellbar scheint: Irgendwann ergibt es sich. Doch heute ist Montag, eine Stunde früher als üblich und ich habe weniger Zeit, bis mein Zug geht. Ich werde ihn verpassen oder in der Eile unter ein Auto kommen. Beides keine schöne Aussicht. Da geschieht das Unerwartete: Ausgerechnet ein Lastwagen mit Anhänger verlangsamt und hält für mich an. Auch auf der Gegenseite sieht es gut aus, ein Auto noch, dann kann ich hinüberhuschen. Ich hebe die Hand zum Dank und muss lächeln. Was für ein schönes Gleichnis fürs Leben. Und eine Bestätigung für meine persönliche Montagsmagie.

Titelfoto: Symbolbild von Pexels.

Veröffentlicht von Anke

La Deutsche Vita in Bella Italia auf meinem Blog tuttopaletti.com. Geboren in der DDR, lebte ich zunächst im wiedervereinigten Deutschland und habe in Norditalien meine Heimat gefunden. Ein Leben zwischen den Welten und Kulturen, schreibend, lesend, neugierig und immer auf der Suche nach neuen spannenden Geschichten.

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