Ja! Es ist ein Nein.

Wer mich heute Nachmittag im Auto sah, konnte denken, ich hätte im Lotto gewonnen. Der sah, wie ich mit der rechten Hand (die linke am Lenkrad) in der Luft ruderte und „Ja!“ jubelte. Ich freute mich über das Nein. Im Radio hatte es in den 16-Uhr-Nachrichten gerade geheißen, dass das Ergebnis des Referendums an dieser Stelle feststünde. Weit mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen gegen die vorgeschlagene Justizreform. Die hätte der Politik größeren Einfluss auf die Rechtsprechung eingeräumt, Idee der rechten Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Ihr zufolge (mein Mann bestätigte diese weitverbreitete Auffassung) gäbe es nämlich zu viele linke Richter und Staatsanwälte. Das geht doch nicht! So einen Missstand sollte die Politik in ihrem Sinne beseitigen und mehr Einfluss auf Personalentscheidungen haben, meinte also Melonis regierendes, rechts-konservatives Dreiparteien-Bündnis.

Nun also eine klare Niederlage. Da nutzte auch die temporäre Steuersenkung für Diesel und Benzin nicht, per Dekret am Mittwochabend vor dem Referendum für zunächst 20 Tage angesetzt. Ein niedrigerer Spritpreis als Schachzug der Regierung, die Wähler auf ihre Seite zu ziehen, interpretierte mein Mann. Wir sind doch hier nicht in Deutschland, wo die Tankstellenpreise tagelang die Debatte dominierten, hoffte ich.

Ihrem Vater – ich durfte als deutsche Staatsbürgerin nicht abstimmen – erklärte die große Tochter im Vorfeld, worum es bei dem Referendum ging. Am Gymnasium hatte es eine entsprechende Infoveranstaltung für den ältesten Jahrgang gegeben, auf der jeweils ein Vertreter für Ja und einer für Nein zum Reformvorschlag zu Wort kam. So konnten sich die jüngsten Stimmberechtigten eine eigene Meinung bilden. Gute Sache, da muss ich die Schule einmal loben. Hier verweise ich für nähere Hintergründe gerne auf den Spiegel („Machtprobe für Meloni“) und freue mich heute noch ein bisschen über und für die Italiener.

Veröffentlicht von Anke

La Deutsche Vita in Bella Italia auf meinem Blog tuttopaletti.com. Geboren in der DDR, lebte ich zunächst im wiedervereinigten Deutschland und habe in Norditalien meine Heimat gefunden. Ein Leben zwischen den Welten und Kulturen, schreibend, lesend, neugierig und immer auf der Suche nach neuen spannenden Geschichten.

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