Musikalischer Auftakt

Im Januar habe ich gern einen Song, der meinen Optimismus beflügelt und mich ins neue Jahr begleitet, solange es noch einem unbeschriebenen Notenblatt gleicht. In den vergangenen Wochen kamen in Italien mehrere Titel heraus, die wie für einen Neustart gemacht sind: das zum Tanzen animierende, neue Abenteuer beschwörende „EUFORIA“ von Annalisa oder das lebensbejahende, Emotionen einfordernde ZERO von Laura Pausini zum Beispiel.

Meine persönliche Hymne für 2024 aber ist ein Remix eines Klassikers der italienischen Popmusik aus den 80er-Jahren. Wenn ich die ersten Noten von „TI SENTO“ im Autoradio höre, drehe ich laut auf und muss aufpassen, nicht aus dem Sitz zu heben. Eine Explosion von Energie und Rhythmus. Beim Refrain drehe ich dann doch wieder etwas zurück, Antonella Ruggieros Stimme ist einfach zu stark. „Die schreit ja!“, moniert meine Tochter, während ich meine Begeisterung mit ihr teilen will. „Die konnte eben noch singen“, gebe ich zurück und verweise zum Vergleich auf die heute scheinbar unvermeidliche Technik der künstlichen Stimmverstärkung, Autotune genannt. Wie Malen nach Zahlen ist Singen plötzlich für alle machbar. Auch Remixe laufen Gefahr, Misstöne anzuschlagen, insbesondere dann, wenn man sich gut an das Original erinnert und es liebte. Aber ich finde, Bob Sinclar ist mit „TI SENTO“ eine moderne Interpretation gelungen, die den Sommerhit aus dem Jahr 1986 respektvoll ins Heute holt.

Ob ich diesen international erfolgreichsten Titel der Gruppe Matia Bazar in der DDR kannte? Gute Frage. Mein Schwager, der damals als „Staatlich geprüfter Schallplattenunterhalter“ auflegte, hatte ihn jedenfalls auf Band. Aber das wundert mich nicht, in Westdeutschland war der Song im September 1986 auf Platz 11 der deutschen Hitparade und 40 Prozent Westmusik durften bekanntlich auch in ostdeutschen Diskoteken gespielt werden.

Mi ami o no?“ ‒ „Liebst du mich oder nicht?“, lautet die große Frage im Lied. Nun habe ich keine heimliche Flamme oder alte Liebe, der ich nachtrauere, aber ein solcher Refrain passt für mich genauso gut als Methapher für das Leben an sich. Es ist keine bange Frage, sondern eine mit Selbstbewusstsein geäußerte Einladung, wenn es weiter heißt:

Ti sento. Vorrei incontrarti.” Ich kann dich spüren. Ich möchte dich treffen.

Ich bin bereit.

Habt ihr eine Hymne fürs neue Jahr?

Titelfoto: Symbolbild von Pexels.

Veröffentlicht von Anke

La Deutsche Vita in Bella Italia auf meinem Blog tuttopaletti.com. Geboren in der DDR, lebte ich zunächst im wiedervereinigten Deutschland und habe in Norditalien meine Heimat gefunden. Ein Leben zwischen den Welten und Kulturen, schreibend, lesend, neugierig und immer auf der Suche nach neuen spannenden Geschichten.

31 Kommentare zu „Musikalischer Auftakt

  1. Liebe Anke, ein wirklich tolles Lied, was ich schon mochte, gleich nachdem es rauskam. Und es hat mich doch glatt beim Anhören in die 80er zurück versetzt, zumindest gedanklich.
    Ich selber habe momentan keine spezielle Hymne, aber das Jahr ist ja noch jung. 🙂
    Viele Grüße Bea

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  2. Natürlich, Anke, die italienischen Hits der 80er lösen bei mir noch immer und wohl bis in alle Ewigkeit nostalgische Gefühle aus. Großartige Musik! Eine Hymne für 2024 habe ich nicht. Bei mir gilt für jedes Jahr die Musik von Udo Jürgens. Eher weniger die Evergreens, als seine späten Lieder 🥹.
    „Staatlich geprüfter Schallplattenunterhalter“ – und Kulturschaffender 😅? Wunderbar!
    Liebe Grüße nach Italien.

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  3. Hymne habe ich keine, aber mein Gesangsverein veranstaltet dieses Jahr wieder mal eine Show. Und da singe ich voll Freude. Gestern haben die Proben begonnen und es wird bestimmt wieder super. Thema: Filmmusik

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  4. Klasse Song!
    Nach den Morgen-Dehnungs-Übungen tanze ich immer nach einem Song aus dem Radio. Das bringt gute Laune für den ganzen Tag. Dieser Song, ganz laut abgespielt, eignet sich hervorragend dafür💃🏻
    Dass mein Mitbewohner an die Badtür hämmerte und fragte, ob ich schwerhörig bin, überging ich großzügig😜

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  5. Ti sento ist groß. Wenn ich alleine im Auto bin und gerade Italodisco läuft (leider immer erst ab Österreich) dann drehe ich die Lautstärke auf. Und bei Annalisa grundsätzlich auch. Jedes mal wenn ich über die Alpen fahre ist ein neues Lied von ihr im Radio in Dauerschleife. Eine schöne Konstante 😉

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    1. Stimmt, seit einiger Zeit hat Annalisa immer einen Titel im Rennen. Klasse Musik zum Aufdrehen und für dich zum „Wieder nach Italien kommen“. 😊

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  6. Liebe Anke, kennst du die Crucchi Gang – Deutsche Songs auf Italienisch gesungen? Mein Song: L’Altra meta von dem von mir sehr verehrten Tristan Bursch gesungen.

    Ganz liebe Grüße aus dem verschneiten Berlin. Roswitha

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      1. Nein, ich glaube sie kommen nicht aus Berlin. Francesco Wilking, dessen Mutter Italienerin ist, gehört zu den Gründungsmitgliedern und übersetzt die deutschen Texte der Songs. Die Crucchi Gang arbeitet mit wechselnden Musikerinnen und Musikern. Das Charmante ist, dass die Songs auf Italienisch gesungen anders klingen. Mir gefällt das, obwohl das Italienisch für meine Ohren teilweise etwas seltsam klingt. Dennoch…..Liebe Grüße

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  7. Das Lied kannte ich gar nicht, obwohl ich in den 80ern natürlich auch mit italienischen Hits groß geworden bin. Vorzugsweise hat man die damals bei seinem Stamm-Italiener gehört. 😉 Dort habe ich als Kind übrigens immer Spaghetti Carbonara oder Tortellini alla panna gegessen. Lustig, welche Erinnerungen manchmal in einem hochsteigen.

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