Warten auf den Glücksmoment

Oder: Von Warmduschern, Prinzessinnen und Waschlappen

Großes Glück offenbart sich in kleinen Momenten! Dieser Satz ist nicht von mir, ich habe ihn von einer pastellfarbenen Körperpflegeverpackung abgeschrieben. Auf mein neues „Glücksmoment“-Duschgel der deutschen Drogeriekette, die seit einiger Zeit auch in Varese eine Filiale betreibt, freute ich mich seit dem 1. Januar. Erst zwei Wochen später durfte es seine Wunderwirkung entfalten. Gegen Ende des alten Jahres war mir aufgefallen, dass unser Wasser nicht mehr so richtig heiß wurde. Es war nur warm. Vielleicht erzählte ich meinem Mann davon, vielleicht vergaß ich es auch. Er, bekennender Warmduscher, wäre der erste, der sich beschwert. Aber er lamentierte nicht. Bis das Wasser beim Aufdrehen nur noch lauwarm aus dem Duschkopf rann. Da kam sein Hinweis: Lass es fünf Minuten laufen, dann wird es wärmer. Es wurde lauwärmer. Nicht mehr warm. Jeden Tag ein bisschen weniger. Nun geht mir das Verschwenden von Wasser nicht erst seit dem großen Dürresommer 2022 gegen den Strich. Lieber duschte ich nur noch jeden zweiten oder dritten Tag. Im Winter geht das, zumal während der Schulferien auch Monis Aero-GAG Pause hatte. Für die Haare holte ich mir einen Zusatztermin bei Rosi. Zwei Friseurbesuche in der Woche sind kein Leiden, das ist Jammern auf hohem Niveau, werdet ihr sagen. Recht habt ihr! Genau das ging mir auch durch den Kopf, während ich mir selbigen mit duftendem Shampoo massieren ließ. Richtig genießen konnte ich es nicht. Verwöhntes Pack, schimpfte ich innerlich mit uns. Mittlerweile hatte der Warmduscher den Klempner seines Vertrauens kontaktiert, nur war der leider auch in den Ferien. Was mich bei all dem sehr wunderte, war, dass unsere Töchter nicht am lautesten schrien. Für sie ging das kühle Duschen eine Weile lang in Ordnung. Doch irgendwann war Schluss mit lustig. Mit der italienischen Zauberformel „fare finta di niente“, so tun, als wäre nichts, kamen wir nicht weiter. Die Prinzessinnen verlangten die sofortige Lösung des Problems. Einmal musste ich meinen Mann abends anrufen und beim Billardspiel stören, weil meine Aussage, ich hätte schon an allen Knöpfen gedreht und mehr könnten wir nicht machen, von der, die unter der Dusche stand, nicht akzeptiert wurde. Die Mädchen sind es gewohnt, dass der Papa viele technische Dinge auch von unterwegs im Remote-Modus richten kann. Diesmal waren seine magischen Kräfte begrenzt.

Natürlich versuchten wir auch auf anderem Wege, an einen Handwerker zu kommen. Der Königsweg, sonst unfehlbar, ist der über unsere Hausratsversicherung. Innerhalb von 48 Stunden organisieren wir die Techniker, hieß es. Damit ließ sich leben. Ich erklärte den Mädchen, wie man heißes Wasser aus dem Kochtopf in einer Schüssel mit kaltem mischen und sich mit einem Waschlappen waschen kann. Zum Glück habe ich ihre Kinderwaschlappen aufgehoben. Unsere Prinzessinnen bekamen Schneewittchen und Dornröschen, ich das Rotkäppchen und der Papa den Froschkönig. Ich versuche hier nicht, die Begeisterung in den Gesichtern zu beschreiben. Ihr könnt sie euch vorstellen. Ich selbst nahm die Sache mit Humor. Und erinnerte mich, wie wir früher im Ferienheim nur ein Waschbecken im Zimmer hatten, an dem wir abwechselnd standen und uns mit einem Lappen abseiften. So war das und so ging das auch. Oder meine Schwester. Die könnte was erzählen. Noch in den 80er-Jahren gab es in ihrer ersten Altbauwohnung kein Badezimmer, sondern ein Waschbecken in der Küche und das Klo auf halber Treppe.

Zu unser aller Glück mussten wir die Waschlappen nur zwei Tage lang benutzen. Am dritten kam endlich der Klempner, nämlich der des Vertrauens, und stellte an den richtigen Schrauben. Die Versicherung hat diesmal versagt. Auch sie war nicht in der Lage, Anfang Januar einen Klempner zu organisieren. Wären unsere Prinzessinen kleine Prinzen, ich würde sie ein goldenes Handwerk lernen lassen.

Titelfoto: Symbolbild von Pexels.

Veröffentlicht von Anke

La Deutsche Vita in Bella Italia auf meinem Blog tuttopaletti.com. Geboren in der DDR, lebte ich zunächst im wiedervereinigten Deutschland und habe in Norditalien meine Heimat gefunden. Ein Leben zwischen den Welten und Kulturen, schreibend, lesend, neugierig und immer auf der Suche nach neuen spannenden Geschichten.

6 Kommentare zu „Warten auf den Glücksmoment

  1. Lehrlingswohnheim 1985 Michendorf: Ein Waschraum für Mädchen und Jungen. Einteilung der Zeiten für die jeweiligen Geschlechter. Zehn Waschbecken an der Wand mit jeweils zwei Wasserhähnen, wobei das warme Wasser manchmal aus blieb. Keine Dusche, zehn Toiletten im selben Raum. Das alles außerhalb unseres Wohnheims auf dem Hof.
    Ach Anke, waren das noch Zeiten?!
    Heute dusche ich zweimal pro Woche, um Wasser und Gas zu sparen. Alles andere geschieht am Waschbecken mit Waschlappen.
    Warme Sonntagsgrüße zu dir!

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  2. Ach, sind wir heute verwöhnt! In meiner Kindheit in den 50er Jahren war der Einbau einer Sitzbadewanne im engen Kabäuschen, wo es sonst lediglich ein kleines Lavabo mit Kaltwasser gab, eine Riesensensation, um die wir rundum beneidet wurden. Das wöchentliche Bad war zuvor eine zeitraubende Angelegenheit für die ganze Familie gewesen: im Keller, wo der Vater zuerst lange den Heizkessel einheizen musste, damit es warmes Wasser gab, mit anschliessendem Huschen durchs kalte Treppenhaus in die Wohnung 2 Stockwerke höher! Und dabei waren wir erst noch privilegiert… Heute, im Alter, greifen wir wieder vermehrt zum Waschlappen. Im Sitzen ist das dann bequemer und braucht weniger Wasser als Duschen oder Baden. Wie sich die Zeiten ändern! Vielen Dank für deinen anschaulichen Text und liebe Grüsse Elisa 😁

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    1. … ja, fünfziger Jahre, an die ich mich auch lebhaft erinnere. Einmal Badewasser eingelassen -Badeofen wurde einmal in der Woche angeheizt- und dann mehrere Kinder (5) im gleichen Wasser gebadet. Wenn ich heute den ‘Kult’ um’s Zähneputzen sehe, versuche ich mich zu erinnern, ob bei uns jedes Kind eine eigene Zahnbürste hatte. Ohne Ergebnis. Aber daran, dass man mich lange um meine weißen Zahne beneidete, daran erinnere ich mich😉 Heute gehe ich direkt nach dem Aufstehen und kleinem Frühsport unter die eiskalte Dusche – inzwischen fast 4 Minuten! Und wenn der Mai kommt, dann habe ich die große Badewanne, deren Salzwasser zu Anfang ziemlich kühl ist, aber im September hat die Ostsee manchmal (!) 18 Grad. So hat jeder seins😜

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  3. Glückwunsch zu dieser Waschlappensammlung :). Ich bin ehrlich gesagt auch verwöhnt was das Duschen angeht. Gleichzeitig aber, möchte ich nach den letzten Jahren auch nicht mehr ewig das Wasser laufen lassen. Im Zweifel also doch der Waschlappen. Wobei meiner deutlich langweiliger ist.

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