Was uns fehlte

Frage: Was vermisst du am meisten?

Darin waren wir uns in Italien und Deutschland einig: Am stärksten vermissten wir während der Zeit der strengen Kontaktsperren Treffen mit Freunden und Familie. Aber seien wir mal ehrlich: Kannten wir vorher nicht Situationen, in denen genau dieses Zusammensein so selbstverständlich war, dass wir es als Pflicht empfanden? Oder wir ließen uns kostbare Momente mit unseren Lieben durch irgendwelche banalen äußeren Umstände vermiesen. Das kann uns in Zukunft nicht mehr passieren, versprochen?!

Was euch sonst noch besonders fehlte:

Ein bisschen Freiheit

Was ist erlaubt, was nicht? Darf ich auch in den Supermarkt im Nachbarort, für den ich eine Kundenkarte habe, oder muss ich jetzt in den nächstgelegenen in der Heimatkommune? Solche und ähnliche Fragen schränkten nicht nur unseren Bewegungsspielraum, sondern vor allem den persönlichen Entscheidungsrahmen so extrem ein, wie wir es nie zuvor für möglich gehalten hätten. Deshalb antworteten viele auf die Frage, was sie vermissten: Frei und spontan entscheiden zu können, wo man hingeht und mit wem. Und zwar ohne Selbstbescheinigung, wünschten sich die Italiener, die das Haus viele Wochen nur mit gültiger „Autocertificazione” verlassen durften.

„Die Freiheit, auszugehen … sich zu treffen, überall hinzugehen, ohne Angst …“

Gemeinsame Aktivitäten

Natürlich kann man sich auch zuhause die Zeit wunderbar vertreiben, aber es gibt Dinge, zu denen braucht es die richtige Gesellschaft. Ihr habt es sehr vermisst, gemeinsam mit Gleichgesinnten Konzerte, Theater oder Sportwettkämpfe zu besuchen. Und wer selbst Mitglied in einer Musik-, Sport- oder Theatergruppe ist, hielt zwar Kontakt mit den Mitstreitern, aber die Zwangspause für das gemeinsame Üben und Trainieren schmerzte.

„Am meisten habe ich die Aktivitäten vermisst, bei denen Leute zusammenkommen: Freunde besuchen, ins Kino oder zu einem Konzert gehen etc.“

Eine Rückzugsmöglichkeit

Wenn man jeden Tag von früh bis spät die komplette Familie um sich hat, kommt hin und wieder der Wunsch nach ein bisschen Abstand oder Privatsphäre auf. Das Bedürfnis, einfach mal die Tür hinter sich zu schließen und eine halbe Stunde lang nicht verfügbar zu sein. Ohne nach fünf Minuten schon wieder ein „Mama (oder Papa), kommst du mal?“ zu hören. Während des Lockdowns blieb manchmal nur die Toilette als Refugium.

„Mir fehlte, meinen eigenen Raum zu haben, in den ich mich zurückziehen kann, um einfach mal unbeobachtet zu tanzen.“

Ein langer Spaziergang

Die Italiener fühlten sich eingesperrt. Sie vermissten nicht nur das Reisen, das auch den Deutschen versagt war, sondern sogar das simple Spazierengehen im Wald oder durch den Ort. Einige Wochen lang hieß es in den staatlichen Auflagen, dass man sich nur innerhalb eines Radius von 200 Metern um die eigene Wohnung herum bewegen durfte, um zum Beispiel den Hund auszuführen.

„Es hat mir sehr gefehlt, dass ich keine langen Spaziergänge mit meinem Hund machen konnte, er ist kein Typ für 200 Meter, ganz im Gegenteil!

Die Stammkneipe

Auch wenn nach ein paar Wochen viele Restaurants einen Lieferservice eingerichtet hatten, ersetzte das nicht den gewohnten Besuch in der Stammkneipe oder beim Lieblingsitaliener (sorry, hier rutscht mir mal ein deutsches Klischee in den Text). Die Italiener sehnten sich nach einem guten Espresso, morgens oder mittags im Stehen am Tresen konsumiert, oder dem Feierabend-Aperitif mit Kollegen.

„Eine schöne Tasse Kaffee an der Bar, ein Abendessen mit den besten Freunden.“

Unbeschwertheit

Wenn ihr dann doch mal aus dem Haus musstet, sei es für den unverzichtbaren Lebensmitteleinkauf oder weil noch Unterlagen aus dem Büro fehlten, spürten viele von euch einen seltsamen Druck, der die Kehle zuschnürte. Und das lag nicht nur am Nasen-Mundschutz, an den wir uns erst gewöhnen mussten. Die Italiener fühlten sich manchmal wie halbe Verbrecher und fürchteten Polizeikontrollen, obwohl sie alles richtig machten und gegen keine Regel verstießen. 

„Sorglos aus dem Haus gehen zu können, ohne Maske und Handschuhe.“

Große Gefühle

Einige von euch hatten nicht das Glück, daheim die Menschen um sich zu haben, die ihnen am wichtigsten sind. Wenn der Partner im Ausland lebt, oder, wie in Italien, einfach nur in einer anderen Region, quälte die schmerzhafte Ungewissheit, wann man sich je wiedersehen würde.

„Meinen Geliebten, er lebt im Ausland.“

Echte Arbeit

Jemand sagte, er vermisste am meisten seine Arbeit, die normale „Live“-Version. Da er/sie uns nicht verriet, welche Arbeit das ist, bleibt es unserer Fantasie überlassen. Und wir hoffen, dass er/sie diese Arbeit jetzt wieder ausüben darf.

„Meine Arbeit „live“.”

Wenn uns sogar kleine Ausflüge verwehrt sind, träumen wir dann umso mehr von großen Reisen in ferne Länder? Ob es Italiener und Deutsche in Gedanken an den geliebten Ort um die Ecke oder doch eher in die Ferne zog, das erfahrt ihr in der nächsten Woche.

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