Besser als Fußball

Warum der European Song Contest besser als eine Fußball-Weltmeisterschaft ist? Nun, in beiden Fällen habe ich theoretisch zwei Nationen im Rennen. Beim ESC ist das mit dem Anfeuern aber leichter. Es reicht, das Finale anzusehen. Italien ist bereits per Reglement im Endausscheid. (Das gilt auch für Deutschland, aber, nun ja.) Während einer langen Aufwärmphase, in der man sich ganz unaufgeregt und gemütlich auf dem Sofa sitzend alle sechsundzwanzig Kandidaten anhört, anschaut und kommentiert, bleiben die Nerven noch geschont. Dann geht es in die Jurywertung, und es wird langsam spannend, ohne dass schon alles verloren ist. Beim ESC ist es praktisch eine Garantie, dass in den letzten Minuten das entscheidende Tor fallen wird. Beim Fußball kann es passieren, muss aber nicht. In Sachen Musik entscheidet das Publikum, wer das Rennen um die Siegertrophäe macht. Heute Nacht ging sie an die bereits im Vorfeld als Favoriten gehandelte italienische Rockband Måneskin, Gewinner des diesjährigen Sanremo Festivals. Wenn ihr die letzten ESC-Ausgaben Revue passieren lasst, erkennt ihr, dass die Italiener in der Regel bei der Jury weit vorne mitspielten, aber es reichte noch nicht fürs Treppchen. Es ging in die Verlängerung: Die europäischen Fans daheim (nicht aus dem eigenen Land, wohlgemerkt) verhalfen Il Volo 2015 auf Platz Drei, Mahmood 2019 auf Platz Zwei, und diesmal brachte das Tor in den letzten Minuten den langersehnten, wohlverdienten Sieg.

Heute sind die Italiener Fuori di testa, und feiern „ihren“ Sieg wie sie seit 2006 in Berlin keine Gelegenheit dazu hatten.

Hier noch einmal für euch: Måneskin – ZITTI E BUONI mit ihrem Finalauftritt.

Titelbild: Aus dem Video der Fernsehübertragung.

Veröffentlicht von Anke

La Deutsche Vita in Bella Italia auf meinem Blog tuttopaletti.com. Geboren in der DDR, lebte ich zunächst im wiedervereinigten Deutschland und habe in Norditalien meine Heimat gefunden. Ein Leben zwischen den Welten und Kulturen, schreibend, lesend, neugierig und immer auf der Suche nach neuen spannenden Geschichten.

39 Kommentare zu „Besser als Fußball

  1. Ja, das war ein atemberaubendes italienisches Spektakel mit viel Feuer, Wind und Funkenflug.
    Den deutschen Interpreten fand ich schrecklich unmelodisch und albern. Mir gefiel Großbritannien sehr gut, und Malta und Zypern. 🙂

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    1. Ich fand die Bandbreite klasse, es war für jeden etwas dabei. Und manches fand gar keinen Zuspruch. Die jugendliche Kraft der Italiener hätte keinen künstlichen Funkenflug gebraucht. 😊 Liebe Grüße und noch schöne Pfingsten!

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  2. Fußball & Eurovision beides nicht meine Welten, daher auch nicht die Show gesehen. Natürlich neugierig reingehört und ich kann verstehen, warum Italien den Laden gerockt hat. Den Deutschen Beitrag habe ich nicht ganz ausgehalten, bisschen viel Hüpf & Bunt, aber das ist ja Geschmackssache – dafür ist mir beim österreichischen Lied das Gesäß eingeschlafen 🙂

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    1. Soo schlimm? 🤭 Kann dazu nichts sagen, weil ja Österreich gar nicht in die Endauswahl gekommen ist. Wie geschrieben, bin ich erst beim Finale eingestiegen. Aber einschlafende Körperteile gab es auch bei anderen Beiträgen.😉

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      1. Hab nur die 3 Beiträge auf Youtube gesehen, also D, I und Ö. Da waren die Italienys klar meine Favoriten. Habe schon seit Jahren kein TV mehr, daher geht sowas meist an mir vorbei 🙂

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  3. Da hast du recht, es war so aufregend und ich habe richtig gejubelt. Eine Stimme aus Österreich haben sie bekommen und ich habe zum ersten Mal auf den Sieger beim ESC gewettet. Jetzt sitze ich im Zug an der Grenze. Buongiorno e complimenti!

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    1. Hast du auch mit deinem Freudenschrei mitten in der Nacht die Hausbewohner aufgeschreckt, wie mein Mann es mir vorwarf?😉 Ich wünsche dir schöne Tage bei „uns“. 😊🌞🍷

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      1. Dann sollten wir künftig gemeinsam solche Events schauen. Das letzte Mal (2014) war es meinem Mann peinlich, als ich bei einem Tor für Deutschland die Balkontür aufriss und Goal brüllte. 😉😂 Ok, das war ja die „falsche“ Mannschaft für die Nachbarn. 🤦‍♀️
        Hab eine schöne Zeit in Bologna! 😘

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  4. Die Regel, dass Deutschland automatisch für das Finale Qualifiziert ist, sollte man mal überdenken. Ich persönlich hätte den Sieg den Franzosen gegönnt, aber mit dem italienischen Sieg kann ich gut leben. Unterm Stich ein abwechslungsreicher Abend mit vielen, zum Teil sehr verschiedenen Titeln. Ein großes europäisches Liederfest – und so soll es ja auch sein…

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    1. Das finde ich auch, es ist ein schönes Fest und erreicht viele Menschen in ganz Europa. Etwas gemeinsam zu feiern, schon das ist gerade in der gegenwärtigen Zeit voller Abgrenzungen und Eigeninteressen eine tolle Sache. Musik verbindet und überwindet Grenzen.

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      1. Was mir dabei aufgefallen ist: wie viele Migrantinnen und Migranten mit ganz Unterschiedlichen Biographien die europäische Kunstwelt bereichern. Die Tochter griechischer Eltern, die in den Niederlanden lebt, dort für die Niederlande am Kids-Grand-Prix antritt und dann jetzt wieder für Griechenland singt, nur als Beispiel. Die Jugend denkt viel europäischer, als unsere Generation. Und das ist gut so.

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  5. Mit dem European Song Contest kann ich schon lange nichts mehr anfangen. Der Funke springt einfach nicht mehr über. Mir fehlt das Charisma, nicht nur der Show an sich. Schade. Sie hat einmal viele Generationen vor dem Bildschirm gefesselt. Alles hat eben seine Zeit. In diesem Fall jedenfalls für mich.

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    1. Vielleicht kommt es irgendwann wieder anders? Weißt du, ich bin erst relativ spät, hier in Italien, beim ESC eingestiegen. Zu DDR-Zeiten … ohne Worte. Wir sollten damals in der Politdiskussion über „Ein bisschen Frieden“ diskutieren, ich fragte, wovon redet ihr eigentlich, wir schauen doch angeblich (ich wirklich) kein Westfernsehen.
      Gemeinsam mit meinem Mann ist es jetzt eine schöne Tradition, das Finale zu verfolgen. Und unserem Vertreter vom Sanremo Festival die Daumen zu drücken. Eine Mischung aus Sportsgeist und Unterhaltung (zu lachen und zu lästern gibt es ja auch genug).

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      1. Das verstehe ich natürlich. Ich kannte den Songcontest auch schon zu Zeiten von „ein bisschen Frieden“ und war mit Deinem beschriebenen Sportsgeist und dem Gefühl eines gemeinsamen Familienereignisses dabei. Hinzu kam immer der Gedanke, dass Udo Jürgens 1966 teilgenommen und gewonnen hatte❤.
        Mein Mann interessiert sich überhaupt nicht für derartige Events und so bekommt man einen gewissen Abstand, auch weil ich ein relativ konservativer Mensch bin und mir das alles viel zu modern ist. Aber Gott sei Dank sind die Geschmäcker verschieden 😉

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  6. Na ja, die Zeiten der Gianna Nannini sind halt vorbei.. 🙂 Ganz zu vergesse,, dass es gerade in Italien auch ‚mal Leute gab, die singen konnten. Damit wäre natürlich bei solch einem Fest kein Blumentopf zu gewinnen. Nur gut, dass man das Wort „Chanson“ schon längst weggelassen hat.😊

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    1. Ein Chanson-Festival ist es nicht mehr, da hast du Recht. Die Zeiten und der Musikgeschmack ändern sich. Warum selten große Künstler und große Stimmen dabei sind … Manchmal scheint es mehr ein Nachwuchsfestival, aber mit Ausnahmen. Wir sehen es trotzdem gerne und feuern unsere Vertreter an. Wie beim Fuβball eben. 😉

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      1. Dank Elektronik kann heute jeder auf die Bühne, da braucht’s keine Stimme mehr..😊Aber schön bunt zum Zuschauen ist es ja noch und wenn Du schon nichts mehr hinkriegst ist es auch I zu gönnen. Wie auch den italienischen Radrennfahrer beim momentan täglich beobachteten „Giro“. Wo die heute bei strömendem Regen fuhren hatte ich 1966 wochenlang Sonne..☀️☀️

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  7. Mir fallen dazu Shakespeare-Titel ein: „Wie es euch gefällt“ und „Viel Lärm um nichts“. Aber warum nicht? Ist ja nicht für meine Altersgruppe gemacht.
    Euch in Italien viel Freude am Sieg! Tut ja gut, endlich mal wieder „ganz oben“ zu figurieren. Und verdient ist es auch. Liebe Grüße!

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  8. Mir hat der Beitrag aus Italien nicht gefallen. Aber ich finde es toll, dass eine so junge Band gewonnen hat. Deutschland fand ich mal wieder peinlich – ich finde ja, man sollte das ändern, dass Deutschland automatisch gesetzt ist. Vielleicht würden wir uns dann mal mehr Mühe geben, einen vernünftigen Beitrag zu schicken… Mir persönlich haben Schweden und die Schweiz am besten gefallen.

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    1. Es ist doch schön, dass so viele verschiedene Musikstile dabei sind, jedem gefällt etwas ganz besonders und anderes gar nicht. Ich konnte zum Beispiel mit dem Schweizer so gar nichts anfangen. Ja, mich freut es auch besonders, weil es eine junge Band ist, und sie schreiben ihre Titel selbst. Nichts Gecastetes und Kopiertes, wie diese unzähligen Wiederholungen von knapp bekleideten Sängerinnen mit Tanzgruppe.

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  9. Ich schrieb es vor ein paar Wochen schon einmal: Ich bin wohl zu alt für diesen Typus Musik.
    Nun bin ich auch noch ein paar Wochen älter als bei meinem letzten Kommentar dazu. Und ich muss sagen, auch durch die Wochen, die ich nun älter bin: Es gefällt mir immer noch nicht. 😄
    Aber der Fakt, dass die Band aus Rom kommt. Ja, der gefällt mir. 😉
    Für Italien und die Italiener freue ich mich. Denn welches Volk feiert Siege so voller Passion, voller purer Freude und voller Stolz, wenn nicht die Italiener? 🇮🇹

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    1. Liebe Eva, wie alt muss ich mich fühlen, wenn du immer wieder auf dein Alter anspielst? Spaß beiseite, es ist eben Geschmackssache. Ich bin auch keine Rockoma, kein Fan „solcher“ Musik. Aber diese Band, den Song und den Text gerade in dieser Zeit, mag ich. Es wird auch daran liegen, dass wir Måneskin bereits 2017 bei X-Faktor sahen, blutjunge Hüpfer und doch damals schon beneidenswert professionell. Zumal sie diesen rebellischen Song selbst geschrieben haben. Damit und mit ihrer Performance treffen Måneskin wohl den Nerv der Zeit und nicht nur bei der italienischen Jugend genau ins Schwarze.
      Ich musste übrigens an dich denken, ihr hattet ja sogar drei Länder im Finale. Da ich um deine Ablehnung der Italo-Rocker wusste, fragte ich mich allerdings, wem ihr dann zujubelt. 🤔😉
      Liebe Grüße und noch ein schönes Pfingsten in Francoforte!🌞

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      1. Liebe Anke, da hast du absolut Recht! Sie selbst sagten, dass sie mit diesem, für San Remo ungewöhnlichen Song, sich nicht allzu große Chancen ausgerechnet haben. Dass sie dann gleich noch den ESC abräumen, verdient allergrößten Respekt. 🤩
        Tatsächlich jubelte der Römer dem Schweizer Kandidaten Gjon mit den albanischen Wurzeln, der auf französisch sang, zu. Ich musste ihm zustimmen. 🙈Dem albanischen Jennifer Lopez Verschnitt konnten wir beide nichts abgewinnen. Und Deutschland… na ja. Immerhin schön, dass er mitgemacht hat. 😄
        Danke dir. 💛 Das wünsche ich euch auch, auch wenn der Montag kein Feiertag in Italien ist. Aber der 02.06. kommt bestimmt. 😉 Liebe Grüße aus Frankfurt!😃

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  10. Stimmt Anke, es war ein buntes Programm und ich hätte mich nicht entscheiden können, welcher Beitrag mir am besten gefallen hat. Schade fand ich, dass Großbritannien komplett leer ausgegangen ist…
    Hab du auch ein schönes langes Wochenende und lass es dir gut gehen. 🤗
    Viele Grüße Bea

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      1. Ha ha ha. Mi sa che la Germania non avrà mai il „problema“ di dover ospitare il Song contest, se vanno avanti così. 🙈 Sono i vincitori che portano l’evento al loro paese. Ho visto che si sono già candidati Milano, Bologna, Turino, Pesare, Napoli, Roma …

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