Turin in Südtirol

„Grandioso, dann findet der ESC beim nächsten Mal in Mailand statt“, rief meine Tochter im Mai vor einem Jahr beim Sieg der italienischen Rockband Måneskin in Rotterdam. „Da fahren wir dann hin, Mama, und können live dabei sein!“ Sie sollte sich irren. In zweierlei Hinsicht. Erstens findet der ESC zwar im Land des Siegers statt, aber die Bewerbung um den Austragungsort hat Turin gewonnen. Und zweitens fahren wir nicht hin. Das abendfüllende Spektakel schaue ich mir lieber gemütlich auf der Couch sitzend an. Schließlich gilt es, bis weit nach Mitternacht durchzuhalten. Spannend wird es garantiert und dass der italienische Beitrag – Gewinner des diesjährigen Sanremo Festivals – wieder weit vorne mitmischen wird, ist eine sichere Wette. Mich interessiert in diesem Jahr freilich auch das ganze Drum und Dran. Ich möchte sehen und erleben, was Italien da auf die Beine stellt. Die Umsetzung des Mottos „The Sound of Beauty“, die Show, das Bühnenbild. Mit der kinetischen Sonne im Zentrum der Bühne hat es bei den Proben technische Probleme gegeben, aber wer wären denn die Italiener, wenn es nicht etwas zu improvisieren gäbe. Und natürlich freue ich mich auf die Moderation. Mit Laura Pausini, von der ich hier im Blog bereits schrieb, und Mika, libanesisch-britischer Sänger, Komponist und Produzent und einer der Starjuroren der italienischen Castingshow X Factor, sind wir ebenfalls auf der sicheren Seite, was ansprechende Unterhaltung auf internationalem Niveau betrifft. Und doch gibt es ein Problem: Ausgerechnet am Finalabend werden wir in Südtirol sein. Also immer noch in Italien. Da wir dort jedoch liebe Verwandte aus Deutschland treffen, werde ich wohl nicht die ganze Nacht durchhalten, zumal auf fremden Sitzmöbeln und vor einem – dem Foto auf der Webseite der Ferienwohnung nach zu urteilen – kleinen Fernsehgerät älteren Datums. Eigentlich kein Problem, wer fährt denn in den Urlaub, um fernzusehen. Aber diesmal ist es ein Dilemma. Und am Sonntagmorgen müssen wir in aller Herrgottsfrühe um halb zehn aus der Ferienwohnung raus, hieß es bei der Buchung. Ich werde sehen, was sich machen lässt. Vielleicht überraschen mich die Südtiroler doch noch und haben irgendwo ein großes Public Viewing, wo wir Mahmood & Blanco anfeuern können. Nachts in den Bergen, draußen auf der Piazza – ähm, auf dem Marktplatz – sind „Brividi“ (Gänsehaut) garantiert. Dicke Pullover stecke ich vorsichtshalber ein. Mal sehen, ob und wie wir doch noch in Turin sein können.

Titelbild: Credits MikeDotta bei Shutterstock. Description: Eurovision Song Contest logo projected on the Mole Antonelliana. The 66th edition will be held in Turin in May 2022. Turin, Italy – January 2022.

Veröffentlicht von Anke

La Deutsche Vita in Bella Italia auf meinem Blog tuttopaletti.com. Geboren in der DDR, lebte ich zunächst im wiedervereinigten Deutschland und habe in Norditalien meine Heimat gefunden. Ein Leben zwischen den Welten und Kulturen, schreibend, lesend, neugierig und immer auf der Suche nach neuen spannenden Geschichten.

13 Kommentare zu „Turin in Südtirol

    1. Oh ja, dieser Veranstaltungsteil zieht sich immer wahnsinnig. Entweder, man hat einen Titel zum Mitfiebern, oder man interessiert sich für die Sprecher der Länder und was sie aufsagen, bevor sie mit den Wertungen herausrücken. Das ist manchmal auch recht amüsant. 😉

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  1. Ich musste erst einmal googeln, ob Deutschland da dieses Jahr auch mitmacht oder nach den Flops der letzten Jahre endgültig das Handtuch geworfen hat. 😉

    Der italienische Beitrag gefällt mir aber gut.

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  2. Wir haben uns mittlerweile vom ESC verabschiedet, weil Deutschland in unseren Augen schlechter als es gerechtfertigt wäre bepunktet wird. Ähnlich wie beim DAX die politische Stimmung Einfluss hat, haben wir die Vermutung, richtet sich die Punktevergabe nach dem politischen Ansehen Deutschlands. In den letzten Jahren war es nur ärgerlich. Aber euch natürlich viel Spaß.
    LG Bettina

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    1. Liebe Bettina, so einen politischen Hintergrund, von wegen „gerade nicht beliebt“, hätte man im letzten Jahr angesichts der Null-Punkte-Wertung des britischen Beitrags vor dem Hintergrund des umstrittenen Brexits vermuten können. Aber ob es wirklich so ist? Die Qualität und der kommerzielle Erfolg (mit internationalem Appeal) der Songs spielen meiner Meinung nach die Hauptrolle. 2018 hat es Michael Schulte mit der anrührenden Ballade „You let me walk alone“ auf einen tollen vierten Platz für Deutschland gebracht. Sein Titel lag damals auf der Wellenlänge des Publikums. Vielleicht hat Deutschland in diesem Jahr mit der Wahl des Beitrags ein glücklicheres Händchen und er schneidet auch wieder besser ab als seine Vorgänger.
      Danke und liebe Grüße, Anke

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  3. Das Lied von Michael Schulte hatte ich gar nicht mehr in Erinnerung. Stimmungen spielen bestimmt in einen solchen Wettbewerb mit hinein, sollten sie zwar nicht, aber man wird es nicht verhindern können. Mal gucken, was uns der ESC in diesem Jahr einbringen wird 😉
    Liebe Grüße Bettina

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