10 deutsche Speisen, die mir in Italien fehlen

Wer hätte das gedacht: Da lebe ich nun schon seit mehr als zwanzig Jahren in Bella Italia, dem Paradies des guten Essens, und trotzdem vermisse ich einige Nahrungsmittel und Gerichte aus der Heimat. Mein Mann lästert gern: Es gibt so wenige deutsche Restaurants im Ausland, welchen Grund hat das wohl? Überall auf der Welt kann man Italienisch essen gehen, auch wenn die Qualität nicht immer hält, was die grün-weiß-rote Werbung verspricht. Aber deutsche Restaurants in Italien? Fehlanzeige. Einzig die Bayerische Küche und das deutsche Bier haben es in die hiesigen Köpfe und Mägen geschafft, für Italiener repräsentieren sie die deutsche Ess- und Trinkkultur. Wenn ich Lust auf eine Brezen oder eine Schweinshaxe mit Kraut habe, gehe ich zum „Kapuziner Platz im Wald“, keine halbe Stunde von uns entfernt. Nur: Ich komme nicht aus Bayern und mein Heißhunger auf Bayerische Schmankerln hält sich in Grenzen. Meine kulinarischen Erinnerungen sind ostdeutsch geprägt. Zu Besuch bei der Familie freue ich mich immer sehr, wenn es etwas Traditionelles gibt.

Was sind nun die Speisen, die mir am meisten abgehen? Hier zehn Leckereien, die ich einfliegen lassen würde:

  • Ofenfrisches Mischbrot vom Bäcker (auch nach drei Tagen noch lecker)
  • Leberwurst (die grobe, auch Kassler-Leberwurst genannt)
  • Halberstädter Würstchen (knackig und unverwechselbar)
  • Sülze mit Remouladensoße und Bratkartoffeln (erste Wahl im deutschen Gasthof)
  • Pflaumenstreuselkuchen (darf sich auch Zwetschgendatschi nennen)
  • Mohnkuchen (vom Blech oder als Striezel)
  • Quarktorte (die ohne Boden nach dem Rezept meiner Oma)
  • Rhabarber (als Kompott oder auf dem Kuchen)
  • Dresdner Sauerbraten und Thüringer Kartoffelklöße (sächsisch deftig)
  • Harzer Käse (gern mit Kümmel drumherum)

Und zu Weihnachten: Gänsebraten, mit Rotkohl und Klößen (sächsisch) oder mit Grünkohl und Salzkartoffeln (brandenburgisch). Da pfeif ich auf das vierstündige Mehrgängemenü in Italien.

Anderes, wie (Spreewälder) Saure Gurken, Kartoffelsalat, Soljanka oder Bauernfrühstück kann ich auch in Italien ähnlich besorgen beziehungsweise nachkochen, auch wenn ich dabei nie wirklich an das Original herankomme. Letztlich spielt auch das Ambiente eine Rolle, in dem eine Speise authentischen Genuss beschert. Deutscher Blechkuchen (auch den könnte ich versuchen nachzuahmen, nur Quark und Rhabarber bekommt man in Italien nicht) schmeckt am besten beim Bäcker, bei dem es so herrlich duftet. Direkt aus der Hand, mit großem Appetit nach einem langen Waldspaziergang, wie einst in meinen Sommerurlauben im Süden von Berlin.

Titelfoto: Symbolbild von Pexels.

Veröffentlicht von Anke

La Deutsche Vita in Bella Italia auf meinem Blog tuttopaletti.com. Geboren in der DDR, lebte ich zunächst im wiedervereinigten Deutschland und habe in Norditalien meine Heimat gefunden. Ein Leben zwischen den Welten und Kulturen, schreibend, lesend, neugierig und immer auf der Suche nach neuen spannenden Geschichten.

54 Kommentare zu „10 deutsche Speisen, die mir in Italien fehlen

  1. Ja, liebe Anke – beim Brot bin ich sofort bei dir. Und das fehlt mir nicht nur in Italien. Ganz extrem sind die USA, die kennen gar kein Brot. :-/
    Aber auf alles andere, was du aufgezählt hast, kann ich sehr gut verzichten. 🙂
    LG Bea

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    1. Was gibt es denn für dich außer dem Brot an typischen Gerichten, die du im Ausland vermisst, liebe Bea? Klar, im Urlaub probiert man gern anderes aus und vermisst so schnell nichts, nach vielen Jahren ist das anders. Sogar in Italien. 😂

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      1. Bislang habe ich im Urlaub wirklich bis auf leckeres Roggenbrot nie etwas vermisst.
        Vielleicht war ich dafür aber auch noch nie lange genug im Urlaub. 🤷🏻‍♀️

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  2. Es gibt auch bei mir einige Gerichte, an denen mein Herz hängt. Kartoffeln und Quark zum Beispiel mit Spreewälder Leinöl. Das habe ich mir als Kind immer gewünscht, vor allem, wenn ich krank war. Das beste Mischbrot, das ich jemals gegessen habe, gibt es bei uns in Lebus bei Bäcker Falk. Ofenfrisch aus Sauerteig. Es ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Sonnige Grüße nach Italien ☀️🍻

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    1. Richtig. Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl gehören auch bei mir noch auf die Liste. Um euer Mischbrot beneide ich euch. Esst mal bitte eine Scheibe für mich mit.😉
      Danke und ebenso sonnige Grüße zu dir!

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  3. Da ich nicht so weit weg von meinem geographischen Ursprung lebe wie Du, ist meine Liste überschaubar. Zwar ist Wien für seine Mehlspeisen/Kuchen bekannt, aber genau bei den Bäckereien muss ich an die aus meiner Gegend denken: Bienenstich, Puddingstreusel und vor allem … Schweinsohren!!!

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    1. Eben, es gibt so diese Spezialitäten, die sucht man woanders vergeblich. Leckeren Bienenstich hatte ich gerade bei einer Familienfeier in Dresden, selbstgebacken … müsste mir mal das Rezept geben lassen.

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  4. Als ich mit Lesen angefangen habe, war ich ganz gespannt, was du aufzählst.

    Brot ist jenseits aller Kritik – ohne das geht gar nicht.

    Quark mit Pellkartoffeln habe ich erst sehr spät genossen, bei der Küche meiner Mutter habe ich immer einen Flunsch gezogen – und Leinöl muss nicht. – Mohnkuchen und den Sauerbraten lasse ich weg – die Mohnkrümel sitzen im Mund überall dort, wo sie nicht hingehören. – Für ca. 14 Tage konnte ich bisher ohne alles aus Deutschland auskommen – aber danach war es wieder schön.

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  5. Liebe Anke,

    da könnte man, je nach Region verschieden, noch manche Spezialität hinzufügen. Doch du hast natürlich recht, ein „gscheites Schwarzbrot“ vermisst man im gesamten Mittelmeerraum und weit darüber hinaus. Ob in Nordamerika, Australien oder Neuseeland – Fehlanzeige. Es sei denn, man trifft auf eine Deutsche Bäckerei. Die gibt es tatsächlich – weltweit.

    Liebe Grüße Horst

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  6. Das ist ja spannend! Ich überlege gerade, was mir fehlen würde. Das Brot natürlich, aber das könnte man ja backen. (Wir backen seit 2014 all unser Brot selbst. Die verschiedenen Mehle gibt es im Internet und Sauerteig setzt man selbst an.) Sonst habe ich es nicht so mit der deutschen Küche. Saure Gurken würden mir fehlen, Kartoffelbrei (kann man auch gut selbst machen). Dass es in Italien keinen Quark gibt, hätte ich nicht erwartet, der würde mir auch fehlen.

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  7. Dass es in Italien keinen Quark gibt ist mir gar nicht aufgefallen, dafür habe ich eure Joghurts gesichtet.
    Meine Freundin wollte sie vorschicken, damit ich zuhause auch welche habe.
    Ja Mittelmeer und Brot gibt es nur in hell.
    Meine Schwester schaffte es in den 80ern ihren Bäcker davon zu überzeugen, dass Roggenbrot supergesund ist und er ist es tatsächlich losgeworden.
    Das war auf Korfu.
    Ich war noch nie ein Brotkind … und wenn eher weiß als das Schwarzbrot meiner Kindheit, obwohl als Kind hab ich es geliebt.
    Aber es war halt gefärbt unser gutes Lauenburger Brot.
    Mit dem wuchs ich auf.
    Unser Bäcker im Nachbardorf hatte es.

    https://bkv-nord.de/news/die-handwerksbaecker-des-kreises-herzogtum-lauenburg-feiern-50-jahre-lauenburger-landbrot/

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    1. Leider ist es hier in Italien auch noch so, dass sich das helle Brot oder auch solches, das sich Vollkorn nennt, weil ein paar Spelzen mit im Teig sind, nicht bis zum nächsten Tag frisch hält, dann pappig und trocken ist, auch wenn ich es in einer Frischhaltetüte aufbewahre.

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      1. Die Italiener wissen um ihre dicken Bäuche…das Brot muss halt schnell wech.
        Mein griechischer Schwager fand das Roggenbrot lecker und nahm dann sogar ab.😉

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      1. Ich könnte dir noch ein paar Rezepte schicken … mit interessanten Namen … musst du mal auf Italienisch übersetzen. „Tote Oma“ zum Beispiel … oder „verlorene Eier“ … da kommt bestimmt keiner mehr zum Essen … 😉

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      2. Mir fällt noch ein Gericht ein, das es bei uns manchmal gab: Beamtenstippe. Das wäre in Italienisch etwas wie „intingolo di carne tritta del’impiegato dello stato“. Njam!

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  8. Liebe Anke, Essen hat viel mit unserer Kindheit und unserer Herkunftsfamilie zu tun – Essen ist Heimat, ist Liebe, ist Geborgenheit. Wenn irgendwo Bratenduft in meine Nase steigt, werde ich sofort an einen Sonntagmorgen in meiner Kindheit zurückversetzt, in eine Welt voller Vorfreude und Sicherheit, wenn die Eltern den ganzen Tag Zeit hatten für uns und wir etwas Schönes unternehmen konnten. Wir Frauen lernen meist von unseren Müttern kochen – wir haben es besser als unsere Männer, die Mutters Küche gegen die Küche der Ehefrau eintauschen müssen! Anregender, interessanter Beitrag, liebe Anke. Herzlichst Elisa 💕

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    1. Stimmt, der Sonntagsbraten erinnert auch mich an die Kindheit, er war etwas Besonderes, denn man aß nicht so viel Fleisch unter der Woche. Danke für deinen lieben Kommentar und herzliche Grüße an dich, liebe Elisa!

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  9. In Italien bekommt man keinen Rhabarber? Hätte ich nicht gedacht!
    Mir fällt es im Urlaub aber auch immer wieder auf, dass die Geschmäcker unterschiedlich sind und offensichtlich bestimmte Speisen in bestimmten Ländern einfach nicht gekocht oder gegessen werden. Grieß gehört zum Beispiel dazu. Danach haben wir in den Supermärkten dieser Welt schon oft gesucht.
    Und, ja, das deutsche Brot! Das fehlt wirklich überall. Obwohl ich auch sehr gern italienisches Weißbrot und französisches Baguette esse, muss es manchmal einfach eine Scheibe dunkles Brot mit richtiger Kruste sein!!! Also, liebe Anke, ich kann dich verstehen!

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    1. Nein, als ich meinem Mann von Rhabarber vorschwärmte, fiel ihm nur ein Kräuterlikör Rabarbaro ein, der u.a. aus getrockneten Rhabarberwurzeln gemacht wird. Möchte mal wissen, was die Italiener mit den Stängeln machen, wenn sie nur die Wurzeln verwenden? Vielleicht hat ihnen noch keiner gesagt, dass man die kochen muss, um sie essen zu können? 😅

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  10. Können wir nachvollziehen mit dem Vermissen einiger Köstlichkeiten aus Deutschland. Das ist bei uns auf unserer Open-End-Radreise auch so. Wir haben ebenfalls gemerkt z.b. in Südamerika das die Leute wie von dir beschrieben als deutsches Essen die bayrische Küche ansehen und selbst die ist nicht immer typisch bayrisch sondern gemixt mit den Speisen aus dem jeweiligen Land. 😄 Na ja andere Länder, andere Sitten, anderes Essen.

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    1. Und dabei braucht ihr fürs Radfahren eine gute Nährstoffbasis. Es heißt immer (hier in Italien), dass Ausdauersportler Riesenmengen Pasta essen vor dem Start. Sind das dann in Deutschland Kartoffeln?😉
      Danke, dass ihr auf meinem Blog vorbeigeradelt seid und allzeit gute Fahrt!

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      1. Radfahrer brauchen eben mehr Kohlenhydrate. Daher essen wir gerne Gemüse mit z.B. Nudeln, Reis oder Kartoffeln. Aber auch Kartoffeln schmecken nicht überall gleich und gibt es auch nicht überall. Reis und Nudeln haben wir bisher aber immer gefunden.

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