Immer wieder Bologna

Oder: Die Magie einer Stadt

Wenn ich mich zu sehr auf etwas freue, dann geht es auch mal schief. Es sei denn, es handelt sich bei meinem Herzenswunsch um eine Reise nach Bologna. Die hatten meine deutschen Freundinnen und ich seit einem Jahr im Kopf und seit mindestens einem halben gebucht. Erinnert ihr euch? Im Oktober 2024 hatten wir drei das Italiengefühl in Varese gefunden und sofort gewusst: Das machen wir wieder! Wir würden erneut die Koffer packen und ein langes Wochenende ohne Familie verbringen, mit nichts als gemeinsamen Erinnerungen im Gepäck, um gemeinsam neue Erinnerungen zu schaffen. Auch für mich, die ich nun schon 24 Jahre in Italien lebe, hat das Land nichts an Faszination verloren. Gerade in Begleitung von Freunden genieße ich es immer wieder, das Italiengefühl neu zu entdecken. Wer hier schon lange mitliest weiß vielleicht, dass Bologna für mich die schönste Stadt von allen und praktisch schuld daran ist, dass ich 2001 nach Italien zog. Es sind oft Zufälle, die dem Leben an Abzweigungen zu Hilfe kommen oder gar neue Wege aufzeigen.

Bei Reisen wie bei Theaterbesuchen gilt für mich: Am schönsten wird es ungeplant oder mit Hindernissen. So gesehen, fing es auch diesmal gut an. Während die Vorfreude auf unser gemeinsames Wochenende stieg, gab es in beiden Ländern Streikwarnungen. Tatsächlich musste ich am Ende ein Taxi nach Mailand nehmen, da viele öffentliche Verkehrsmittel am Freitag, dem 3. Oktober aufgrund eines Generalstreiks in Italien nicht fuhren. Der Frecciarossa Hochgeschwindigkeitszug, mit dem man in einer Stunde von Mailand nach Bologna kommt, war zum Glück garantiert. Auch die Piloten bei der Lufthansa hatten ein Einsehen mit meinen Freundinnen, die um ihren Flug bangen mussten. Derweil hatte ich schon überlegt, notfalls alleine durch die kilometerlangen Portici (Bogengänge) zu schlendern. Auf meiner ersten Reise nach Bologna im Jahr 1999 war es eine Notlösung mit Überraschungen gewesen, bei der ich gelernt hatte: Alles kann passieren.

Für einige Jahre war Bologna so etwas wie meine zweite Heimat geworden, ohne, dass ich dort gewohnt hätte. Nach vielen Jahren Abstinenz war ich zum Jahreswechsel 2019/20 das erste Mal zurückgekehrt. Dieser Besuch stand leider unter dem Zeichen der herannahenden Pandemie, so erklärte ich es mir im Nachhinein. Bologna hat für mich Magie, und man weiß ja, dass es sowohl positive als auch negative Zauberei gibt. Nachdem ich das verpatzte Silvester 2020, ohne Feier auf der Piazza, für die zwei Monate später ausbrechende Pandemie verantwortlich gemacht hatte, musste jetzt wieder ein positives Erlebnis her. Und das wurde es! Zum ohnehin schon zauberhaften Flair der Stadt mit ihren historischen Palästen, Kirchen und Plätzen, gleichzeitig studentisch jung und kulinarisch berühmt, gab es – ganz ungeahnt – noch ein kulturelles Highlight. Ausgerechnet am 4. Oktober feiert die Stadt ihren Schutzheiligen, den Heiligen Petronius. Wir durften als Zaungäste am Nachmittag die eindrucksvolle kirchliche Prozession beobachten und am Abend ein Rockkonzert u.a. mit dem Liedermacher Ron sowie ein spektakuläres Feuerwerk auf der Piazza Maggiore erleben. Kostenlos und bei angenehmen herbstlichen Temperaturen kam ich fünf Jahre später doch noch zu meinem Silvestergefühl. Diesmal ist es wieder eindeutig die positive Energie, die ich mit nach Hause gebracht habe. Ich schreibe diesen Artikel, höre dazu den unsterblich schönen Song „Non abbiamo bisogno di parole“ von Ron und die Worte fließen von allein. Beruflich stehe ich gerade an einem Neubeginn, das Leben bleibt spannend!

Hier geht es auf direktem Weg zu allen Bologna-Geschichten auf diesem Blog:

Verliebt in Bologna: Also, wenn Sie mich fragen / Alles kann passieren / Neuer Tag, neues Glück / Wie das Leben spielt

Silvester 2020: Ein Rohrkrepierer

Titelfoto: Basilika San Petronio Bologna am Abend des 03. Oktober 2025.

Veröffentlicht von Anke

La Deutsche Vita in Bella Italia auf meinem Blog tuttopaletti.com. Geboren in der DDR, lebte ich zunächst im wiedervereinigten Deutschland und habe in Norditalien meine Heimat gefunden. Ein Leben zwischen den Welten und Kulturen, schreibend, lesend, neugierig und immer auf der Suche nach neuen spannenden Geschichten.

9 Kommentare zu „Immer wieder Bologna

  1. Guten Morgen und vielen Dank für diesen liebevollen Bericht. Schön für dich und schön für uns.
    Was die Vorfreude angeht: ich genieße sie. Die kann mir keiner mehr nehmen. Und wenn das Ereignis dann klappt, dann genieße ich glatt noch mal.
    Ich wünsche dir einen schönen italienischen Herbst.

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  2. Liebe Anke, danke für diesen wundervollen Beitrag, der Lust auf Bologna macht und nebenbei davon erzählt, dass auch holprige Wege gute sind. Wie schön, dass auch du eine Auszeit hattest. Ich wünsche dir alles Gute für den beruflichen Neubeginn.

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    1. Vielen Dank, sehr gerne. Mehr als eine Auszeit war es ein Abstecher, deshalb nicht weniger wertvoll. Die Auszeit habe ich gerade vom eingefahrenen Job, bin noch auf der Suche nach dem Neuanfang. Deine guten Wünsche kann ich gut gebrauchen, liebe Roswitha. 😊

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  3. Liebe Anke,

    herzlichen Dank für den tollen Artikel und alles Gute für deinen beruflichen Neustart!!
    Ich verbinde mit Bologna eine ganz besondere Erinnerung. War diesen Sommer dort und habe im Stadion das Marco Mengoni- Konzert ERLEBT!! Es war GRANDIOS!!!! Ich bin heute noch „gefangen“… so viele EMOTIONEN!!!, so ein tolles Publikum, ein SUPER, SUPER Marco und eine Show voll Können und Professionalität aller beteiligten… 🩷🩷🩷

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    1. Da wäre ich auch gerne dabei gewesen. Mengoni ist eine Klasse für sich, und dann ein Konzert in Bologna! 🤩 Danke fürs Lesen und deine guten Wünsche! Viele Grüße aus dem sonnigen Norditalien!

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