Ferragosto

Im August, insbesondere in den Tagen rund um Ferragosto, den 15. August, ist Italien zweigeteilt. Da gibt es die touristischen Orte am Meer, an den Seen und in den Bergen, wo zu Marias Himmelfahrt die Hölle los ist. Händler, Restaurant- und Barbetreiber machen das Geschäft ihres Lebens. Zu den ausländischen Touristen kommen die einheimischen Urlauber. Die feiern auf dem Höhepunkt des Sommers eine Art Natale, ohne Geschenke aber mit einem Pranzo, das sich hinter dem am Jahresende nicht verstecken muss.

Und dann gibt es die Städte und kleinen Orte, die in der Augusthitze wie leergefegt vor sich hin gähnen. Alles zu. Man erwartet keine Kundschaft, denn die feiert ja in der anderen Hälfte des Landes. Was natürlich nicht stimmt. Es gibt auch in Italien Leute, die Mitte August arbeiten (müssen), und andere, die sich den Sommerurlaub nicht leisten können oder um Ferragosto herum bewusst die überlaufenen Ferienorte meiden. All diese Leute, die Daheimgebliebenen – zu denen ich in diesem Jahr auch zähle, haben ein Problem. In ihren Wohnorten sind kaum Geschäfte, Bars oder Restaurants geöffnet. Wer zuhause bleibt, soll das gefälligst im wortwörtlichen Sinne tun.

Was ist mit Touristen? Nicht in unserem kleinen Ort, aber in Varese sind sie mir begegnet. Ich hörte sie englisch, osteuropäisch, deutsch und schwyzerdütsch sprechen. Auch in Varese waren in der Woche vor Ferragosto viele Rollläden geschlossen. Da frage ich mich, ob sich die Katz nicht in den Schwanz beißt. Überall lese ich, dass Varese und Umgebung, das Varesotto, touristisch immer attraktiver werden und das auch wollen. Dazu passt es nicht, einfach Urlaub zu machen, wenn die Urlauber da sind. Die kommen in dieser Zeit bestimmt nicht wieder. Ich finde, es wäre ein gutes Werbeargument für Varese und alle italienischen Orte, die nicht zu den weltbekannten Hotspots zählen: „Da sein, wo jetzt keiner ist. Wir sind für Sie da!“

Titelbild: Alles geschlossen! In den Tagen um den 15. August herum stehe ich in unserem Ort vor verriegelten Geschäften und Bars.

Veröffentlicht von Anke

La Deutsche Vita in Bella Italia auf meinem Blog tuttopaletti.com. Geboren in der DDR, lebte ich zunächst im wiedervereinigten Deutschland und habe in Norditalien meine Heimat gefunden. Ein Leben zwischen den Welten und Kulturen, schreibend, lesend, neugierig und immer auf der Suche nach neuen spannenden Geschichten.

19 Kommentare zu „Ferragosto“

  1. Das wäre wirklich eine gute Werbung.
    Ich schrieb mir diese Worte gerade in meine Tagebuch, ganz groß, wie den Entwurf für ein gutes Werbeplakat.
    Aber daran sollte weiter gearbeitet werden, auch bei uns und überall.
    Und wenn das alles nicht helfen sollte, dann wären WIR ja da.
    Bloß: Wird das vielleicht mißverstanden???

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  2. Hm…so geht es mir in unserem Stadtteil schon seit Jahren teilweise sind die Läden in Hamburg-Bergedorf ab 18:30 schon geschlossen.
    Da läuft gewaltig was schief die Wirtschaft sagt die Kaufkraft fehlt es gibt viel Leerstand aber das man dann wenn vielleicht die Leute nach der Arbeit noch einkaufen wollen vor geschlossenen Läden stehen ist finde ich macht die Situation ja nicht besser.
    So eine schöne Innenstadt mit Schloss und Schlosspark, so tolle alte Gründerzeithäuser und teilweise deutlich ältere Häuser in der kleinen Innenstadt vom Stadtteil und trotzdem keine Ideen wie man das ändern, den Leerstand beenden und die Kaufkraft ankurbeln könnte. Traurig aber Tatsache.

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    1. Bei übermäßig ausgedehnten Öffnungszeiten, sehr spät oder bei uns in Italien auch an Sonntagen, tun mir dann die Angestellten leid. Wie man es dreht und wendet, passt es für jemanden nicht.
      Sollte ich mal wieder nach Hamburg kommen, muss ich deinen Stadtteil kennenlernen! Deine Beschreibung klingt sehr einladend.

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  3. Hier in Österreich ist der 15. August auch ein Feiertag. Falls dieser unter der Arbeitswoche fällt, wird er sehr gern mit einem längeren Urlaub verbunden. Dieser Feiertag geht eigentlich an mir vorbei, da ich ihn aus Deutschland nicht kenne und ihn eigentlich als Fenster-Putz-Tag wahrnehme. (Heuer nicht. Zu warm.)
    Was „chiuso“ betrifft: In den Wiener Aussenbezirken haben schon etliche Geschäfte und Fressbuden sogar für Wochen geschlossen und wenn die Schule beginnt, öffnen sie auch wieder.

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    1. Fenster-Putz-Tag ist lustig. Das erinnert mich an den Haushaltstag, den es in der DDR gab.
      Da machen die Ladenbesitzer mit den Schulkindern Ferien. Na, wenn sich’s rechnet!

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  4. Sonntags geöffnet, samstags bis 22 Uhr – hier an der Ostsee geht’s! 👍
    Denn bei 38 Stunden Arbeitszeit und freien Wochenenden bleibt ja sonst kaum Zeit zum Einkaufen. Oder wollen wir am Ende den Hungertod sterben und nackt durch die Straßen laufen? 😜

    Also: Kämpft weiter für Öffnungszeiten rund um die Uhr!

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