Verrückt

Ich atme auf, als ich die klimatisierte Buchhandlung betrete. Mein verschwitztes T-Shirt klebt am Rücken. Dabei habe ich diesmal nicht schwer zu tragen. Nur ein Schulbuch vom vergangenen Jahr. Das hatte sich im Kinderzimmer beim ersten Aussortieren unter dem Bett versteckt. Drei oder vier Euro, denke ich. Wenn ich Glück habe. Wenn sie es mir abnehmen.

Routiniert gehe ich die Treppen neben der Kasse hinunter und weiter zum Tresen ganz hinten in der Ecke. Ich kenne mich aus. Die Angestellte ist dieselbe vom letzten Mal. Ein schlechtes Zeichen? Vor zwei Wochen hatte ich mit acht Lehrbüchern und einem kiloschweren Wörterbuch vor ihr gestanden und alles wieder einpacken müssen. Ich lege mein Buch auf den Tisch und warte, habe keine Eile. „Wollen Sie verkaufen?“, ruft die, die am anderen Ende der Abteilung in den Regalen räumt. „Ja“, antworte ich knapp und denke: Ich möchte etwas abgeben. Damit ich es nicht in die Altpapiertonne werfen muss, wie viel zu viele andere Bücher. Warum komme ich mir immer wie eine Bittstellerin vor? Ich frage mich, ob man mich wie eine sieht, die es nötig hat. Die ein paar Euro für gebrauchte Bücher haben will. Nein, verdammt. Ich würde sie auch verschenken. Und ja! Ich möchte Geld zurück. Acht Schuljahre lang, für die Mittel- und Oberstufe, kosten die Bücher in Italien jedes Jahr pro Kind zwischen 300 und 400 Euro. Wir haben zwei Mädchen. Die Große hat das Abi in der Tasche, die Kleine noch vier Jahre vor sich. „Dann legen Sie mal alles auf den Tisch, ich komme gleich!“, ruft die Beschäftigte geschäftig. Ich nicke. Das habe ich doch bereits. Sie ist es gewohnt, dass Riesenstapel ausgepackt werden. Denn es sind auch Riesenstapel, die man jedes Jahr kaufen muss. Es ist nicht etwa so, dass pro Unterrichtsfach ein Buch genügt. Hinter einer Bestellnummer verbergen sich in der Regel komplette Sets, bestehend aus Hauptbuch, Übungsbuch, Ergänzungsbuch. Oder so ähnlich. Gerne noch begleitet von einer CD und in den letzten Jahren einem E-Book. Letzteres allein reicht aber nicht, kaufen muss man das Papier. Es ist ein Geschäft. Ich verkneife mir an dieser Stelle härtere Worte, um das System anzuprangern. Denn es gibt nicht etwa ein Mathebuch für eine bestimmte Klassenstufe. Es gibt mehrere von verschiedenen Verlagen. Die Parallelklassen derselben Schule verlangen mitunter ein anderes. Nach der Mittelschule dachte ich naiv, ich könnte die Bücher der Großen unserer Kleinen weitergeben. Ha! Das gleiche Programm, die gleiche Schule ‒ aber andere Bücher. Und die, die ich drei Jahre im Schrank aufbewahrt hatte, wollten sie mir gebraucht nicht mehr abnehmen. Sie waren nicht mehr aktuell. Es gab mittlerweile eine neue Ausgabe. Während ich bei Fächern wie Technologie oder Informatik noch mitgehe, erschließt sich mir die Notwendigkeit neuer Ausgaben aller zwei Jahre für Geschichte, Mathematik oder Klassische Literatur nicht. Da steckt nur ein Interesse dahinter: das Geschäft.

Ich verdränge meine subversiven Gedanken und versuche, zu lächeln. Was kann die Frau dafür, sie macht hier nur ihren Job. Mit geübtem Blick begutachtet sie mein Buch, schaut in den Computer. „Ja, das nehmen wir.“ Ich kann es kaum glauben. Fehlt tatsächlich keine Einlage, kein zweites oder drittes Buch, das zum Paket gehört? So erging es mir oft: War eins der angebotenen Bücher noch aktuell, dann fehlte garantiert ein Teil. Oder einer der Teile war nicht mehr im einwandfreien Zustand. Umgeknickte Seiten, zu viel Gekritzel, Eselsohren, Wasserflecken. Dieses Jahr habe ich mich rechtzeitig bemüht, alles noch gut Erhaltene anzubieten, und bin einiges losgeworden. Unverdrossen habe ich mich auch mit meinem letzten Fund noch einmal auf den Weg gemacht. Das Englischbuch kostete vor einem Jahr neu 30 Euro. Das steht hinten drauf. Sie werden es für mindestens 20 Euro weiterverkaufen. Die Angestellte tippt auf ihrem Taschenrechner herum. „Sechs Euro kann ich Ihnen geben.“ Das klingt wie ein Angebot, doch ich weiß, dass es sich nicht um eine Verhandlungsbasis handelt. Ich hatte mit weniger gerechnet und mache innerlich einen Freudensprung. „Okay“, nicke ich.

Während sie den Ankaufsbeleg ausfüllt, beginnen wir ein Gespräch. Stöhnend wische ich mir mit dem Unterarm den Schweiß unterm Pony weg. „Lassen Sie sich Zeit, ich bleibe gern noch ein wenig hier drinnen“, kommentiere ich und wir unterhalten uns über das Wetter. Es ist Anfang August, die offiziell vierte Hitzewelle rollt durchs Land und wir haben genug. Es ist nicht mehr schön. Das Wetter ist verrückt geworden. „Und mit ihm die Menschen!“, witzelt die Buchhändlerin und meint es nur halb als Witz. Ob sie sich an mich erinnert, wie ich ihr vor zwei Wochen einen genervten Vortrag hielt, dass ich es zum Kotzen fände, wieviel Papier verschwendet wird? Dass es nicht sein könne, dass die meisten Bücher im Müll landen, selbst wenn es bei den zwanzig Büchern pro Jahr immer mindestens drei oder vier gab, in die meine Mädchen gar nicht reingeschaut haben, weil die Lehrer*innen es nicht verlangt hatten. So was gäbe es in Deutschland nicht, hatte ich erklärt und wusste, dass ich nur von meiner eigenen Schulzeit sprechen konnte. „Aber es gibt doch uns“, hatte sich die, die meine Kritik an den Kopf geworfen bekam, verteidigt. Ja, es gibt Buchläden mit An- und Verkauf, aber man muss Glück haben. Manchmal ist man ganz nah dran, bevor es heißt: Das Buch ist noch aktuell, aber wir haben schon zwei davon am Lager. Tut mir leid!

Ich freue mich, dass es diesmal nicht umsonst war, jemand anderes das kaum benutzte Englisch-Lehrbuch meiner Tochter verwenden und Geld sparen könnte. Lächelnd verabschiede ich mich von der Angestellten. Ich bin versöhnt.

Meinen stolzen Verdienst, die sechs Euro, werde ich gleich für ein kleines Eis und ein kühles Getränk ausgeben. Wahrscheinlich muss ich noch drauflegen. Nichts steht mehr im Verhältnis, Dinge sind zu teuer und nichts wert. Alles ist verrückt, denke ich, als ich wieder über das glühend heiße Pflaster laufe. In diesem endlosen Sommer, der keiner ist. In dem wir drinnen sitzen statt draußen leben. Selbst meine Balkonblumen haben Anfang August keine Lust mehr. Dabei stehen sie auf der Nordseite und haben nur morgens und abends etwas Sonne. Verblüht und mit gelbbraunen Blättern sehen sie aus, als wäre schon Herbst. Verrückt. Oder die Frühblüher. Ich hatte die Zwiebeln eines Geburtstagsgestecks Anfang Juni in die Erde vergraben, damit sie im Frühjahr wieder wachsen könnten. Sie treiben jetzt aus. Verrückt. Oder das Vögelchen, das sonst von Oktober bis März unser Gast am Futterhäuschen war, während wir es im Sommer nie zu Gesicht bekamen. Jeden Morgen, wenn ich bei noch guten 26 Grad zum Frühstück draußen sitze, ehe ich mich wieder drinnen im Halbdunkel verschanze, kommt es mich besuchen, sitzt ganz in meiner Nähe auf der Brüstung. Und kackt. Alles voll. Lila Kacke. Irgendwelche Beeren müssen ihm schmecken. Während ich jeden Abend mit einem Putzlappen meinen Balkon ablaufe, bin ich überzeugt, dass all diese Veränderungen auch mit den vielen Schulbüchern zu tun haben. Erklärt mich für verrückt!

Titelbild: Auch im Supermarkt warten die neuen Schulbuchpakete auf Abholung. Hier geht das Bestellen online und so gut wie automatisch. Die Italiener lieben es bequem.

Veröffentlicht von Anke

La Deutsche Vita in Bella Italia auf meinem Blog tuttopaletti.com. Geboren in der DDR, lebte ich zunächst im wiedervereinigten Deutschland und habe in Norditalien meine Heimat gefunden. Ein Leben zwischen den Welten und Kulturen, schreibend, lesend, neugierig und immer auf der Suche nach neuen spannenden Geschichten.

35 Kommentare zu „Verrückt

  1. Deine Gedanken verstehe ich vollkommen, liebe Anke. Die Zeit der Schulbücher liegt zwar hinter mir, aber ich kann mich an ähnliche An- und Verkaufstrategien erinnern. Letztendlich habe ich bei einem Internetanbieter verkauft.
    Genutzt wurden die Bücher nicht, wie wir das aus unserer Schulzeit kannten. Es wurden ausgedruckte Blätter aus dem Internet oder Kopien verteilt, auf denen sich Aufgaben befanden, statt die Bücher von vorn bis hinten durchzuarbeiten. (Jeder Schüler muss seit neuestem zu Beginn des Schuljahres ein Paket Kopierpapier mitbringen 🤦🏻‍♀️) Mit der juristischen Literatur für unsere Tochter ging es dann weiter, damit auch die Kosten erheblich in die Höhe.
    Papierverschwendung, Abholzung von Wäldern, Naturkatastrophen. In meinen Augen ein einfacher Hebel zum Ansetzen. Wenn ich dann noch an die bunten Werbeblätter denke, die jedes Wochenende die Haushalte überschwemmen…
    Heute sind bei uns 32 Grad angesagt und ganz ausgetrocknet sind wir zum Glück auch nicht. Halte durch und vielleicht noch auf ein paar schöne Sommertage. Liebe Grüße!

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    1. Liebe Bettina,
      das mit dem Kopierpapier kennen wir auch von der Grundschule.
      Heute habe ich den ersten Stapel Bücher fürs neue Schuljahr abgeholt. Vier Bücher sind in Wirklichkeit sieben. Hoffen wir, dass sie benutzt werden.
      Danke, mach auch du das Beste aus diesem Sommer! Liebe Grüße!

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  2. verrückt wie in Italien (aus denselben Gründen vermutlich: es gilt, die Verlage und Buchhandlungen, die oft nur von Lehrbüchern leben, am Leben zu erhalten) ist auch hier in Griechenland das Schulbuchwesen und manches mehr. Das Wetter aber ist in diesem Jahr richtig angenehm, kein extremer „kavsonas“ (Hitzewelle) bisher. Nur die üblichen Sommertemperaturen.

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    1. Liebe Gerda,
      ich habe grundsätzlich nichts gegen gedruckte Schulbücher. Aber es muss dem Bedarf entsprechen. Hier produziert man in dramatischem Ausmaß dran vorbei, und zwar absichtlich, möchte ich meinen. Und klar, der An- und Verkauf lebt gut von der Marge. Es ist praktisch unmöglich, seine Bücher privat weiterzugeben, eben weil jede Schule und jede Klasse andere Lehrbücher verwendet. Oh, da habt ihr Glück dieses Jahr, für große Teile Europas sieht es ja schlimm aus dieses Jahr. Genießt es! Liebe Grüße!

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  3. Interessant! Ich dachte neulich noch: Schade, dass die Schulbücher für Grundschüler hier kostenlos sind – würden Eltern sie bezahlen müssen, würden Kinder sicher sorgsamer und vorsichtiger mit den Büchern umgehen.
    Und über den Sommer kann ich mich nicht beschweren. Bei durchschnittlich 25 – 32 Grad ist es hier im Rheinland wirklich genau nach meinem Geschmack, was Sommerwetter anbelangt. 🙂

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    1. Liebe Bea, für die Grundschüler übernimmt auch in Italien der Staat die Kosten, leider ohne Rückgabemöglichkeit, sondern direkt für die Mülltonne nach einem Jahr.
      Also sollte ich ins Rheinland ziehen? Hier bei uns werden die Sommer immer unerträglicher. Nicht nur heiß, auch extrem schwül, oft um die 50 % Luftfeuchte. Hab noch schöne Sommertage! Liebe Grüße.

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      1. Dann ist das an den Grundschulen ja das selbe Schema. 😀
        Oh man, ja – man bekommt es in den Nachrichten mit, was in den Nachbarländern los ist. :-/
        Danke & komm du auch gut durch die Hitze. 🌊 LG Bea

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  4. Liebe Anke, Ihr lebt zu nahe an der Schweizer Grenze! Bei uns im Mittelland ist es ebenfalls unerträglich heiss, und ich teile deine Enttäuschung über diesen Sommer, in dem kein Tropfen Regen fällt hier in Bern und man sich trotzdem kaum draussen aufhalten kann. 🥵

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  5. So lange Texte lese ich selten. Aber allein schon der Titel zog mich an, und dann ging es weiter im Text,
    von Zeile zu Zeile wirklich spannend berichtet.
    Wie verwickelt erscheint das ganze Geflecht von kleinen Ereignissen, ein Nebeneinander, aber kaum Zusammenhänge erkennbar.
    Da ist es wichtig, wenn ein Mensch, – eine Norddeutsche in Italien, wie aus einer anderen Zeit kommend, – hier einmal standhaft und ausdauernd und gründlich für etwas Durchblick und Klarheit sorgt, – um dann festzustellen, daß es hier auch M e n s c h e n. gibt, Menschen wie du und ich.
    Und wer sich selbst als Mensch zeigt, findet überall Menschen.
    Und wir Neuen Deutschen können hiervon wieder einiges lernen.
    Darum habe ich es auch bei mir angezeigt.
    Mal sehen, ob es jemand interessant findet? Ich hoffe es. 👍♥️💐

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    1. Danke für dein Interesse, liebe Gisela. Du hast recht, hier vermischt sich einiges, wie im echten Leben. Und ein paar nette Worte bei noch so kurzen Begegnungen sind immer und gerade in diesen aufgeheizten (wieder im mehrdeutigen Sinne) Zeiten wertvoll und wichtig.

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    1. Das wäre sicher richtig. Aber man muss mit dem Auto hin, oder eben zig Mal zu Fuß, diese Läden gibt es nicht bei uns um die Ecke, sondern nur in großen Städten wie Como oder Varese. Die Bücher hier sind im Großformat und irre schwer. Habe ich gerade heute wieder erlebt, als ich einen Teil der neuen abgeholt habe. Vier Bestellnummern, knapp über hundert Euro, sind sieben Bücher. Hoffentlich wird sie sie nutzen!

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  6. Liebe Anke, Du bist nicht verrückt, wir leben in verrückten Zeiten. Eigentlich schon immer, wenn ich mich an meine Schulzeit erinnere:
    Ich sehe wieder die Schulbuch-Ausgabe am Gymnasium vor mir. Wir hatten vor Ort eine Schulbuch-Ausgabe. Bedenke, ich schreibe von der Schulzeit anno 1992 bis 2000. Kurz vor Ende eines Schuljahres bekamen wir die Liste für die Schulbücher im kommenden Schuljahr. Da konnten wir ankreuzen, ob wir die Bücher nur leihen oder kaufen konnten. Klar, der Grossteil entschied sich für Leihe. Wenn wir Glück hatten, bekamen wir nigelnagelneue Bücher, das Pech war aber verkraftbar. Die Bücher waren nicht beschmiert, ich sah höchstens die Namen der Vorbesitzer:innen – es gab einen Stempel, wo die aktuellen Besitzenden Namen, Klasse, Schuljahr eintragen mussten. Und höchstens an den Ecken abgeschlagen. Und die bestellten Schulbücher mussten wir an einem vorgegebenen Tag (es gab keinen Alternativ-Termin!), wenige Tage vor Beginn eines neuen Schuljahres, an der Schule abholen.
    Latein war meine erste Fremdsprache und es war klar, dass wir mehrere Schuljahre durch die „Ianua Nova“ (aus dem Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen) gehen würden, diese Bücher mussten wir nicht wie üblich am Schuljahresende zurückgeben. Genauso wie das dicke, schwere Biologie-Buch, der für mehrere Schuljahre konzipiert war.
    Blöd wurde es mit Englisch als zweiter Fremdsprache. Wir schafften den Stoff nicht innerhalb eines Schuljahres und mussten aber diese Bücher wieder retournieren, weil diese Cornelsen-Bücher für ein Schuljahr gedacht waren. Wir mussten mit den gleichen Büchern in das nächste Schuljahr gehen, aber auf der Liste stand schon das Nachfolgebuch. Keine Chance, die Vorjahres-Bücher zu bekommen. Unsere Englisch-Lehrerin riet uns dazu, die Bücher zu kaufen. Das tat ich dann mit Band 3 und 4. Diese habe ich dann Jahre später bei Amazon Marketplace für jeweils 3 EUR versetzt.

    Ich lese selbst gerne und viele Bücher. Ich schaffe es nicht, auf ein elektronisches Lesegerät umzusteigen. Aber ich achte mittlerweile darauf, nicht mehr so viele neue Bücher zu kaufen, weil mich viele enttäuscht haben und ich werde sie nur schwer los. Oft finde ich mein Glück in den offenen Bücherschränken oder kaufe gebrauchte Bücher bei eBay. Bei wenigen Schriftsteller:innen kaufe ich mir bewusst neue Bücher, um sie zu unterstützen. Kati Naumann ist eine solche und ich glaube, sie wird Dir bestimmt gefallen.

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    1. Liebe Sori, danke für deine Erinnerungen an die Schulbuchverteilung. Wie es zu meinen Zeiten, zwischen 1978 und 1990 in der DDR genau war, weiß ich nicht mehr. Fakt ist, es gab für jedes Fach und jede Klassenstufe landesweit das gleiche Buch, die Preise waren natürlich gestützt, kein Vergleich mit dem Geschäft, das hier gemacht wird. Die Kinder werden mit Material überschüttet, von dem sie schätzungsweise 30 Prozent verwenden. Auch das Rucksacktragen ist hier in Italien Dauerthema in den Elternversammlungen, für das es aber keine Lösung gibt. Ich konnte schon ein Lied davon singen.
      Gehst du nicht gern in die Bibliothek? Ich kaufe auch nur noch wenig, genau wie du, zur Unterstützung der Autor*innen bei einer Lesung oder wenn ich sie kenne. Natürlich bekomme ich hier keine aktuellen deutschen Bücher. Danke für den Tipp, da schau ich mal.

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      1. Im wiedervereinigten Deutschland zu meiner Schulzeit gab Bundesländer-unterschiedliche Bücher. Das fiel mir auf, weil unsere manchmal den Zusatz „Thüringen“ trugen.
        Ich kann mich noch gut an die schweren Bücher erinnern – einerseits umweltfreundlich, wenn das Biologie-Buch mehrere Schuljahre umfasst, aber dem Rücken eines Schulkindes war damit nicht gedient und Spinde hatten wir keine in der Schule.
        Damals wurden wir auch mit Zusatzmaterialien, hauptsächlich Kopien in moderater Zahl, versorgt, aber das hielt sich in Grenzen.

        Bibliothek! Während meiner Schulzeit und der anschließenden Lehrzeit, die ich noch in Thüringen verbrachte, war ich eine regelmäßige Nutzerin, aber das hat sich irgendwie mit meinem Umzug nach Österreich erledigt. In der Anfangszeit kam ich auch kaum zum Bücherlesen, weil das Studium doch so herausfordernd war und als ich wieder begann, Bücher zu fressen, hatte ich bereits die offenen Bücherschränke entdeckt. (Und derzeit habe ich großes Finderglück und bin wieder gut versorgt 🙂 )

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      2. Verstehe. Obwohl ich selbst noch nicht von den wenigen ersten Angeboten hier in der Gegend Gebrauch gemacht habe. Aber im letzten Sommer, da war ich mit meiner Tochter in den Bergen über dem Meer in Ligurien wandern, in einem kleinen verlassenen Ort gab es eine Kiste mit fünf oder sechs Büchern. Meine Tochter wählte ein bekanntes Jugendbuch einer US-amerikanischen Schriftstellerin in deutscher Sprache, sicher von Touristen vor uns dagelassen, das ich (!) dann gern gelesen habe. Meine Tochter geht jetzt übrigens nach Krems. Zum Studieren, da wird für Literatur auch wenig Zeit bleiben.

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      3. Oh, Krems! Mein letzter Besuch ist schon etwas länger her, aber ich habe mich jedes Mal wohlgefühlt, wenn ich dort war. Alles Gute für Deine Tochter, das wird sicher spannend für sie werden!

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  7. PS: Und hier in Wien werden wir auch von der Hitze erschlagen. Noch vor wenigen Jahren war es „üblich“, dass die Blätter Ende August braun wurden und abfallen. Nun tun sie es bereits Ende Juli und die Rasen sind überall gelb. Willkommen in der neuen Zeitrechnung, in der ich schon anfange, mich über eine Höchsttemperatur von 32 Grad Celsius zu freuen.

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  8. In Österreich zahlt der Staat die Schulbücher, eine Errungenschaft aus goldenen Zeiten der Sozialdemokratie. Früher hatten die Erziehungsberechtigten zumindest einen kleinen Selbstbehalt zuzuschießen, nunmehr kommt der Staat für alles auf. Für meine Schule kann ich mit reinem Gewissen sagen, dass die Titel, die wir anfordern, tatsächlich verwendet werden; wir sind im Budget, das uns zur Verfügung steht, knapp und schaffen darüber hinaus aus anderer Kostenstelle teilweise auch Lehrbücher an, die wir an die Schülerinnen und Schüler nur leihweise zur Verfügung stellen. Ob einmal digitale Unterlagen allein genügen? Eine philosophische Frage! Nächster Schritt bei uns ist jedenfalls das Nutzen digitaler Lernapps, wiederum finanziert durch den Staat.

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      1. Sie geht an die IMC, für Medical and Pharmaceutical Biotechnology. Sie wollte gerne etwas in dieser Richtung in Englischer Sprache studieren. Da gab es wohl nur noch eine Uni in Madrid. Kurzentschlossen war sie im Februar zum Open Day nach Krems gefahren und kam hochbegeistert zurück. Wir freuen uns, dass sie angenommen wurde. Und sind auch sehr neugierig und aufgeregt. 😊

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  9. Ui, die Schulbuchpreise sind ja wirklich gepfeffert. Ich bin da nicht mehr auf dem laufenden, damals im Referendariat gab es von vielen Büchern Klassensätze, die an der Schule jahrelang verwendet wurden. Die musste man dann durchs Gebäude schleppen, aber besser so, als jedes Jahr alle alles neu kaufen zu lassen

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  10. Och…war das noch eine schöne Zeit als die Klassensätze so alt waren,
    wie unsere älteren Geschwister und Bildung nichts kostete.
    Meine Eltern haben nie für Schulbücher bezahlen müssen.
    Dafür hatten wir das große Glück, wenn die Bücher so alt waren dass es neue gab wir die alten mit nach Hause nehmen durften.
    Und ich nahm tatsächlich unser Biologiebuch und unser Lesebuch mit nach Hause.
    Von meinen Schwestern gab es die 2 Biologie-Bücher zuhause die ich dazu nutzte meine Hausaufgaben in Biologie aufzupeppen.🙃😉

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  11. Hallo Anke, ich gebe dir vollkommen Recht. Der Zusammenhang zwischen den Büchern und der Hitze, den sehe ich auch.
    Schulbücher sind schon lange kein Thema mehr für mich. Und die Bücher die ich so lese erwerbe ich meistens second hand. Und werde sie so auch wieder los. Die Dame von der Post kennt mich gut 😂.

    Hab einen schönen angenehmen Restsommer.

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    1. Ich liebe unsere kleine Bibliothek. Ich kann fast alles bestellen, im Verbund werden die Exemplare nach Bedarf herumgegeben. Was (mir) fehlt, ist die deutschsprachige Literatur. Deshalb habe ich mich irgendwann doch zu einem E-Reader überreden lassen. Ist nicht so schön wie das Blättern durch die Seiten, aber es hilft ja nichts. Danke, dir auch noch schöne Tage! Und dass deine Pflanzen im Garten der Hitze widerstehen!

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