Zeig mir, wie du blinkst …

… und ich sage dir, ob du reif bist für den italienischen Straßenverkehr.

Gestern habe ich mich doch tatsächlich im Auto dazu hinreißen lassen, wie ein waschechter Italiener wild zu gestikulieren, um das Verhalten des Fahrers vor mir zu kommentieren. Ich wünschte mir in diesem Moment nichts sehnlicher, als eine automatische Kamera im Auto zu haben, denn ich hätte liebend gern auf den Auslöser gedrückt, um das Geschehen für euch festzuhalten. Habe ich aber nicht, deshalb müsst ihr mir einfach glauben. Vor mir fuhr der Wagen einer Scuola Guida (Fahrschule), der einem Motorradfahrer folgte. Ich tuckerte schon eine Weile hinter den beiden her. Um den Prüfling nicht zu irritieren, verzichtete ich respektvoll auf ein Überholmanöver. Dann ging es in die Rotonda, den Kreisverkehr, und ich wagte zu hoffen, das Gespann nähme eine andere Ausfahrt und ich würde endlich das Gaspedal durchtreten dürfen. Ihr müsst wissen, dass ich das Verhalten der anderen Fahrer im Kreisverkehr insgeheim analysiere und mich je nach meiner mentalen Tagesverfassung aufrege oder amüsiere. Es geht insbesondere um das Blinken. Und der Fahrschulwagen blinkte … na wie, was meint ihr? Ihr kommt nicht drauf! Er blinkte LINKS. Ich verzieh auf einen Schlag all den armen italienischen Verkehrsteilnehmern, die ich immer kritisiert hatte. Wenn sie es so lernen, dann können sie doch gar nichts dafür.

Zu diesem erhellenden Vorfall fiel mir spontan mein Blogbeitrag vom September „Der Italiener und der Kreisverkehr“ ein, auf den ich hier gern verlinke. Er hat einen Relaunch verdient, war er doch der erste Artikel, den ich einfach so auf meinen Blog ohne Follower und damit ins World Wide Web setzte, ohne dass ihr, meine lieben Leser, schon gemeinsam mit mir unterwegs wart. Habt ihr Lust auf eine Runde im italienischen Kreisverkehr? Dann bitte gut anschnallen, Nerven behalten, und hier entlang! Viel Spaß!  

Veröffentlicht von Anke

La Deutsche Vita in Bella Italia auf meinem Blog tuttopaletti.com. Geboren in der DDR, lebte ich zunächst im wiedervereinigten Deutschland und habe in Norditalien meine Heimat gefunden. Ein Leben zwischen den Welten und Kulturen, schreibend, lesend, neugierig und immer auf der Suche nach neuen spannenden Geschichten.

26 Kommentare zu „Zeig mir, wie du blinkst …

    1. Gutes Argument. 😎 Bei uns im Norden gibt es auch teilweise diesen Drang zur Privacy, oft beim Abbiegen. Im Kreisverkehr blinkt man gern links: beim Reinfahren, beim Rumfahren, und natürlich beim Rausfahren. Wenn man das einmal weiß, lässt man sich höchstens von einem verunsichern, der unerwartet „deutsche“ Regeln anwendet.

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  1. Kreisel ohne Autos? War schon ´mal anders: 1966 Rom, Station Termini – Via Cavour mit meinem Käfer. Die paar Hundert Meter hätte ich zu Fuss schneller zurückgelegt. Das Hindernis hiess Kreisverkehr – mit mehreren Spuren! Nach ungefähr dem 7 Vollkreis hatte ich immer noch drei oder vier voll besetzte Spuren neben mir. Da konnte ich zwar die Rallyefahrkünste der Topolino und 500er nuova Piloten bewundern und auch den auf Vespas, damals noch quer auf der Sitzbank, placierten, Schönheiten nachschauen. Aber ein legaler Weg zum Verlassen des Kreisels war nicht leicht zu finden. Ich erinnerte mich glücklicherweise an den Rat eines ehemaligen Rennfahrers. „Wenn ihr zu Zweit auf eine Engstelle zurast, schaue rüber und warte, bis dem anderen der Angstschweiss auf der Stirn steht. Dann einfach deine eigen Linie fahren.“ Und so war´s dann auch in Rom. Von wegen Blinker, da gab man mit der Hand einen Wink und jeder konnte den für sich auslegen. Dazu noch die Melodie der 3 Klang-Kompressor Fanfare.. Schön war´s – damals.

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    1. Oh, ich wäre gerne dabei gewesen damals, das klingt nach Dolce Vita pur. 😂 Erste Erlebnisse im Römischen Straßenverkehr sammelte ich als Beifahrerin auf einem Motorino, meine Freundin überholte links und rechts und wie es sich gerade ergab, wenn die Autos an der Ampel hielten. Ich hatte volles Vertrauen und die Hosen voll. 🙈

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      1. Dafür oft „Bella Bindena“ gehört oder so..😊 Fair Play, ohne jegliche Anordnung, hat aber Wirklichkeit funktioniert. Kein Fiat ohne Abarth und Fiamne! Die Münze im Trevi war Ehrensache.😊

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      1. Meinen ersten Kreisverkehr befuhr ich völlig ahnungslos 1995 bei Nizza mit einem Mietwagen. So etwas kannte ich aus dem „frisch gebackenen“ Bundesland Brandenburg bisher nicht. Ein bisschen gesunder Menschenverstand und eine Spur Fatalismus, gepaart mit ein wenig Angstschweiß halfen mir hindurch 😏. Das Fluchen auf andere Verkehrsteilnehmer hat mir schon mein Fahrschullehrer 1989 noch kurz vor der Wende beigebracht. Auch ich gebrauche es je nach Tagesform und Termindruck 😉.

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      2. Na eben, Kreisverkehre gab es bei uns in der DDR wohl gar nicht, was? Oh je, ich stelle es mir irre vor, dann in solch einen im Ausland und mit einem Mietwagen zu geraten. Alle Achtung, dass du das so souverän gemeistert hast!
        Hier in Italien sind es ja vor allem die Gesten, die erheitern. Brenzlig wird es, wenn man an der Ampel steht und eine Meinungsverschiedenheit persönlich ausgetragen werden muss. Ich erinnere mich an manche Szene, als ich meinen Mann beruhigen und daran hindern musste, auszusteigen, um dem anderen die Meinung zu geigen. So hitzig sind die Deutschen dann doch nicht, oder? Ich glaube, die schimpfen vor sich hin und fühlen sich stark, der andere hört es ja eh nicht.😉

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      3. Ich kam damals durch durch den Kreisverkehr bei Nizza. Souverän? Na ja… Mein Mann war begeistert vom fließenden Verkehr und wünschte sich so etwas für Deutschland. Gab es in der DDR jedenfalls nicht.
        Die schönste, bekannteste und am liebsten kopierte Geste der Italiener, auch im Fußball: Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger zusammengeführt und vor und zurückwippende, fortwährende Bewegung, um Unverständnis und Verzweiflung zu bekräftigen. Zu schön. Man ist sofort milde gestimmt.

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    1. Na klar nehme ich es entspannt, schließlich habe ich erst in Italien das Fahren gelernt. Ich glaube das hilft. Wenn wir Besuch aus Deutschland haben, sind die immer total verkrampft. 😂
      Liebe Grüße zu dir nach Francoforte!

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  2. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich vor sehr vielen Jahren in Italien war. Nach ein paar Kilometern hatte ich mich an die Fahrweise gewöhnt (ich war damals noch ziemlich unerschrocken in dieser Hinsicht)
    Größere Probleme hatte ich aber, als ich wieder in Deutschland war – da kann man nun mal nicht so fahren wie in Italien 😁
    Liebe Grüße
    Sabine vom 🕷 🕸

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      1. Rennen gab es schon im Alten Rom und aus dieser Tradition entstanden dann auch bestimmt die italienischen Traumwagen. 😃 Mit denen fährt man dann auch manchmal geschmeidig..

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