Wenn 1. September ist und er sich wie der 32. August anfühlt – dann steigt in Italien das große Abschlusskonzert „Power Hits Estate“ des Radiosenders 102.5*. Aus Wettersicht wollte gestern Abend keine echte Sommerstimmung aufkommen, so sehr die Akteure den Fans einheizten und das Publikum selbst motiviert war. Ich hatte es gut auf meinem heimischen Sofa. Über der Arena von Verona „deluviava“ ‒ wie der Italiener sagt ‒ regnete es sintflutartig. Das Konzert musste wegen technischer Schwierigkeiten mehrmals unterbrochen werden. Sogar einen Blackout gab es, als The Kolors ihr „Pronto come va“ telefonierten, ähem sangen, und wie alle Beteiligten an diesem Abend unverdrossen ihr Ding durchzogen, nass bis aufs Hemd, um das Publikum unter Schirmen und Regenmänteln bei Laune zu halten.
„Quand’è il primo settembre, e sembra il 32 d’agosto“, so lautet auch eine Zeile des Siegertitels „A me mi piace“(ft. Manu Chao) von Alfa. Der junge Künstler aus Genua hat sich mit seinen verspielt unkonventionellen Kompositionen seit ein paar Jahren in die Herzen des Publikums und nun auch an die Spitze dieser Sommercharts gesungen. Vielleicht erinnert ihr euch an „Me Gustas Tú“ des Reggae-Musikers Manu Chao, 2001 ein Hit in Europa? Alfa, der den französischen Sänger spanischer Abstammung verehrt und sein Antlitz als Tatoo auf dem Oberarm trägt, zitiert dieses Lied und transportiert dessen positives Lebensgefühl und die Leichtigkeit des Sommers mit seiner frischen Version ins Hier und Jetzt.
Allein der Titel „A me mi piace“ zaubert einem bereits ein Grinsen ins Gesicht, handelt es sich doch um eine in der Umgangssprache häufig anzutreffende Redewendung, die sprachlich falsch ist, weil doppelt gemoppelt. Man kann „A me piace“ sagen oder „Mi piace“, wenn einem etwas gefällt, nicht beides zusammen. Und italienische Eltern ‒ uns eingeschlossen ‒ korrigieren immer wieder ihre Kinder: „A me mi piace, das sagt man nicht!“ Alfa sagt beziehungsweise singt es gerade deshalb, weil doppelt so großes Gefallen an etwas einfach das Größte ist. Wie richtig er mit dieser Einstellung liegt, zeigt seine Dominanz in zehn Wochen Power Hits. Den Italienern gefällt sein Sommersonnen-Gute-Laune-Song. Hört mal rein:
*„Power Hits Estate“ wird seit 2017 ausgetragen und gilt als Nachfolger der legendären „Festivalbar“, die 2007 das letzte Mal über die Bühne ging und bis dahin auch meine ersten italienischen Sommer begleitet hat. Hier schreibe ich von musikalisch-sentimentalen Erinnerungen an jene Zeit.

