Woran denkt ihr, wenn ihr „zwei von drei“ hört? Ist das gut, besser als gar nichts, oder eher daneben? Nun ja, es kommt auf den Zusammenhang an. In Italien gibt es die Redewendung „Ogni due per tre“, wenn man sich über missliche Zustände beschwert. Zwei von drei Mal kommst du zu spät. Oder: Zwei von drei Mal gehen diese blöden Schnürsenkel auf. Man will damit sagen: Ständig ist etwas so, wie es nicht sein soll. In unserer Wohnung geht knapp zehn Jahre nach dem Umbau, bei dem wir alles neu eingerichtet hatten, „ogni due per tre“ etwas kaputt. Der Klodeckel, die Mückengitter, die Gardinenstange. Kurz vor Weihnachten verabschiedete sich auch die Deckenlampe, die unsere Kücheninsel, an der wir manchmal essen und die Mädchen gern ihre Hausaufgaben machen, in dekoratives Licht taucht. Eine Designerlampe, mein Mann war besonders stolz darauf und mir gefällt sie natürlich auch. Nur haben es Designerstücke so an sich, dass es kompliziert wird, wenn man sie reparieren muss oder gar Ersatzteile braucht. Und mit den Handwerkern ist es bei uns so, dass wir kaum einen von damals wiedergesehen haben, wenn wir sie freundlich und im Glauben, gute Bekannte an der Hand zu haben, für kleine Ausbesserungsarbeiten kontaktierten. Großaufträge sind lukrativer, offensichtlich haben alle ausreichend zu tun und es nicht nötig, sich für Kleinigkeiten auf den Weg zu machen. Als die Lichter bei uns ausgegangen waren ‒ denkbar ungelegen in der dunklen Jahreszeit ‒ rief mein Mann sofort den Elektriker von damals, der auch versprach zu kommen. Wenigstens würde der die Lampe kennen, er hatte sie selbst installiert. Dass er nicht sofort käme, damit konnte ich leben. Vor Weihnachten wäre er bereits ausgebucht. Nach den Feiertagen also. Wir machten uns keine Sorgen mehr und zum Essen Kerzen an. Die Mädchen hatten in den Ferien kaum Hausaufgaben zu erledigen. Als sich unser Handwerker des Vertrauens Mitte Januar immer noch nicht meldete, versuchte mein Mann es beim Elektriker, dem unser Nachbar vertraute. Es verging ein weiterer Monat, in dem wir mit Versprechungen hingehalten wurden. Zwei von drei Handwerkern kamen nicht. Würde der dritte uns gnädig sein? Mein Mann setzte nun auf indirekte Beziehungen und alle Hebel in Bewegung, erzählte bei jeder Gelegenheit von unserem Licht, das nicht mehr leuchtete. Auf diese Weise fand sich ein Billiardfreund, dessen Bruder (oder war es der Schwager?) Elektriker ist. Mein Mann beschloss, es diesmal auf die freundschaftliche Tour anzugehen. Er lud die beiden an einem Samstagabend zum Aperitivo ein, damit sich der Fachmann den Patienten aus der Nähe anschauen konnte. Ich zündete eine Kerze an, stellte Knabberzeug bereit, und beim romantischen Kerzenschein ging der gute Rotwein runter wie Öl. „Nessun problema, ho capito cosa serve.“ (Kein Problem, ich habe verstanden, was gebraucht wird.) In gutem Glauben verabschiedeten wir uns von unseren Gästen, bevor sie gleich noch zum Abendessen geblieben wären. Aber vielleicht hätten wir eine Runde Pizza ausgeben sollen, um den Bruder (oder Schwager) des Sportkumpels wiederzusehen. Nur Wein und Nüsschen waren offensichtlich nicht freundschaftlich genug. Wir hörten nichts mehr von den beiden. Mittlerweile war es März und ich hatte die Faxen dicke, der deutsche Starrsinn ging mit mir durch: Ich bestand auf eine Lösung. Vielleicht hätte ich es wie die Sizilianer halten sollen, die das Abwarten als eine bewährte Methode praktizieren. Irgendwann würden sich die Dinge von selbst erledigen. Von dieser südländischen Normalität schrieb neulich Martina Haas auf ihrem Block. Bei vielen Dingen ist es im Norden nicht anders. In zwei von drei Fällen bleibt uns auch nichts anderes übrig, als abzuwarten. Aber würden die Lichter bei uns früher oder später von allein angehen? Da hatte ich meine Zweifel. Von irgendwo kam der Insidertipp, man solle die Versicherung einschalten. Wenn das Ganze als Schadensfall behandelt werden konnte, würde die Versicherung in vertretbarer Zeit einen Handwerker schicken. Diese Idee gefiel meinem Mann, wozu bezahlen wir jeden Monat eine Art „Vollkasko“? Und siehe da, tatsächlich vergingen nur wenige Tage, bis ein Elektriker vorstellig wurde. Nach Inspektion der Lage hatte auch er verstanden, was gebraucht wurde (sogar ohne Rotwein), und im Gegensatz zum Verwandten des Bekannten kam er eine Woche später wieder. Mit dem benötigten Ersatzteil. Schade nur, dass nach der Reparatur nur zwei von drei Leuchten wieder flimmern. In einer war auch das LED kaputtgegangen. Natürlich kein gewöhnliches LED-Licht aus dem Baumarkt, sondern ausschließlich über den Hersteller zu beziehen. Wir erkundigten uns und teilten dem Mann die genaue Bezeichnung mit und wo er sie bestellen könnte. Seitdem sind zwei Monate vergangen und wir haben nichts mehr gehört. Zum Glück ist Sommer, wir kommen auch ohne unsere Deckenleuchte über die Runden. Immerhin: Zwei von drei LEDs leuchten wieder. Das ist doch schon mal was.
Titelfoto: Symbolbild von Pexels.
