Mama, du bist alt!

Mamma sei veramente vecchia.

So klipp und klar sagt ihr mir das. Ihr, meine Töchter, und ihr sagt es mir natürlich auf Italienisch. Ist es vielleicht erträglicher, bestimmte Dinge nicht in meiner Muttersprache gesagt zu bekommen?

Sei vecchia. Das sagt man so. Und es ist mit einem Augenzwinkern gemeint, oder sogar ein bisschen liebevoll mitfühlend. Nicht so hart wie Mama du bist wirklich alt.

Zum Glück habe ich Italiener als Kinder. Mit dieser Schlussfolgerung hatte mich damals eine Freundin überrascht, nachdem ich ihr eröffnet hatte, nach Italien zu ziehen, zu meinem Freund. 

Ja aber, überleg doch mal, dann wirst du Italiener als Kinder haben!

Meinst du?

Das war ein irritierender Gedanke gewesen, aber vor allem hatte es abenteuerlustig geklungen. Was für ein folgenreicher Schritt war mir da in den Sinn gekommen. Nun lebe ich schon so lange in Bella Italia und habe tatsächlich zwei Italiener-Kinder bekommen. Wenn auch von einem anderen Italiener als dem, zu dem ich damals ziehen wollte.

Non capisci niente.

Nein, wenn du weiter Italienisch mit mir sprichst, verstehe ich dich nicht mehr, basta.

Ich bin einfach zu inkonsequent. Ihr sollt doch bitte Deutsch mit mir sprechen. Wie es Sabine mit Marta und Elisa handhabt. Die beiden sprechen so schön Deutsch. Was ich mir noch dabei denke, sage ich nicht: Hausfrauenvorteil, ganz klar. Euch hatte ich mit einem Jahr gleich zu den anderen Bambini in die italienische Kinderkrippe gesteckt, ins Asilo Nido. Asyl-Nest ist keine gelungene Übersetzung, dafür war der Spaß zu teuer. Aber wenn man arbeiten möchte und keine Familie für die Betreuung der Kleinsten hat, muss man in Italien tief in die Tasche greifen. Für euch war damals mit Deutsch erst einmal Schluss, zumindest tagsüber, und die ersten Worte habt ihr in der Sprache eurer Spielgefährten gelernt.

Dabei seid ihr stolz darauf, zur Hälfte Deutsche zu sein, stimmt’s? Na ja, sagen wir mal, ein wenig anders zu sein als die anderen. Meint ihr, ich merke nicht, wie ihr manchmal betont laut Deutsch mit mir redet, wenn andere Kinder euch hören? Und in den Ferien in Deutschland sprecht ihr dann Italienisch auf dem Spielplatz. Raffiniert!

Mama du bist wirklich alt.

Ihr habt natürlich Recht. Ich gehöre zu den späten Müttern, wie es hier und jetzt allerdings so viele gibt, von daher kann der Wind nicht wehen. Was mich besonders alt macht in euren Augen, das müssen die Berichte aus meiner Kindheit sein. Wovon ich erzähle, das ist nicht nur unvorstellbare dreißig oder fast vierzig Jahre her und stammt nicht nur aus einem anderen Land. Aus Deutschland, wo so ziemlich alles anders ist als in eurem Italien. Nein, viel schlimmer: Was Mama erzählt, das spielt in einem Land, das es schon längst nicht mehr gibt. Das war wohl die Vorvergangenheit aller Vergangenheiten, das kam wahrscheinlich sogar noch vor Oma und Opa erzählen vom Krieg. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mit meinen skurrilen Erinnerungen immer dann herausplatze, wenn euer Interesse gerade etwas ganz anderem gilt.

Vielleicht sollte ich abwarten, bis ihr größer werdet und mir irgendwann Fragen stellt. Doch würdet ihr je Fragen stellen nach Dingen, von denen ihr überhaupt nicht ahnt, dass es sie gegeben hatte? Dabei war eigentlich gar nichts skurril gewesen, für uns, die wir mitten hinein geboren wurden in den real existierenden Sozialismus. Es war so, wie es war. Es hätte gar nicht anders sein können. Es war unsere, es war meine Kindheit. In einem Land, das es seit fast dreißig Jahren nicht mehr gibt. Mein Gott, bin ich alt.

PS: Diesen Text habe ich Anfang 2018 geschrieben, als meine Töchter beide noch in die Grundschule (und auf den Spielplatz) gingen. Mittlerweile sprechen sie viel mehr Deutsch, und ich hatte schon öfter Gelegenheit, ihnen von damals zu erzählen. In der Zwischenzeit entstand auch mein Roman „Mensch Manu!“, der in der DDR kurz vor und nach dem Mauerfall spielt. Den werden sie womöglich lesen, wenn sie im Alter der Protagonistin sind, mit Siebzehn. Ich freue mich schon jetzt auf viele Fragen.

Foto: Kindheit in der DDR. Fanfarenzug in Strausberg Mitte der 70er-Jahre.

Verstrickt ist nicht vermasselt

Wie aus meinem Corona-Tuch eine Babydecke wurde

Manchmal tut man Dinge, die im Nachhinein wie weise Voraussicht scheinen. Anfang März, bevor in der Lombardei alle nicht lebensnotwendigen Geschäfte schließen mussten und kurz vorm totalen Lockdown, kaufte ich noch einmal Wolle. Dabei war im März meine Stricksaison normalerweise zu Ende, warum sollte ich neues Material beschaffen? Aber ich hatte an jenem Tag wohl eine Eingebung, dass dieses Zuhause Bleiben länger dauern könnte, und machte mich sofort ans Werk. Meine Wolle war dünner als in der Anleitung für das Dreiecktuch angegeben, aber wozu gab es mathematische Verhältnisgleichungen? Ich musste nur die Maschenzahl anpassen.

So hatte es schließlich immer funktioniert.

Ohne eigene Termine und ohne Verpflichtungen als Mama-Taxi, hatte ich in den folgenden Wochen viel Zeit, manchmal bereits am Nachmittag. Mit den ersten Frühlingssonnenstrahlen saß ich ab drei Uhr auf dem Balkon und strickte. Ich sonnte mich in dem Gefühl, etwas Greifbares zu realisieren in dieser unproduktiven Auszeit, die mir von einem hinterlistigen Virus eingebrockt worden war. Es war ein Arbeiten gegen den Stillstand, und es war gleichzeitig ein Genießen der ungewohnten langen Weile.

Ich nannte meine Arbeit das „Corona-Tuch“ und redete mir ein, je schneller ich das Tuch fertigbekäme, umso schneller wäre der ganze Mist vorbei. Es hing alles von mir, meinem Fleiß und Können ab. Das Können betreffend, wurde ich nach einigen Tagen skeptisch. Am Ende des Monats musste ich eingestehen:

Das Ding wird schief.

Und jetzt, alles auftrennen? Bisher hatte ich während des Strickens immer noch kreative Alternativen gefunden. Aus einem zu eng begonnenen Vorderteil wurde der Ärmel des Pullovers, aus einem zu breit geratenen Schal ein Kinderpulli. Diesmal gab es keine Lösung. Ich hatte versagt. So ein schiefgestricktes Etwas, das ein rechtwinkliges Dreieck werden sollte. In mir nagte es: Und wenn ich, wenn mein vermasseltes Dreiecktuch nun schuld daran wäre, dass die Quarantäne andauerte? Kurzentschlossen trennte ich alles wieder auf. Das Ergebnis tagelanger Arbeit verschwand in wenigen Minuten unter meinen Händen. Doch diesmal tat es kaum weh.

Mein Gefühl für Zeit hatte sich geändert.

Im normalen Leben war jede einzelne unproduktive Stunde eine gefühlte Verschwendung gewesen. Jetzt, zuhause wegen Corona, war ich versöhnlicher gestimmt. Ich hätte noch alle Zeit der Welt, um ein gelungenes Strickwerk zu schaffen. Und wenn nicht jetzt, dann im nächsten Winter. Schnell fertig zu werden war nicht so wichtig.

Wichtig war, dass es gut wurde.

Es war nicht entscheidend, ob der Lockdown drei oder sieben Wochen dauerte. Wichtig war sein Ergebnis, wichtig war, dass er half. Dass es endlich weniger Tote gäbe, dass die Ansteckungsketten unterbrochen würden, dass man das Leben im Land wieder in den Griff bekäme.

Was mein Strickwerk betraf, hatte ich bei diesem Probelauf ein wunderschönes zweifarbiges Muster gelernt. Hahnentritt ‒ klingt blöd, sieht gut aus und war unkompliziert zu arbeiten. Ein breiter Schal, eine Art Stola war die Idee, mit der ich keine neuen Risiken einging. Gerade hoch konnte nicht schief gehen. Und siehe da: Am Ende der Arbeit war auch der Lockdown vorbei. Zwar war ich mit meiner Arbeit optisch zufrieden, als Stola war das Tuch jedoch zu dick, als Schal zu breit. Wann könnte ich das Teil jemals tragen? Ich würde es wohl zur Erinnerung aufbewahren. So dachte ich noch, als sich kurz darauf eine viel schönere Lösung ergab. Ich erfuhr, dass die Schwägerin meiner Nichte ein Kind erwartete.

Mein Corona-Tuch war eine Babydecke!

Und die italienische Handarbeit ging als Geschenk nach Deutschland.

Ich gebe zu, diese Geschichte klingt ein wenig kitschig, so nach „Tutto andrà bene“, alles wird gut. Aber das wird es ja auch meistens, wenn man weitermacht. Manchmal braucht es eben Zeit. Und aus einer Idee, die zunächst in eine Sackgasse führt, kann immer noch etwas Sinnvolles entstehen, wenn man dazu bereit ist, Änderungen vorzunehmen oder sogar neu anzufangen.

Deshalb: Immer schön flexibel bleiben! Nicht nur beim Stricken.

Habt ihr eine ähnliche Erfahrung gemacht, vielleicht sogar während der Corona-Quarantäne? Schreibt es hier in die Kommentare!

Maglia storta, non importa!

Infatti, il mio foulard corona è diventato una copertina per bebè

A volte si fanno cose che col senno di poi sembrano sagge previsioni. All’inizio di marzo, poco prima della chiusura totale, ho comprato nuova lana. La mia stagione di lavoro a maglia di solito terminava a marzo, quindi perché avrei dovuto comprare nuovo materiale? Ma quel giorno ho avuto il presentimento che questo stare a casa poteva durare più a lungo, così ho iniziato subito a lavorare. La lana era più sottile di quanto indicato nelle istruzioni per un foulard triangolare, ma usando delle equazioni matematiche sulle proporzioni, ho adattato il numero di punti per la maglia.

È così che ha sempre funzionato.

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Drehen wir eine Runde!

Der Italiener und der Kreisverkehr

Vielleicht haben manche von euch doch noch die Sommerferien 2020 in Bella Italia verbracht, oder ihr erinnert euch an vergangene Jahre. Wenn ihr im Auto unterwegs wart, möchte ich wetten, dass eure Nerven auf die Probe gestellt wurden.

Der deutsche Autofahrer hat es schwer auf der Autostrada, der Autobahn. Es scheint kein Rechtsfahrgebot zu gelten, überholt wird, wo es sich gerade ergibt, und das Tempolimit ist ein gutgemeinter Hinweis. Obwohl, in dieser Hinsicht können die Deutschen von ganzem Herzen mitfühlen: Welche Frechheit, mit einem Alfa, Lamborghini oder gar Ferrari auf 130 beschränkt zu werden, eine Zumutung!

Aber all das wilde und unkalkulierbare Fahrverhalten auf der Autobahn ist nichts gegen den Stress, dem ein Deutscher im Stadt- und Ortsverkehr ausgesetzt ist, sobald er an einen Kreisverkehr kommt. Und an Kreisverkehre kommt er ständig. Viel öfter, als er es aus seiner Heimat gewohnt ist, und noch viel öfter, als ihm hier in Italien lieb ist.  Am italienischen Kreisverkehr, der Rotonda oder auch Rotatoria, kommt dem Deutschen der Angstschweiß.

Der durchschnittlich umsichtige deutsche Autofahrer muss für seine Ausflüge die doppelte Fahrzeit einplanen, denn er steht an den Einfahrten zum Kreisverkehr wie festgenagelt. Er weiß nicht, wann er dran ist.  Alle, die von links kommen, blinken gar nicht, oder aber links, bevor sie rechts an der Ausfahrt vorher abbiegen. Ehe der Deutsche das begriffen hat, ist es zu spät, und es kommt schon der nächste einheimische Verkehrsteilnehmer in die Kurve, von dem er nicht weiß, wo er hinwill.

Noch interessanter wird es, wenn der Kreisverkehr zwei Spuren hat. Der Deutsche reiht sich links ein und wartet brav, denn er will ja weiter rum. Schade nur, dass rechts von ihm galant einer nach dem anderen reinfährt. Und zwar nicht, um sogleich rechts rauszufahren. Auch die Rechtsreinfahrer drehen in zwei von drei Fällen die Runde zu einer anderen Ausfahrt. Wo es dann wieder ein reines Glücksspiel ist, ihre Absicht zu erkennen. Es gibt schließlich drei Varianten des Blinkersetzens: links, rechts oder gar nicht.

Nicht, dass es in Italien keine Regeln für den Kreisverkehr gibt.

Es kennt sie bloß keiner.

Gefühlt kommt in Italien auf neun Kreisverkehre eine Kreuzung. Das sind so wenige, und davon haben die meisten eine Ampel. Es bleibt offen, ob die Vorfahrtsregeln an einer nicht beampelten Kreuzung überhaupt jemandem bekannt sind. (Mich eingeschlossen, denn ich habe in Italien den Führerschein gemacht, aber zu dieser Erfahrung ein andermal vielleicht mehr.)

Bei uns im Ort gibt es einen Kreisverkehr, oben im Bild, der hätte beim Wettbewerb „Kleinster Kreisverkehr der Welt“ beste Chancen auf den Hauptgewinn.

Aber wir sind froh, dass auch dort ein Kreisverkehr ist. Denn der ist rund, und mit Rundem kann sich der Italiener arrangieren. Vielleicht macht es einfach auch Spaß zu schauen, wie man sich am besten einfädelt.

Fahrvergnügen, italienisch interpretiert.

Eckige Kreuzungen mit deutschem „Erst ich, dann du“? Lieber nicht. Sei geschmeidig, fahre intuitiv! Die Quizfrage ist immer dieselbe: Wie wird sich der andere verhalten? Blinkt er, oder blinkt er nicht? Blinkt er falsch, oder ‒ und das könnte zum unangenehmen Missverständnis führen ‒ ausnahmsweise richtig?

Kreisverkehre sind rund. Rund wie der Kopf, der ja bekanntlich deshalb rund ist, damit die Gedanken die Richtung wechseln können. Die Deutschen sind gut im Geradeaus. Und rechts vor links an der Kreuzung. Die Italiener sind flexibel. Erst mal fahren und dann sehen. Alles wird gut.

Wie heißt es so schön:

Drehen wir eine Runde – Facciamoci un giro!

Das Leben neu erfinden

Frage: Von heute aus betrachtet, was willst du ändern in deinem Leben?

Mitte Mai, gegen Ende des Lockdowns, wünschten sich einige von euch einfach nur, es würde alles wieder so werden wie bisher. Die meisten jedoch sahen Veränderungsbedarf und verspürten den Wunsch, sich künftig mehr auf Menschen und Dinge zu konzentrieren, die ihnen wichtig sind. Zum Abschluss meiner Umfrageauswertung lest ihr heute, was sich Italiener und Deutsche für die Zukunft vorgenommen haben. Auch diesmal gebe ich eure Gedanken nahezu wortgetreu wieder, um sie authentisch festzuhalten. Die Antworten aus Deutschland und Italien ähneln sich oft und sind in der Auflistung gemischt. Es gab aber einen Punkt, der interessant ist: Kein Deutscher sprach davon, seinen Job in Frage zu stellen. Bei den Italienern tauchte dieses Argument mehrmals auf. Einigen ist klargeworden, dass sie sich auf Arbeitsebene verändern wollen, um künftig glücklicher und zufriedener zu sein.

Das sind eure Wünsche für die Zukunft:

Ich möchte die Zeit mit meiner Familie genießen, anstatt nur genervt zu sein.

Ich möchte mich mehr auf das Wesentliche konzentrieren.

Ich will entschleunigter leben.

Weniger hetzen.

Den Lebensrhythmus.

Stress vermeiden.

Ich will weniger arbeiten.

Ich möchte mehr Sport treiben.

Ich will methodischer an die Dinge herangehen.

Mit Sicherheit werde ich Abfall reduzieren und versuchen, ökologischer zu leben.

Wie alle anderen wünsche ich mir, ich hätte die Weisheit, das zu schätzen, was ich habe, mir keine Sorgen über Katastrophen zu machen, die noch nicht passiert sind, und die Gegenwart mit mehr Seelenfrieden zu genießen. Eigentlich Themen, über die ich schon immer nachgedacht habe.

Ich nehme mir vor, mehr Zeit mit meinen Kindern zu verbringen.

Mehr Zeit für mich zu haben und für meine Familie. Immer verzichtet man auf zu viel, wir haben nur dieses eine Leben und oft verpassen wir so viele wichtige Dinge.

Ich möchte sorgfältiger entscheiden, wem ich meine Zeit widme.

Ich will mir Zeit für bestimmte Menschen nehmen, die ich vernachlässigt habe.

Ich will mich von opportunistischen Freundschaften trennen.

Ich möchte mich nicht mehr Dingen widmen, die nicht so wichtig sind, wie ich immer dachte …

Das gleiche wie vorher. Mich scheiden lassen.

Ich will das, was ich habe, noch mehr schätzen als ohnehin.

Gesünder leben. Freundschaften besser pflegen.

Ich möchte mir mehr Zeit für mich nehmen.

Weniger Rumgehetze, mehr Zeit mit geliebten Menschen.

Ich möchte weniger Termine haben und dadurch weniger Stress.  So kann ich mehr von dem tun, was ich wirklich will und werde zufriedener und glücklicher sein.

Ich will dankbarer dafür sein, mich zu bewegen, zu reisen, zu tun, was ich will. Und finanziell besser vorsorgen.

Was ich ändern will? Meinen Job!

Meinen Job, den ich seit vielen Jahren ausübe.

Ich habe auch meine beruflichen Ziele geändert. Es gibt viele Dinge, von denen ich sicher bin, dass sie nie mehr so sein werden wie früher, das hoffe ich jedenfalls!

So viele gute Vorsätze. Habt ihr euch darin wiedergefunden? Ich wünsche euch von Herzen, dass ihr so viel wie möglich umsetzen werdet. Und dass uns keine Krise mehr aus dem Gleichgewicht bringen kann, welches wir in uns selbst und im Zusammenhalt mit den Menschen, die wir lieben, gefunden haben.

Bleibt alle gesund und zuversichtlich!

La vita che vorremmo

Domanda: Da oggi in poi, cosa vuoi cambiare nella tua vita?

A metà maggio, verso la fine del lockdown, alcuni di voi desideravano che tutto tornasse come prima. Ma la maggior parte ha visto la necessità di un cambiamento e ha sentito il desiderio di concentrarsi maggiormente sulle persone care e sulle cose a cui tiene veramente. Al termine dell’analisi del sondaggio potete leggere oggi quello che gli italiani e i tedeschi hanno pianificato per il loro futuro. Anche questa volta, riproduco i vostri pensieri quasi parola per parola, per catturarli in modo autentico. Le risposte dalla Germania e dall’Italia spesso si assomigliano e si mescolano nell’elenco. Ma c’era un punto interessante: nessun tedesco parlava di mettere in discussione il suo lavoro. Tra gli italiani questo argomento è apparso più volte. Alcuni si sono resi conto di voler cambiare lavoro per essere più felici e soddisfatti in futuro.

Ecco i vostri desideri per il futuro:

Voglio godermi il tempo con la mia famiglia invece di essere sempre infastidito di qualcosa.

Voglio concentrarmi di più sull’essenziale.

Voglio rallentare un po‘.

Andare meno di fretta.

Il ritmo.

Eliminare lo stress.

Voglio lavorare di meno.

Voglio praticare più sport.

Affrontare le cose con metodo.

Sicuramente ridurre gli sprechi e cercare di vivere in un modo più ecologico

Come tutti, vorrei avere la saggezza di riuscire ad apprezzare ciò che ho, non preoccuparmi per catastrofi non ancora accadute e godermi il presente con più tranquillità. Ma sono temi su cui riflettevo da sempre.

Voglio dedicarmi più tempo e stare di più con i miei figli.

Avere più tempo per me è la mia famiglia … troppe rinunce, la vita è una sola e tante volte ci perdiamo tante cose importanti.

Scegliere con cura a chi donare il mio tempo.

Trovare il tempo per alcune persone.

Le amicizie opportunistiche, le voglio eliminare.

Voglio lasciare le cose che non servono e non sono importanti come pensavo.

Confermo che voglio divorziare.

Voglio tenere a cuore quello che ho, ancora di più di quanto non faccia già.

Vivere più sano. Mantenere le amicizie in modo migliore.

Voglio prendermi più tempo per me stesso.

Meno frenesia, più tempo con i propri cari.

Voglio avere meno appuntamenti e quindi meno stress.  Così posso fare di più di quello che voglio davvero fare e ne sarò più soddisfatto e felice.

Voglio essere più grato di potermi muovere, viaggiare, di fare quello che voglio. E devo provvedere per una migliore situazione finanziaria per il mio futuro.

Voglio cambiare lavoro!

Cambiare il lavoro che ho fatto per anni.

Ho spostato i miei obiettivi anche lavorativi. Ci sono tante cose che sono certa non torneranno più come prima, perché è questo ciò che desidero.

Visto quante buone intenzioni? Vi siete trovati in loro? Spero sinceramente che farete tutto il possibile per realizzare i vostri buoni propositi, e che mai più nessuna crisi potrà disturbare il nuovo equilibrio che abbiamo trovato e star bene con le persone che amiamo.

Vi auguro tanta salute e non perdete mai la fiducia!

Alla fine, vi consiglio un buon libro del mio scrittore italiano preferito Lorenzo Licalzi: „La vita che volevo“. Si tratta di piccoli racconti molto diversi uno del altro, spesso divertenti, che rimangono liberamente in tema con il nostro argomento.

Worauf es ankommt

Frage: Hast du dich selbst neu kennengelernt? Vielleicht weißt du jetzt, was dir wirklich wichtig ist und worauf du auch verzichten kannst.

Corona hat unseren Alltag und manchmal sogar unser Lebensmodell von einem Tag zum anderen über den Haufen geworfen. Das Positive daran: Wenn Selbstverständlichkeiten plötzlich in Frage gestellt werden, eröffnen sich neue Chancen. Nachdem wir von der Corona-Welle sprichwörtlich überrollt wurden, lud uns die erzwungene Ruhe daheim ein, Dinge neu zu überdenken, auf die lange Bank Geschobenes endlich anzupacken, uns klar darüber zu werden, was wirklich zählt.

Zu welchen ganz persönlichen Erkenntnissen ihr gekommen seid, lest ihr am besten im Original. Hier eine Auswahl eurer Beiträge (Antworten aus Deutschland und Italien gemischt):

Ich habe definitiv Familie und Freunde sehr vermisst.

Meine Familie ist das Wichtigste für mich.

Ich habe keinen Alkohol getrunken und bin stolz darauf.

Ich habe festgestellt, dass ich mit acht Stunden Arbeit kein Problem habe und mich körperlich viel besser fühle, wenn ich meine Aufstehzeit selbst bestimmen kann.

Mir ist klargeworden, dass ich lieber ins Büro gehe, als den ganzen Tag zuhause zu sein. So kann ich für ein paar Stunden abschalten.

Ich sehne mich nach mehr Intimität und Sex. Ich sehne mich danach, begehrt zu werden.

Und man merkt, dass man nicht ständig zum Friseur oder zur Maniküre gehen muss.

Klamotten. (Anm. d. Red.: Wichtig, oder nicht wichtig? Das blieb hier die Frage.)

Ich schmeiße weniger Lebensmittel weg, verwerte sie besser, koche mehr.

Ich habe mich selbst als zerbrechlich und hypochondrisch erlebt. Ich hatte Angst, doch ich habe sie überwunden, und jetzt fühle ich mich privilegiert: Zu Hause, bei meiner Familie, empfinde ich immer Gelassenheit und Freude. Ich weiß, das ist nicht für jeden so …

Menschliche Kontakte und Solidarität sind das Wichtigste und das, was trägt.

Ich werde auf einige Termine verzichten.  Mir hat die Zeit so gutgetan, das zu machen was ich schon lange machen wollte.

Ich habe begriffen, dass es für mich sehr wichtig ist, tagsüber kleine Momente zu haben, in denen ich allein sein kann. Ich brauche sie, um meine Batterien wieder aufzuladen.

Erwartungen zurückschrauben und nur das tun, was möglich ist. Und den Rest loslassen. Sich nicht stressen.

Eigentlich ist mir klargeworden, dass man auf vieles verzichten kann.

Im Urlaub bin ich oft mit dem Flugzeug auf anderen Kontinenten unterwegs gewesen. Das möchte ich nicht missen, aber ich glaube, dass es auch noch viel in Europa zu sehen gibt und ich deswegen auf das Fliegen verzichten kann. Außerdem hat mich die Coronakrise dahingehend bestätigt, was ich eigentlich schon immer wusste. Mir ist die Abwechslung wichtig. Ich brauche Action und auch Ruhe in einer gewissen Balance. Die Natur ist mir sehr wichtig. Ich bin gern draußen und stelle mir ein Leben ohne ausreichend Bewegung sehr schwierig vor. 

Ich war mir schon weitgehend bewusst, was ich brauche, jetzt ist es noch stärker in mir verankert.

Echte Liebe und Treue sind wichtig … auf Menschen, die eigentlich nur als „Beilage“ da sind, kann ich verzichten. Mit aufrichtigen Freunden gemeinsam zu lachen, das ist unbezahlbar.

Tipp zum Weiterlesen: Möchtest du das Thema Erkenntnisse aus der Krise und Chancen der Pandemie vertiefen, dann empfehle ich dir den Gastbeitrag von Maren Urner beim Spiegel „Eine Welt ohne Masken“.

Nächste Woche geht es um die letzte und vielleicht spannendste Frage, nämlich darum, was ihr dank der gewonnenen Erfahrungen in eurem Leben ändern wollt. Wisst ihr noch, was ihr darauf geantwortet habt?

Quello che conta veramente

Domanda: Hai avuto modo di conoscere meglio te stesso? Forse ora sai cosa è veramente importante per te e cosa di cui potresti fare a meno.

Il coronavirus ha sconvolto la nostra quotidianità e a volte anche il nostro modello di vita da un giorno all’altro. La cosa positiva è che quando le cose che sono date per scontate vengono improvvisamente messe in discussione, si aprono nuove opportunità. Dopo che siamo stati letteralmente travolti dalla pandemia, la calma trovata nella clausura di casa ci ha invitato a ripensare le cose, ad affrontare finalmente progetti in sospeso da tanto, a fare chiarezza su ciò che conta davvero.

Le vostre opinioni personali, è meglio leggerle in originale. Ecco una selezione delle vostre risposte al sondaggio (risposte miste da Germania e Italia):

Mi sono sicuramente mancati molto la famiglia e gli amici.

La mia famiglia e la cosa più importante per me.

Non ho bevuto alcolici e ne sono orgoglioso.

Ho scoperto che non ho problemi con otto ore di lavoro, ma mi sento molto meglio fisicamente quando posso determinare il mio ora per alzarmi.

Ho capito che preferisco andare in ufficio che stare a casa almeno stacco qualche ora.

Desidero più intimità e sesso. Desidero essere desiderata.

Ti accorgi che non devi sempre andare dal parrucchiere o farti le unghie tutti i giorni.

Capi di abbigliamento (Nota dell’editore: Importante o non importante, questa è rimasta la domanda.)

Io butto via meno cibo, lo riciclo meglio, cucino di più.

Mi sono riscoperta fragile ed ipocondriaca. Ho avuto paura, l’ho superata e mi sono sentita una privilegiata: a casa mia, con la mia famiglia, provo sempre serenità e gioia. Non per tutti è così …

I contatti umani e la solidarietà sono i valori più importanti e i più solidali.

Salterò alcuni appuntamenti.  È stato così bello per me, facendo quello che volevo fare da tanto tempo.

Ho capito che per me è molto importante avere dei piccoli momenti durante la giornata in cui posso stare sola. Mi serve per ricaricare le pile.

Ridurre le aspettative e fare solo ciò che è possibile. E lasciare andare il resto. Non ti stressare.

In realtà ho capito che si può fare a meno di tante cose.

In vacanza ho viaggiato spesso in aereo in posti lontani. Adesso credo che ci sia ancora molto da vedere nei luoghi vicini, e che quindi posso fare anche a meno di volare. Inoltre, la crisi del coronavirus ha confermato quello che ho sempre saputo. Ho bisogno di un certo equilibrio tra azione e calma. Anche la natura è molto importante per me. Mi piace stare all’aperto, e immaginare una vita senza esercizio fisico è molto difficile. 

Avevo già molte consapevolezze, ora sono maggiormente radicate in me.

È importante l’amore e la lealtà … faccio a meno delle persone di „contorno“. Le risate con gli amici sinceri sono impagabili.

La prossima settimana si tratta dell’ultima e forse più emozionante domanda, ovvero cosa volete cambiare nella vostra vita grazie alle esperienze acquisite. Vi ricordate cosa avete risposto?

Fernweh

Frage: Wohin willst du als erstes fahren, wenn es nach dem Lockdown wieder möglich ist?

Lieblingsorte, oder doch Lieblingsmenschen? Was fiel euch zuerst ein auf die Frage, wo ihr sofort hinmöchtet, sobald es wieder erlaubt ist?

Einige antworteten, dass sie ihre Partner, Eltern, Familienangehörige und Freunde besuchen werden, die sie so lange nicht sehen konnten. Plötzlich war es ein unerfüllbarer Traum geworden, sich mit Freunden auf ein nettes Abendessen zu treffen. Oder mit der Familie einen simplen Ausflug vor die Tore der Stadt zu unternehmen. Bei einigen von euch ging die Sehnsucht nach geliebten Menschen über den Wunsch nach dem puren Wiedersehen hinaus. Da wurden schon mal Pläne geschmiedet, mit dem Verlobten oder Partner endlich zusammenzuziehen.

Wer ans richtige Reisen dachte, träumte sich oft ans Meer. Die Italiener sagten dann „al mare“, blieben beim allgemeinen Begriff, die (Ost-)Deutschen dachten an die „Ostsee“.

Klickt euch durch die Reiseträume der Deutschen:


Hier sind die Orte, nach denen sich die Italiener sehnten:

Im nächsten Beitrag geht es um die Frage, ob die Krise uns geholfen hat, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und herauszufinden, was für uns persönlich wirklich zählt. Eure Antworten waren direkt, emotional, tiefsinnig, humorvoll … ihr dürft gespannt sein! 

Habt ihr in den Sommerferien vielleicht doch noch einen Reisetraum verwirklicht? Oder seid ihr diesmal lieber Zuhause geblieben? Schreibt einen Kommentar!