Besser als Fußball

Warum der European Song Contest besser als eine Fußball-Weltmeisterschaft ist? Nun, in beiden Fällen habe ich theoretisch zwei Nationen im Rennen. Beim ESC ist das mit dem Anfeuern aber leichter. Es reicht, das Finale anzusehen. Italien ist bereits per Reglement im Endausscheid. (Das gilt auch für Deutschland, aber, nun ja.) Während einer langen Aufwärmphase, in der man sich ganz unaufgeregt und gemütlich auf dem Sofa sitzend alle sechsundzwanzig Kandidaten anhört, anschaut und kommentiert, bleiben die Nerven noch geschont. Dann geht es in die Jurywertung, und es wird langsam spannend, ohne dass schon alles verloren ist. Beim ESC ist es praktisch eine Garantie, dass in den letzten Minuten das entscheidende Tor fallen wird. Beim Fußball kann es passieren, muss aber nicht. In Sachen Musik entscheidet das Publikum, wer das Rennen um die Siegertrophäe macht. Heute Nacht ging sie an die bereits im Vorfeld als Favoriten gehandelte italienische Rockband Måneskin, Gewinner des diesjährigen Sanremo Festivals. Wenn ihr die letzten ESC-Ausgaben Revue passieren lasst, erkennt ihr, dass die Italiener in der Regel bei der Jury weit vorne mitspielten, aber es reichte noch nicht fürs Treppchen. Es ging in die Verlängerung: Die europäischen Fans daheim (nicht aus dem eigenen Land, wohlgemerkt) verhalfen Il Volo 2015 auf Platz Drei, Mahmood 2019 auf Platz Zwei, und diesmal brachte das Tor in den letzten Minuten den langersehnten, wohlverdienten Sieg.

Heute sind die Italiener Fuori di testa, und feiern „ihren“ Sieg wie sie seit 2006 in Berlin keine Gelegenheit dazu hatten.

Hier noch einmal für euch: Måneskin – ZITTI E BUONI mit ihrem Finalauftritt.

Titelbild: Aus dem Video der Fernsehübertragung.

J und K und eine Zimmerreise, die von Norditalien in vier europäische Städte führt

Jetzt habe ich doch glatt im April eine Runde Zimmerreisen ausgelassen. Vielleicht kann ich das wieder gutmachen, indem ich bei der aktuellen Reise gleich mit zwei Buchstaben an den Start gehe: J und K sind im Rennen, mein fliegender Teppich hängt im Schlafzimmer an der Wand. Es ist ein Bild von Gustav Klimt. (Was es mit den Zimmerreisen auf sich hat, könnt ihr bei Puzzleblume, die diese nette Schreibanregung moderiert, nachlesen.)

Klimt: Judith I

Eigentlich sollte man sich im Schlafgemach auf mehr oder weniger direktem Weg ins Land der Träume begeben, und doch startet genau dort meine Zimmerreise in vier europäische Großstädte. Gegenüber dem Bett, neben dem Fenster, hängt das Bild einer Frau. Es erinnert mich an meine Mutter. Nun werdet ihr fragen, was mein Mann dazu sagt. Wer hat schon gerne die Schwiegermutter ständig dabei? Nein, ich kann euch beruhigen. Es ist kein Bildnis meiner Mutter, sondern das einer Frau mit erotisch provozierendem Blick aus halbgeöffneten Augen und mit halbseitig freigelegter Brust. Es ist ein Stickbild, meine Mutter hat es angefertigt.

Dieses Stickbild betrachtend, reise ich in Gedanken durch die Zeiten und halb Europa. Gern lade ich euch ein, mich dabei zu begleiten.

Alles beginnt Anfang der Vierzigerjahre in Berlin, als meine Mutter ein Mädchen war und die ersten Bomben fielen, vor denen sie im Keller ihres Wohnhauses in Berlin Adlershof Schutz suchte. Als die Freundin ihres älteren Bruders vorschlug, sie könne einige Zeit in Wien bei ihrer Familie verbringen, war meine Oma froh, ihr Kind in Sicherheit zu bringen. Die Stadt an der Donau blieb damals noch von Luftangriffen verschont. Also zog meine Mutter für mehrere Monate nach Wien, wo sie wie ein siebtes Kind herzlich und ganz selbstverständlich in die große Familie aufgenommen wurde. Von diesen besonderen und unbeschwerten Tagen blieben ihr wunderbare Erinnerungen, die immer mehr verblassten, nachdem der Kontakt zu ihrer Gastfamilie mit der Teilung Deutschlands abbrach. Nach Wien kam meine Mutter fast fünfzig Jahre lang nicht mehr. Als die Grenzen wieder offen und Reisen in die Welt außerhalb des Ostblocks wieder möglich waren, sprach sie oft von Wien. Dort möchte ich so gerne noch einmal hin. Also nahm ich Anfang der Neunziger die Sache in die Hand und buchte meinen Eltern ein Zimmer in einer netten Pension in der Wiener Altstadt. Nun gab es keine Ausreden mehr. Meine Mutter meldete sich bei ihrer Freundin, einer Tochter der ehemaligen Gastgeberfamilie, und besuchte sie nach der langen Zeit mit klopfendem Herzen. Stolz zeigte sie meinem Vater auch die Votivkirche, von der sie ihm all die Jahre erzählt hatte. Aus dem Fenster ihres Quartiers hatte sie damals den Blick auf dieses imposante Bauwerk gehabt. Wie schön, dass sie noch stand, dachte meine Mutter, die als Kind in Berlin wenig gesehen hatte, was stehen geblieben war. Noch mehr als das Wiedersehen der Kirche berührte meine Mutter das langersehnte Treffen mit der Freundin. Die charmante Wienerin zeigte ihr bei dieser Gelegenheit ihre kunstvollen, selbstgefertigten Stickbilder. Eine Handarbeitskunst, die meine Mutter bis dahin nicht kannte, obwohl sie selbst gelernte Schneiderin war und begeistert strickte, häkelte und knüpfte. Doch es gab weitere Entdeckungen. Am nächsten Tag besuchten meine Eltern das Belvedere. Die Klimt-Sammlung faszinierte meine Mutter sehr. Mein Vater spürte das und schenkte ihr sofort eine kleine vergoldete Pillendose, dessen Deckel Klimts berühmtes Werk „Der Kuss“ ziert. Die Inspiration war geweckt: Meine Mutter würde Klimts Bilder nachsticken! Zurück in Dresden, wo meine Eltern mittlerweile wohnten, machte sie die Handarbeitsgeschäfte unsicher und fuhr schließlich weit raus zu einem Geschäft an der Elbe, das spezialisiert war und passendes Material führte. „Der Kuss“ und „Judith I“ sollten es sein. Diese und weitere gestickte Werke schmückten viele Jahre die Wohnung meiner Eltern, bis es den beiden im Alter allein zu schwer wurde und sie in ein Pflegeheim zogen. Wenn man von einer Wohnung in ein Zimmer zieht, können nur wenige Dinge mit. „Der Kuss“ fand seinen Platz im Heim, meine Schwestern und ich durften die anderen Stickbilder unter uns aufteilen. Die Dame mit der freien Brust nahm ich mit nach Italien. Ich hatte da keine Hemmungen, zierte doch bereits ein Gemälde einer halbnackten Dame, Erbstück der Eltern meines Mannes, unseren Flur. Klimts Judith, noch eine Spur verruchter, zog ins Schlafzimmer ein. So kam es, dass die in Dresden handgefertigte Nachbildung eines in Wien hängenden Originals, das meine Mutter vielleicht nur entdeckte, weil sie damals als Kind von Berlin nach Wien geschickt worden war, zu uns in die norditalienische Provinz kam.

Es fehlt aber noch eine Stadt, werdet ihr sagen. Richtig, und diese Stadt ist Hamburg. Dort lernte ich während eines Redaktionspraktikums eine meiner besten Freundinnen kennen, eine Wienerin! Wir haben uns mehrmals in Wien und Italien wiedergesehen und zuletzt in Hamburg, am Ort unseres Kennenlernens. Ich kann es kaum erwarten, nun endlich auch einmal mit Mann und Töchtern dem wundervollen Wien einen Besuch abzustatten. Um meine Freundin und ihre Familie zu besuchen, und um ins Belvedere zu gehen. Das Original der „Judith I“ wartet dort nämlich auf uns.  

Lust auf Gustav Klimt und seine Werke in Wien? Hier gibts einen Vorgeschmack auf die Ausstellung im Belvedere.

Eine kurze Einführung in die kunstgeschichtliche Interpretation der „Judith I“ gefällig? Das übernimmt gerne Herr Markus Hübl von der Kunstvermittlung Belvedere. Hier könnt ihr seinen Erklärungen im Video-Stream folgen.

Es kann heut noch sein …

Die Sonne kommt immer wieder!

Da es bei vielen von euch schon tagelang regnet, hier eine kleine Aufheiterung für die Seele. Zu diesem wunderbaren Song aus den 70er-Jahren (Chris Doerk im DEFA-Filmmusical „Nicht schummeln, Liebling!“) tanzte ich selbst in den 80er-Jahren im Kinder- und Jugendtanzensemble Strausberg eine schwungvolle Choreografie. Und soll ich euch was sagen: Es stimmt, sie kommt immer wieder hervor. Und bis dahin, tanzt einfach eine Runde im Regen!

Sonnige Grüße aus Norditalien, wo sich zurzeit auch dicke Regenwolken mit der Sonne den Platz am Himmel streitig machen. Aber wir wissen ja, wer am Ende immer wieder siegt. 🌞

Titelbild: Chris Doerk singt „Die Sonne kommt immer wieder“, Szene aus dem Video.

Un’emozione per sempre oder der vielleicht wahre Grund, warum ich in Italien lebe

Als die Beziehung mit meinem ersten Italiener 2003 in die Brüche ging, etwas mehr als zwei Jahre, nachdem ich nach Italien gezogen war, fragten meine Freunde und hofften meine Eltern: Kommst du jetzt wieder nach Deutschland zurück?

Klar, das läge ja nahe, argumentierte mein Kopf.

NEIIIN, schrie mein Herz.

Es wäre das Schlimmste gewesen, wenn man von mir verlangt hätte, damals wieder nach Deutschland zurückzugehen. Es hätte sich angefühlt wie, wie … wie ein Koitus Interruptus, genau! Es war doch gerade so schön. Es hätte mir das Herz zerrissen, meine Koffer packen zu müssen. Was mich in Italien hielt? So einiges: der Job als Marketingtexter, der mich erfüllte, die netten Kollegen (ein lustiger, multikultureller Haufen aus Italienern, Deutschen und Franzosen), das kleine Leben, das ich mir im kleinen Ort Olgiate Comasco zwischen Como und Varese aufgebaut hatte. (Lest hier meine Erinnerungen in einem Zeitschriftenartikel von damals.)

Aber es war wohl auch: La Musica. Ich lebte und liebte Italien mit seinen aktuellen Popsongs. Mich begleiteten Interpreten wie Laura Pausini (Una Storia Che Vale – hier unten das Video), Nek (Sei solo tu – mit Laura Pausini), Le Vibrazioni (Vieni da me) … mein sentimentales Denken und Fühlen definierte sich über italienische Musik. Ich kannte so viele Titel mit ihren Texten auswendig. Und in Deutschland würde ich genau diese nicht mehr hören. UNVORSTELLBAR und UNZUMUTBAR.

Nennt es übertrieben, ich fühlte genau das. Nun ist es allerdings nicht so, dass ich selbst gut singen kann. Im Gegenteil. Aus gutem Grund tat ich es schon damals nur heimlich im Verborgenen, unter der Dusche, seltener vorm Spiegel. In Gedanken war ich dann in Deutschland, bei einem Treffen mit alten Freunden und Bekannten, und da wurde Karaoke veranstaltet. Alle feuerten und flehten mich an, ich solle ihnen doch etwas Italienisches vorsingen. (Und ob sie das getan hätten, was denn sonst?) Und ich sang aus schwacher Kehle und tiefstem Herzen und übersetzte meinen fiktiven Zuhörern die Texte, und allen blieb andächtig und begeistert der Mund offenstehen. Dabei hätten sie, wären meine wilden Karaoke-Fantasien jemals Wirklichkeit geworden, vermutlich nur

  • den Wirt gerufen, mich des Lokals zu verweisen,
  • wenn der es nicht getan hätte, mich eigenhändig rausgeschmissen,
  • wenn das nicht gelungen wäre, sich mit Schnaps die Birne voll gehauen, um den Jammer nicht ertragen zu müssen.

Was dem reiferen Deutschen sein Musikantenstadl, war mir Anfang der Nullerjahre ‒ in meiner, sagen wir mal, reiferen Jugend ‒ die Festivalbar. Diese alljährliche Liveshow der Sommerhits mit ihrem Finale vor zauberhafter Kulisse in der Arena von Verona, im TV bei Italia 1 übertragen, lieferte den Soundtrack zu meinen ersten italienischen Sommern. Leider kam im Jahr 2008 das kommerzielle Aus für die Show, aber wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann ein Remake beziehungsweise eine Neuauflage und dann ist klar, wer daheim auf dem Sofa abfeiert. Aber zurück ins Jahr 2003. Was war die Lösung für mein Dilemma? Es gab nur eine: Ich musste in Italien bleiben. Natürlich hätte ich die Musik auch mitnehmen können, damals auf CD, heute dank Internet überhaupt kein Thema mehr. Aber das ist nicht dasselbe. Sicher kennt ihr auch diese von Musik begleiteten Lebensabschnitte, zu denen Ambiente und Menschen einfach dazugehören. Gewonnen hat die Festivalbar 2003 übrigens kein Geringerer als Eros Ramazotti: Un’emozione per sempre, seine Hymne auf die Liebe, die auch, wenn sie gescheitert ist, eine Emotion fürs Leben bleibt, bekam in der Arena von Verona den bitteren Beigeschmack seiner noch frischen Trennung von Michelle Hunziker, die die Show moderierte. Auf der Bühne neben ihr stehend, widmet Eros seinen Sieg den Menschen, die ihn lieben: seiner Tochter und seiner Mutter. Michelle klatscht brav und lächelt ihr professionelles Showlächeln. (Ihr könnt diese Szene im folgenden Video sehen.) Wie es im Erfolgstitel von Eros heißt, geht das Leben weiter, gibt es nicht nur sie in seinem Leben, da sind die Freunde, die auf ihn warten, da ist das Meer, das er wiedersehen möchte … Vielleicht hat dieser Hit im Sommer 2003 ja ein bisschen dazu beigetragen, dass auch ich nur nach vorn schaute, auf all das Schöne und Spannende, was das Leben auch nach dem Ende einer Liebe bereithält. Ich wollte (und bekam) all das in Italien.

Der Gewinner der Festivalbar 2003: Eros Ramazzotti Un’emozione per sempre

Wenn ich es genau bedenke, habe ich bereits zu tiefsten DDR-Zeiten den Rhythmus italienischer Popmusik in Appetithäppchen verabreicht bekommen. Erste Gedanken dazu könnt ihr hier in einem früheren Beitrag nachlesen, aber ich werde diesen Spuren noch tiefer auf den Grund gehen. Denn da steckt ganz sicher ein höherer Plan dahinter.

Zu dieser Annahme passt auch, dass meine jüngste Tochter den Gesang zu ihrer Leidenschaft gekürt hat, und ‒ zumindest für liebende Mutterohren ‒ auch ein gewisses Talent zu besitzen scheint. Im zarten Alter von drei Jahren erstaunte und begeisterte sie die Krippenerzieherinnen mit ihrem hingebungsvollen Vortrag eines Adriano Celentano Hits aus den sechziger (!) Jahren: „Grazie, Prego, Scusi“.

Scusi, vuoi ballare con me. Grazie, preferisco di no. … Verzeihen Sie, darf ich Sie um einen Tanz bitten? Danke, nein, lieber nicht.

Mittlerweile nimmt die kleine Künstlerin Gesangsstunden und interpretiert mit Enthusiasmus die stimmlich anspruchsvollsten Titel von Elisa, Marco Mengoni, Giorgia und wie sie alle heißen. Ich hatte ehrlich gesagt eher an zauberhafte italienische Kinderlieder des Kinder-Songfestivals Zecchino d’Oro für sie gedacht, aber ihre Lehrerin meint wohl, früh übt sich, wer mal auf der ganz großen Bühne stehen will.

Wer weiß, ob aus der kindlichen Leidenschaft irgendwann mehr wird. Vor einiger Zeit wurde sie von einer neugierigen Nachbarin gefragt, als was sie denn arbeiten wolle, wenn sie mal groß sei.

Arbeiten? Nein. Ich werde Sängerin.

Na dann, so schließt sich vielleicht der Kreis. Und das mit der Musica Italiana und meinem Hierbleiben, das war ein Wink des Schicksals. Und bleibt in jedem Fall ein Gefühl für immer, Un’emozione per sempre.

Die Fußgängerin: meine ersten Schritte in Italien

Il tempo vola, die Zeit vergeht wie im Flug, bemerke ich kopfschüttelnd. Diesen Sommer feiere ich bereits mein zwanzigjähriges Italien-Jubiläum. Da kommt nach dem ersten Schreck Lust auf, ein wenig in Erinnerungen zu schwelgen. Zu Beginn wohnte ich in dem kleinen Ort Olgiate Comasco. Nie gehört? Hier eine Orientierungshilfe: Comasco weist auf die Zugehörigkeit zur Provinz Como hin, und Como am Comer See ist schon eine touristische Hausnummer, oder? Mit dem Bus brauchte ich von Olgiate etwa eine dreiviertel Stunde, um eine Runde an der Seepromenade zu drehen. Aber ich war ja nicht als Touristin in Italien gelandet, sondern eines Jobs wegen, und deshalb wählte ich meinen Wohnsitz in der Nähe des Büros, auf halber Strecke zwischen dem berühmten Como und dem weniger berühmten, aber gleichfalls schönen Varese. Ich fühlte mich in jenen ersten Jahren nicht wie ein Alien, und illegal war ich auch nicht unterwegs, aber ein bisschen anders war ich schon. 2005, im vierten Jahr als Deutsche in Italien, fühlte sich alles noch ein wenig besonders an. Meine Eindrücke durfte ich damals in einem Artikel für das örtliche Kultur-Journal „Dialogo“ beschreiben, und heute muss ich schmunzeln, wenn ich meine Zeilen lese. Sie sind eine schöne Erinnerung an das frühe Italiengefühl, als ich hauptsächlich zu Fuß unterwegs war und bereits damit auffiel. Aber lest selbst, ich habe meinen Text für euch übersetzt:

Olgiate aus der Sicht von Anke, der Deutschen

Sonntag kurz vor zwölf Uhr mittags. Auch die anderen Olgiateser sind schon früh auf den Beinen. Allerdings kommen sie mir entgegen. Ältere Damen in Kostümen, Familien mit Kindern, alle feingemacht. Ich schaue auf den Boden, schäme mich fast für meine unpassende Aufmachung. In Turnschuhen, Jogginghose und meinem schwarzen alten Pulli. Ungeschminkt, die Haare gerade mal eben schnell durchgekämmt. Ich gehe in die falsche Richtung. Mein Ziel ist der Park der Villa Peduzzi, mit dem Waldboden unter hohen Bäumen ideal zum Laufen. Ich gehe joggen, während Olgiate in die Kirche geht. Ja, sie gehen alle zu Fuß, zumindest die, die im Stadtzentrum rund um die Kirche wohnen. Die anderen, von zwei Straßen weiter, fahren mit dem Auto vor, wie es sich in Italien gehört. Ein Glück, dass ich heute nicht selbst mit dem Auto von meinem Parkplatz runter musste, das wäre eng geworden. Die ersten beiden Jahre hatte ich noch kein Auto und bin immer und überall hin zu Fuß gegangen. Da fiel ich auf. Nicht nur einmal sagte man mir im Geschäft oder in der Bank:

„Ach, Sie sind doch die, die immer läuft.“

Viele haben mich morgens zur Arbeit laufen sehen. „Was, bis zu AVON zu Fuß, das ist doch ein ganz schönes Stück!“, schauten sie mich mitleidig an. Ich sagte dann immer, es sei doch schön, ein paar Schritte zu gehen. Meistens hielt unterwegs ohnehin ein netter Kollege, um mich mitzunehmen ins Büro. Man kann doch nicht so weit laufen! So warm, wie es heute ist, oder so kalt, oder so windig. Wenn es schneit, das kommt etwa zweimal pro Winter vor, bin ich zu Fuß plötzlich klar im Vorteil. Denn dann geht gar nichts mehr auf der Straße. Italien versinkt unter drei Zentimetern Schnee im Chaos. Winterreifen kauft man sich nicht, das lohnt ja nicht. Ich bin an diesen Tagen eine der wenigen im Büro, die vor der Mittagspause eintrifft. Ich brauche ja nur feste Schuhe anzuziehen, die Hosen hochzukrempeln und loszulaufen. Anfangs, als ich noch etwas außerhalb, in der Via Sterlocchi wohnte, war das ein bisschen unangenehm zu Fuß. Da gab es nämlich streckenweise keinen Fußweg. Mittlerweile hat man den gebaut.

Ja, man fällt auf als Ausländerin in Olgiate. Ich staune immer wieder, dass mich viele für eine Amerikanerin halten. Oder Französin. Dabei bin ich überzeugt, mein Akzent im Italienischen klingt ganz klar nach Deutsch. Wie ich denn nach Italien gekommen sei, ist meist die nächste Frage.

„Sind Sie mit einem Italiener verheiratet?“

Ich lache dann immer und erkläre ein wenig entrüstet, dass ich hier arbeite. Ach so. Schön. Mit Ausländern hat man nicht so viel zu tun in Olgiate. In Como und überall an den Seen sind die Touristen, aber in Olgiate? Meine deutsche Kollegin, die manchmal übers Wochenende mit dem Auto nach München fährt, wird auf dem Rückweg an der Schweizer Grenze oft angehalten. „Wo wollen Sie denn hin?“ Einmal antwortete sie, sie würde in den Urlaub fahren. Nach Olgiate. „Wie bitte, keiner macht Urlaub in Olgiate!“, bekam sie zu hören und musste rechts ranfahren. Warum sie nicht einfach sagt, sie lebt hier, habe ich ehrlich gesagt noch nicht verstanden. Aber sie spricht nur wenige Worte Italienisch. Als Touristin, dachte sie wohl, würde man sie weniger ausfragen.

Einmal habe ich in Olgiate tatsächlich eine deutsche Touristin getroffen. Sie lief mit ihrem kleinen Jungen die Straße entlang und fragte mich in gebrochenem Italienisch, wo denn ein Restaurant sei. Ich antwortete in Italienisch, bis ich das Kind reden hörte und ihr vorschlug, wir könnten uns doch auch auf Deutsch unterhalten. Sie erklärte, dass sie nur auf der Durchreise waren. Olgiate hat ja ein kleines Hotel. Aber kein Restaurant, jedenfalls dachte ich damals so und sagte ihr das. Es gibt zwar ein Theater und eine große, wunderschöne Kirche, aber nur Bars in diesem Ort. Erst viel später entdeckte ich das CarmenLisa, aber das liegt ja auch nicht mehr richtig in Olgiate. Zu Fuß kann man da jedenfalls nicht hinlaufen. Ein Ort, der ein Theater hat, ist doch eigentlich eine Stadt. Wenn ich aber Fremden erzähle, wo ich lebe, sage ich immer: in einem Paese zwischen Como und Varese. Schließlich heißt das Fest im Juni auch Festa Paesana. Olgiate ist also ein Dorf. Mit 10.000 Einwohnern gilt es aber offiziell schon als Stadt. Trotzdem schade, dass es hier zwar nette Bars gibt, aber keine Trattorien. Wenn man essen gehen will, muss man mit dem Auto fahren. Ich habe jetzt auch eins. Ich verdanke Italien sozusagen den Führerschein. Denn erst hier, angewiesen auf Busse, die sonntags nur alle zwei Stunden und im August fast gar nicht mehr verkehren, habe ich die Notwendigkeit eingesehen. Und bin zur Fahrschule gegangen, wovor ich mich in Deutschland erfolgreich gedrückt hatte. So kann ich jetzt vor meinen deutschen Freunden prahlen, es im Ausland geschafft zu haben. In einer fremden Sprache, bei diesem „chaotischen Verkehr“ in Italien. Ich ernte nichts als pure Anerkennung. Dass die Fahrprüfung hier mit zehn Minuten um den Block getan ist, verschweige ich natürlich. In Deutschland muss man eine Stunde fahren, auch über die Autobahn, und irgendeine kleine Unaufmerksamkeit wird man dabei schon feststellen, um den Prüfling zumindest beim ersten Mal durchfallen zu lassen. Da sind die italienischen Kollegen doch sehr viel netter. Und noch einen Vorteil hatte ich gegenüber deutschen Fahrschülern. Ich habe gelernt, durch enge Gassen zu fahren. Und Stop and Go, denn viel Verkehr ist hier eigentlich immer. Außer im August. Oder einmal an einem Sonntag. Ich ging wie immer zum Joggen und merkte, dass irgendetwas anders war als sonst. Es war so ruhig, ich hörte die Vögel zwitschern. Und auf der Hauptstraße mitten im Ort spielten Kinder Hopsen. Die Eisverkäuferin, die mangels Kundschaft gelangweilt vor ihrem Laden stand, klärte mich auf: Es war ein Verkehrsverbot verhängt worden. Für einige Stunden. Das könnten sie sonntags doch eigentlich öfter machen. Aber man denkt, vom Verkehr einmal abgesehen, sehr an die Kinder in Olgiate. In jedem kleinen Park gibt es mindestens eine Wippe oder ein Klettergerüst. Auch für die Schulkinder ist gesorgt, besonders in den langen Sommerferien. Plötzlich herrscht auf dem Parkplatz hinter meinem Haus, der gleichzeitig Parkplatz des Oratoriums ist, schon morgens ein großes Chaos. Und abends werden bis spät in die Nacht Konzerte veranstaltet oder Fußball gespielt. Die Kinder haben es gut, die müssen nicht am nächsten Tag früh zur Arbeit. Wenn gerade kein Fest im Oratorium ist, hält mich die Kirchenglocke wach. In Olgiate läutet sie 24 Stunden rund um die Uhr, zu jeder Viertelstunde. Eigentlich bräuchte ich keine Uhr zu Hause, ich weiß immer genau, was die Stunde geschlagen hat.  Und zu bestimmten Zeiten, so genau bin ich auch noch nicht dahintergekommen, gibt es ein wahres Kirchenglockenkonzert. Alles gratis, direkt über meinem Dachfenster.

Klingt es kritisch, was ich hier erzähle? Nein, das sind einfach kleine kulturelle Besonderheiten, die mir als Ausländerin auffallen. Wenn ich Freunden davon erzähle, lächle ich dabei. Und auf ihre Frage, wie es mir denn so gefällt in Italien, sage ich, dass ich mir vorstellen kann, hier zu bleiben. Und das meine ich auch so. Ja, ich lebe gern in Olgiate. Hoffentlich bald nicht mehr direkt an der Hauptstraβe, sondern etwas außerhalb. Nur wenige Schritte vom Zentrum entfernt gibt es nette Wohnsiedlungen, ruhig und mit viel Grün. Und wenn man Glück hat, bietet sich dort sogar ein fantastischer Blick auf die Berge. So richtig klar ist die Sicht selten, aber wenn sie sich auftut, bleibe ich sogar auf dem Weg zur Arbeit fasziniert stehen. Wie eine Touristin genieße ich das Panorama: den Kirchturm, die Dächer, im Frühjahr blühende Kirschbäume und im Hintergrund der schneebedeckte Monte Rosa. Wunderschön!

Veröffentlicht in: Dialogolibri, Ausgabe Oktober/November 2005.

Kirche SS. Ippolito e Cassiano, Olgiate Comasco (die mit den faszinierenden Glockenkonzerten)

Nachtrag: Jahre später zeigte ich diesen Artikel einem Kollegen in der Schweiz. Er ist Olgiateser, aber wir kannten uns damals nicht, als wir im selben Ort wohnten. Er erinnerte sich gut an die Ausländerin, die immer so tapfer weite Fußwege zurücklegte.

Titelbild: Blick über die Dächer von Olgiate Comasco

“La pedona”: i miei primi passi in Italia

Il tempo vola, osservo, scuotendo la testa. Quest’estate festeggio il mio ventesimo anniversario in Italia. Dopo questo shock iniziale, mi viene voglia di ricordare un po‘ i miei primi anni trascorsi qua. All’inizio ho vissuto nella piccola città di Olgiate Comasco. Mai sentito parlare? Ecco un piccolo aiuto per orientarvi: da come si capisce, Comasco indica che è in provincia di Como, anche se ho impiegato circa tre quarti d’ora di autobus da Olgiate per fare un giro sul lungolago a Como. Ma non ero venuta in Italia come turista, ero venuta per lavoro, così ho scelto di vivere lì, vicino all’ufficio, a metà strada tra la famosa Como e la meno famosa ma altrettanto bella Varese. Non mi sentivo un alieno in quei primi anni, e non viaggiavo illegalmente, ma ero un po‘ diversa, questo sì. Nel 2005, nel mio quarto anno da tedesca in Italia, tutto sembrava ancora un po‘ speciale. Ho avuto la possibilità di descrivere le mie impressioni di allora in un articolo per la rivista culturale locale „Dialogo“, e oggi mi viene da sorridere quando leggo quello che ho scritto. Rimane comunque un bel ricordo sulle prime sensazioni e percezioni dell’Italia, giravo principalmente a piedi e già per questo comportamento “anomalo”, attiravo l’attenzione. Ma leggete voi stessi:

Olgiate vista dalla tedesca Anke

È mezzogiorno di domenica e gli Olgiatesi come me, sono già in giro, però tutti incontro a me. Signore anziane in completi, famiglie con dei bambini, tutti così ben vestiti. Io a testa in giù, quasi mi vergogno per il mio look non adatto. In scarpe da tennis, con una tutta e un mio vecchio maglione nero.  Non truccata, i capelli pettinati velocemente e male. Ed io vado nella direzione sbagliata. Il mio scopo è il parco della Villa Peduzzi, con della terra e bellissimi alberi ideale per correre. Vado a fare footing, mentre Olgiate va in chiesa. Si, tutti vengono a piedi, o almeno quelli che abitano nel centro vicino alla chiesa. Gli altri da due strade più lontane arrivano, come si vuole in Italia, con la macchina. Per fortuna non dovevo uscire dal mio parcheggio, sarebbe stato difficile. Nei primi due anni non avevo ancora la macchina e andavo sempre e dovunque a piedi. Davo nell’occhio. Più di una volta mi hanno detto in negozi o in banca:

„Ah, Lei è quella che va sempre a piedi.“

Tanti mi vedevano al mattino andare al lavoro. Come, fino ad AVON a piedi, ma è un bel pezzo!“, mi guardavano con pena. Dicevo sempre, che è bello fare due passi così. Spesso ormai si fermava un collega gentile a darmi un passaggio. Non si può camminare! Non con questo caldo, non con questo freddo o il vento. Quando nevica, succede due volte l’anno al massimo, all’improvviso sono io in vantaggio a piedi. Perché non funziona più nulla sulla strada. L’Italia affoga sotto tre centimetri di neve nel caos. Non si comprano le gomme da neve, non vale la pena. Questi giorni sono una dei pochi che arriva prima della pausa pranzo in ufficio. Devo semplicemente mettermi le scarpe pesanti, piegare in su i pantaloni e partire.  All’inizio, quando abitavo ancora un po’ più fuori, nella Via Sterlocchi, andare a piedi era un po’ spiacevole. Non c’era neanche un marciapiede per qualche pezzo. Ora lo hanno costruito.

Si, come straniera dai nell’occhio. Sono sempre stupita, che tanti mi prendono per Americana o Francese. Mentre sono convinta, che il mio italiano è chiaramente francofono.

„Come mai sei venuta in Italia? Sei sposata con un Italiano?“

Io rido sempre e spiego un po’ scocciata, che lavoro qua. Ah sì. Bello. Con gli stranieri non si ha così tanto a che fare qua ad Olgiate. A Como e ai laghi si ci sono i turisti, ma ad Olgiate? La mia collega tedesca, che va ogni tanto per il week-end a Monaco, la fermano spesso alla dogana Svizzera. „Ma dove va Lei?“ Una volta ha risposto che sarebbe andata in vacanze. Ad Olgiate. „Ma scusi, nessuno fa le vacanze ad Olgiate! Prego si fermi sulla destra.“ Non capisco perché non dice semplicemente che vive qua. Forse solo perché parla poco italiano. Come turista, pensava, magari le facevano meno domande. 

Ma una volta io stessa ho trovato una turista tedesca ad Olgiate. Camminava con suo figlio e mi chiedeva in un italiano stentato, dove poteva trovare un ristorante. Io rispondevo in italiano, fino che ho sentito parlare suo figlio proponendo quindi di parlarci in tedesco.  Lei spiegava che era solo del passaggio. Gli ho detto che Olgiate ha un piccolo albergo. Ma nessun ristorante, almeno pensavo così. C’è un teatro, ed una grande, bellissima chiesa, e poi solo dei bar. Solo molto dopo ho trovato il CarmenLisa, ma non è proprio Olgiate. A piedi almeno non si può andare.  Un posto, che ha un teatro, dovrebbe essere una città. Ma quando racconto agli stranieri dove abito, dico sempre: in un paese fra Como e Varese. Anche la festa in giugno si chiama Festa Paesana. Allora Olgiate è un paese. Con 10.000 abitanti però è ufficialmente una città. Peccato, che ci sono dei bar carini ma nessuna trattoria. Se uno vuole mangiare, deve prendere la macchina. Anche io adesso ne ho una. Praticamente grazie alla Italia ho adesso la patente. Solo qua, dipendendo dai bus, che di domenica solo ogni due ore e ad agosto quasi mai girano, ho capito la necessità. Quindi sono andata a scuola guida, (cosa evitata in Germania con successo) e adesso posso vantarmi di fronte ai miei amici tedeschi per essere riuscita a farlo all’estero. In un’altra lingua, con questo “pazzesco traffico italiano”.  Prendo un sacco di complimenti. Se sapessero che si fa l’esame di guida qua in dieci minuti (questo non lo dico). In Germania ti fanno guidare un ora, anche nelle autostrade, e ad una piccola distrazione ti bocciano almeno la prima volta. I colleghi italiani sono molto più gentili. Un altro vantaggio avevo in confronto ai principianti tedeschi. Ho imparato guidare nelle stradine piccoline, strette. E a guidare incolonnati, per il traffico costante. Tranne in agosto. Oppure una domenica in cui andavo come sempre a fare footing e notavo che qualcosa era diverso.  Era così silenzioso, sentivo gli uccellini. E sulla strada principale in mezzo al paese i bambini giocavano saltellando. La gelataia, senza clienti si annoiava e stava fuori dal locale, mi spiegava: Hanno fatto un blocco del traffico per qualche ora. Potrebbero farlo più spesso. Traffico a parte Olgiate pensa anche ai bambini. In ogni piccolo parco c´è almeno una dondola oppure un’altalena. Anche ai bambini di scuola si pensa, specialmente nelle lunghe vacanze estive. All’improvviso parcheggio di casa mia, che è quello dell’Oratorio, già di mattina c’è un gran casino. E di notte fino a tardi si gioca a calcio o si fanno i concerti.  Bello per i bambini, loro non si devono alzare presto al mattino per andare al lavoro. Quando non c’è una festa all’Oratorio, le campane della chiesa mi tengono sveglia. In Olgiate suonano 24 ore su 24, ogni quarto d’ora. Non avrei bisogno di un orologio a casa mia, ormai so sempre bene, che ore sono. A certi orari, non lo ho capito ancora benissimo, fanno un concerto di campane. Tutto gratis, direttamente sopra al mio lucernario.

Sembrerò un po’ critica, ma credo che siano semplicemente delle piccole specialità culturali che io come straniera noto. Quando li racconto ai miei amici, mi viene da sorridere sempre.  E quando mi fanno la domanda, come mi trovo in Italia, rispondo, che potrei immaginare di rimanere qua! Lo dico seriamente. Si, mi piace vivere in Olgiate. Spero fra poco non più proprio sulla strada principale, ma un po’ fuori. Solo a pochi passi dal centro ci sono dei quartieri residenziali carini, tranquilli e con tanto verde. E con un po’ di fortuna, trovi anche un panorama fantastico verso le montagne.  La vista veramente nitida e chiara si trova raramente, ma quando capita, mi fermo affascinata anche quando vado al lavoro.  Come una turista mi godo il panorama: la torre della chiesa, i tetti, i ciliegi in fiore in primavera e all’orizzonte il Monte Rosa innevato. Che bello!

Pubblicato in: Dialogolibri, Ottobre/Novembre 2005.

Chiesa SS. Ippolito e Cassiano, Olgiate Comasco (quella con i concerti di campana)

Addendum: Anni dopo ho mostrato questo articolo a un collega in Svizzera. Lui è proprio di Olgiate Comasco, pur non conoscendoci all’epoca, lui ricordava bene “la pedona” straniera che camminava sempre così coraggiosamente per lunghe distanze.

Foto in copertina: Vista sopra i tetti di Olgiate Comasco

Worte, sinnlich wie Musik

Der Italiener und die Sprache der Verführung

Neulich stieß ich im Internet auf eine Studie. Normalerweise genieße ich derartige Berichte mit Vorsicht, denn es gibt sinnfreie Studien wie Sand am Meer. Da es hier aber um ein Thema ging, das mich sowohl linguistisch als auch kulturell interessierte, musste ich den Artikel lesen und möchte euch die darin vermittelten Erkenntnisse nicht vorenthalten, zumal er im Titel klipp und klar behauptet:

L’italiano è la lingua più seducente al mondo: ora è ufficiale. (Italienisch ist die verführerischste Sprache der Welt: Jetzt ist es offiziell.)

Auf Initalia und bei Casinistanews (man will ja gründlich recherchieren), erfuhr ich zusammengefasst Folgendes: Bei einem Test der Online-Lernplattform Preply hörten sich die Teilnehmer Audioclips von verführerischen Sätzen in fünfzig verschiedenen Sprachen an. Währenddessen wurde die Veränderung ihres Herzschlags analysiert. Die Herzfrequenz, die in Ruhe etwa 65 Schläge pro Minute beträgt, erreichte bei sprachlicher Verführung in Italienisch 80 Schläge pro Minute, in Portugiesisch bis zu 78 und in Französisch bis zu 77 Schläge. Unter den weniger attraktiven Sprachen rangierten Japanisch, Deutsch und Niederländisch. (Wie niedrig bei denen die Herzfrequenz ausfällt, wird allerdings verschwiegen.) Die Erklärung für den Siegeszug des Italienischen liefert die Linguistin und Übersetzerin Aleksandra Stevanovic, die die italienische Sprache aufgrund der abwechselnden Kombination von Konsonanten und Vokalen als musikalisch bezeichnet, was sie sinnlicher und attraktiver macht.

Eigentlich haben wir es bereits gewusst. Warum zieht es deutschen Touristinnen jeden Sommer an den Küsten des Stiefels angesichts plumper Verführungsattacken ‒ vollkommen ohne die Eleganz eines Cesare Cremonini, der schwor, kein Latin Lover zu sein ‒ nicht die Stiefel aus? Weil sie keine anhaben. Im Sommer. Nein, jetzt mal ernsthaft: Liegt es an Carbonara e una Coca Cola? Oder doch am sinnlich ins Ohr geflüsterten Ti amo, weil dieses Flüstern wie eine süße Melodie zum Träumen einlädt? Keine gestapelten Konsonantenpakete, die es in der zweiten, deutschsprachigen Strophe bei Spliff zu entpacken gilt. Einfach harmonische, verführerische Klänge. Da stört es die umschwärmten Touristinnen auch nicht, wenn es im weltberühmten Song von Umberto Tozzi so fragwürdige Sätze gibt wie „Öffne dem Klopapierkrieger die Tür …“ oder „Erster Mai, nur Mut …“.

Einer der weltweit erfolgreichsten Italo-Popsänger der letzten Jahrzehnte ist zweifelsohne Eros Ramazotti. Seine Songs, da kann man schwer Gegenteiliges behaupten, klingen fantastisch in den Ohren und treffen ins romantisch veranlagte Herz. Melodie, Texte … perfetto. Und die Stimme? Hm. Passt, Ramazotti eben. Aber verführt allein seine Stimme? Ich meine, wenn jetzt einer daherkäme und nicht Ramazotti wäre, nicht singen könnte und auch sonst eher von durchschnittlicher Erscheinung. Wenn der dann sprechen würde wie Ramazotti, so durch die Nase, ein italienisches Liebesgedicht vielleicht … Ich weiß nicht. Ihr?

Wenn man, wie ich, im deutschsprachigen Leben Roland Kaiser oder vielmehr seine mit hinreißend erotischer Stimme vorgetragenen Songs vergötterte, dann hat es anschlieβend in Italien sogar ein Riccardo Fogli schwer. Wenn man Sag ihm, dass ich dich liebe voll Inbrunst mitsang, muss man sich – entschuldigt liebe Italiener – ins Original von Riccardo Fogli erst einmal reinhören. Dabei ist auch Storie di tutti i giorni ein grandioser Song, ohne Zweifel. Ich möchte sogar behaupten, dass beide auf der Playlist meiner „All-time favourites“ mittlerweile gleich hoch rangieren. Die Liedtexte sind nicht vergleichbar, oder doch, denn am Ende geht es immer irgendwie um Liebe. Beim einen um die nicht enden wollenden Gefühle für die Verflossene, welche in den Armen eines ‒ es vermeintlich weniger gut mit ihr meinenden ‒ Anderen gelandet ist (Kaiser). Beim anderen um diese alltäglichen, viel zu kleinen Liebesgeschichten von uns Normalsterblichen, die sich Tag für Tag wie kleine Rauchkringel im Nirgendwo ihrer Bedeutungslosigkeit auflösen (Fogli).

So sehr ich das Melodisch-Verführerische der italienischen Sprache schätze, so wenig Verständnis habe ich dafür, dass in Italien ausgerechnet Sprecher mit den am wenigsten sinnlichen Stimmen hektisch im Radio quatschen dürfen und Journalisten in TV-Talkshows unausstehlich herumschreien. Wie oft habe ich meinen Mann während unserer Reisen in Deutschland damit genervt, ihn auf die warmen, wohlklingenden, verführerischen Stimmen männlicher Radiosprecher hinzuweisen. Im deutschen Radio und auch in der deutschen Werbung sprechen Männer ruhig und überzeugend, wirken dabei sinnlich und stark zugleich. Eine Wohltat für die Ohren. Dies bitte ich gern als trostspendendes Argument zu verbuchen, falls sich der ein oder andere deutsche Leser angesichts eingangs zitierter Studie im internationalen Vergleich flirttechnisch in einer schlechteren Position wähnt.

Gewisse Journalisten in hiesigen Talkshows sind akustisch nicht zu ertragen. Ich frage meinen Mann, warum solche Leute eingestellt werden und zwei Stunden oder länger die Zuschauer nerven dürfen. Seine Interpretation: Es sind die Moderatoren mit den schrillsten Stimmen, die überhaupt eine Chance haben, sich gegenseitig anschreiende, hyperventilierende Studiogäste zu überstimmen. In all den Jahren habe ich es vermieden, italienische Talkshows zu Politik und Tagesgeschehen zu verfolgen, zumal mich die Themen meist nicht interessierten. Seit Corona, um auf dem laufenden Stand der Diskussion zu bleiben, tun wir es uns manchmal an.

Aber zurück zum Thema sprachliche Verführung. Vielleicht wäre eine ideale Kombination italienische Sprache, von deutschen Stimmen vorgetragen. Oder zählt am Ende etwa doch, WAS einer sagt, und nicht in welcher Sprache und mit welchem Timbre? Mein Mann, würde ich im Rückblick behaupten, hat mich mit Inhalten überzeugt. Mit seinem Charme und seinem Humor. Denn diese bleiben, auch wenn man längst die schönen Worte mit idealen Vokal-Konsonant-Kompositionen durchschaut hat oder einer wohligen Stimme überdrüssig geworden ist.

Titelbild: Via D’Azeglio in Bologna, Dezember 2019. Die Lichterketten zitieren Textzeilen des Songs „Nessuno vuole essere Robin“ von Cesare Cremonini.

La Contornista – die Beilagenköchin

Liebe Foodblogger und alle, die sich der wunderbaren Kochkunst verschrieben haben! Lest jetzt lieber nicht weiter, es sei denn, ihr seid sehr, sehr tapfer. Oggi come oggi (was in Italienisch so viel bedeutet wie heutzutage), wo alle nicht nur Hobbyköche, sondern trainierende Anwärter auf eine Teilnahme bei Master-Chef sind, gebe ich es mit gesenktem Haupt zu: Die Küche ist nicht das Reich meiner Träume.

Nicht, dass ich gutes Essen verschmähe oder gar die fantastische italienische Küche ablehne. Natürlich speise und schlemme ich gerne, bin weder der guten Hausmannskost noch der kreativen Sterneküche abgeneigt. Aber wenn die Speisen jemand anderes für mich zubereitet, genieße ich sie doppelt. Darf man das sagen? Nun werdet ihr euch fragen, wie es meinen Bambini mit so einer ganz und gar nicht ins italienische Klischee passenden Mamma geht. Zumal wir leider auch keine Nonna oder Zia (Oma oder Tante) haben, die uns sonntags zum Pranzo (Mittagessen) einlädt. Aber, Moment mal, was habe ich da gerade geschrieben? Hausmannskost. Es heißt doch so, oder? Na also!

Mein Mann hat es mittlerweile aufgegeben, den „Chef dentro di me, che non vuole uscire“ ‒ den tief in mir drin schlummernden Chefkoch ‒ zu wecken. Er hat sich in sein Schicksal gefügt und selbst das Tagliere (Schneidbrett) in die Hand genommen. Dummheit schafft Freizeit? So könnte man meinen, aber eigentlich kam alles ganz anders. Es begann damit, dass ich meinem Mann, als er noch ein Verehrer war und mich das erste Mal besuchen kam, etwas ganz Besonderes kochen wollte. Ich hatte doch tatsächlich geglaubt, einen Italiener mit einem Klassiker der gutbürgerlichen deutschen Küche verführen zu können. Also kochte und servierte ich ihm Rinderrouladen. Die konnte ich damals recht ordentlich, ich war mir sicher, eine Bella Figura zu machen. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht mehr, wie er sich beim Verzehr zu meiner Kochkunst äußerte, aber es waren sicherlich Komplimente. Dass er diese nur im Eifer der Eroberung hatte formulieren können, erfuhr ich indirekt erst viel später. Als wir uns besser kannten und unsere Vorlieben und Abneigungen offen auf den Tisch packten, kam es raus. Mein Mann ist ein guter Esser, aber es gibt einzelne Zutaten, die er absolut verabscheut. Wenn ich euch jetzt sage, dass dazu Zwiebeln, Speck und Senf gehören, versteht ihr, warum es bei uns keine deutschen Rinderrouladen mehr gibt.

Dabei begann meine Kochkarriere recht früh, im zarten Alter von 13 oder 14 beglückte ich meine Eltern an Sonntagen regelmäßig mit Selbstgekochtem. Vielleicht erlitt die Karriere, die so hoffnungsvoll begonnen hatte, nur deshalb einen Einbruch, weil ich danach einige Jahre als gutverdienender Single lebte und lieber mit Kollegen essen ging als für mich allein zu kochen. Daheim allein lernte ich, mich zu arrangieren und zu improvisieren. Was kann man zaubern, wenn eigentlich nichts Vernünftiges im Kühlschrank ist? So entstanden Meisterwerke der Singleküche. Kennt ihr Milchnudeln ohne Nudeln? Oder Brot-Steak mit Grillgewürz und Ketchup? Meiner Improvisationskunst wurden damals keine Grenzen gesetzt, von niemandem.

Als ich mit meinem Mann zusammenzog, lag der Kochlöffel anfangs noch in meiner Hand. Bis heute erzähle ich voller Stolz, dass ich es war, die Deutsche, die ihren Italiener in die Grundlagen des Risotto-Kochens einführte. Das hatte ich mir bei meinen Gastgebern abgeschaut, bei denen ich in den ersten Monaten in Italien zur Untermiete wohnte. Ich sage mal so: Wir kamen kulinarisch über die Runden, und mein Mann war wohl nicht übermäßig anspruchsvoll. Das änderte sich im Laufe der Zeit, und vom ursprünglich nur fürs sommerliche Grillen Verantwortlichen entwickelte er sich zum wahren Chef de Cuisine. Er überbot mich schnell mit raffinierten Risottos, wagte sich an Fisch in Salzkruste, entdeckte das Niedrigtemperaturgaren und die hauseigene Pasta-Herstellung und experimentierte mit neuen Gewürzen. Aber vor allem zogen nach und nach neue Küchengeräte und Accessoires bei uns ein. Die braucht man, sagt mein Mann. Ich bräuchte die nicht. Beim Kochen und Backen bin ich zum Minimalisten mutiert. Einfach, schnell und trotzdem gut ist meine Devise. Neulich lachten sich meine Mädchen fast kaputt, denn sie machten sich über ihre Mutti lustig, die jedes Jahr dieselben simplen Ausstechplätzchen zu Weihnachten und die Basisrezept-Muffins zu den Geburtstagen brachte. Aber geschmeckt haben sie euch doch immer, fragte ich hoffnungsvoll. Na klar, versicherten sie mir schnell, und kamen gleich für ein Trostküsschen zu mir. Seit dem ersten Lockdown haben sich meine Töchter zu unseren königlichen Hofkonditoren entwickelt. Ich muss lediglich für die immer vorhandenen Zutaten sorgen, denn ihre ungezügelte Backlust überkommt sie meist spontan und ohne, dass mir Zeit bleibt, etwas zu besorgen. (Deshalb der vierte Punkt auf meiner Liste der 10 verrücktesten neuen Gewohnheiten).

Nun fragt ihr euch sicher, was es nun mit dem Titel der Contornista*, der Beilagenköchin, auf sich hat. Richtig, das ist gegenwärtig meine offizielle Einstufung im familiären Küchenteam. Während mein Mann sterneküchenverdächtige Fleisch- und Fischgerichte zaubert, überlässt er die (Gemüse-)Beilagen mir. Alles was ich dazu brauche, ist meine Mikrowellendampfgarschüssel und manchmal das Ofenblech oder die Pfanne. Einfach und natürlich ist auch hier meine Devise, aber das schmeckt bei Gemüse meist ohnehin am besten.

Seit ich blogge, beschwert sich mein Mann, sei ich noch unzuverlässiger geworden. Gern verpasse ich mal den Starttermin für die Zubereitung, und dann sind wir nicht koordiniert fertig. Oder mir brennt in der Pfanne etwas an. Aber die ganze Zeit vorm Herd dabeistehen, während der Laptop nach mir ruft? Och nöö. Das fällt mir schwer, die Blogger unter meinen Lesern werden dafür vermutlich volles Verständnis haben.

Ein versöhnlicher Gedanke zum Schluss: Es ist noch längst nicht aller Tage Abend, nicht alle Gerichte sind serviert. Vielleicht ist der Titel Contornista* nur eine Stufe auf der kulinarischen Karriereleiter, bis irgendwann auch in mir die Leidenschaft für große Küche erwacht. Bei manchen Menschen entwickelt sich das später, heißt es. Vielleicht dann, wenn ich als Nonna der Familie doch noch eine Bella Figura machen will. Wer weiß. Das Talent schlummert womöglich sehr sehr tief in mir drin, es muss nur noch seinen Weg finden und sich zu erkennen geben.

*Dieses Wort findet sich übrigens (noch) nicht im offiziellen italienischen Wortschatz. Mein Mann hat es erfunden, oder war ich es? 🤔😂

Titelbild: Natürlich sind das keine Beilagen, sondern Antipasti. Alle Ehre gebührt auch hier meinen Töchtern, die für Zubereitung und Arrangement verantwortlich zeichnen. Ich formuliere den Text dazu. Muss ja auch jemand tun.

Salto vorwärts mit Herzklopfen

Es ist das Frühjahr der kleinen Schritte zurück in die Normalität. Für unsere Tochter war ein solcher Schritt am vergangenen Samstag, dass sie nach fast zwei Jahren wieder an einem Wettkampf im Geräteturnen teilnehmen konnte. 2019 hatte sie das letzte Mal vor Kampfrichtern geturnt. Im Frühjahr 2020 sollte die Wettkampfsaison gerade starten, als der Lockdown von einem Tag zum anderen das Aus für alle sportlichen Aktivitäten brachte. Bis zum Herbst gab es kein Training, jeder übte für sich allein daheim. Krafttraining, Stretching, Trampolinspringen im Garten. Der Enthusiasmus ließ mit jeder Woche nach. Im September ging es endlich wieder in die Halle, im Oktober ein erneuter Stopp, dann ab Mitte Dezember mehr oder weniger regelmäßiges Training, unterbrochen von Quarantänesituationen. Als uns dieser Wettkampf vorgeschlagen wurde, war unsere Tochter alles andere als begeistert.

Farò una brutta figura! Ich werde mich blamieren!

Verunsichert und den Tränen nahe, hockte sie an jenem Abend vor mir auf dem Stuhl. Ein ganzes Jahr ohne regelmäßiges Training bedeutet für jeden Sportler einen Rückschlag. Beim Geräteturnen kommt dazu, dass es gerade in der Wachstumsphase während der Pubertät schwierig ist, in Form und in Übung zu bleiben. Ich war unsicher, ob ich recht damit tat, ihr zuzureden. Komm, mach das. Es geht doch nicht ums Gewinnen, es geht um das Erlebnis. Auf keinen Fall wollte ich sie zwingen. Nach ein paar Tagen gefühlsmäßiger Achterbahnfahrt stand sie plötzlich strahlend vor mir:

È una sfida, la voglio! Ich mache das, ich liebe Herausforderungen!

Da war sie wieder, meine begeisterungsfähige, starke Tochter! Als großer Fan dieses schönen Sports tat es mir weh, nicht als Zuschauer live dabei sein zu dürfen. Für uns als Eltern bedeutete das freudige sportliche Ereignis vor allem einen Berg an Formularen, sie hinfahren und wieder abholen. Immerhin konnten wir den Wettkampf am Bildschirm verfolgen. Natürlich ist es nicht dasselbe, ersetzt nicht die Stimmung in der Halle, den Geruch des Magnesiums, die Sprung-Geräusche auf der Matte, das Quietschen des Stufenbarrens, den erlösenden Applaus nach einem gestandenen Abgang. Aber die Videoübertragung im Live-Streaming ist eine gute Lösung. Wir wollen nicht zu viel verlangen. Es ist schon ein Privileg, dass unsere Tochter in dieser Saison wieder turnen darf, weil sie in der D-Liga des offiziellen italienischen Turnverbands FGI (Federazione Ginnastica d’Italia) antritt. Der normale Breitensport ruht nach wie vor.

Das Regionalblatt „La Settimana di Saronno” veröffentlichte einen Artikel zur ersten Wettkampfteilnahme des Turnvereins „Aurora Vedano“ in dieser Saison. Hier ein Auszug daraus, für euch übersetzt:

La Settimana di Saronno

Am vergangenen Samstag ein kleiner Schritt zurück in die Normalität ‒ Die Athleten von Aurora Vedano nach Monaten zurück im Wettkampf

… Natürlich waren die Wettkampf-Bedingungen nicht die gewohnten. Keine Unterstützung durch das Publikum, keine Umarmungen der Mitstreiterinnen, Lächeln und Enttäuschung unter den Masken verborgen, die vielen Sicherheitsprotokolle, die es einzuhalten galt. Aber die Emotionen und das Adrenalin waren genauso hoch, wenn nicht sogar dreimal so hoch wie in den vergangenen Jahren …

Eine Turnerin des Vereins schaffte es aufs Siegertreppchen, leider fiel die feierliche Zeremonie dem Hygiene-Protokoll zum Opfer. Für die Besten sind es auch die Medaillen, aber für alle ist es am Ende das Herzklopfen, das zählt. Die Erinnerung, dabei gewesen zu sein, bei diesem ersten Schritt zurück in die Normalität. Für die jungen Turnerinnen war es ein Salto in Avanti, ein Sprung nach vorne.

Update und der Versuch eines Ausblicks

Aus dieser Pandemie wird am Ende jeder etwas lernen, über sich, über andere, über das Leben. Und ich halte es noch immer nicht für vollkommen ausgeschlossen, dass wir auch als Sieger hervorgehen können, oder zumindest gestärkt. Alle gemeinsam. Auf lange Sicht.

Update zu meinem Blogpost vom 7. März 2021, in dem ich über die fehlenden Einträge im Terminkalender berichtete: Tennis darf in der Lombardei ab dieser Woche wieder unterrichtet werden. Auch, weil nun im Frühjahr die Seitenplanen der Traglufthalle offenbleiben können. So ist neben der Tatsache, dass dieser Sport ohnehin nicht im engen Kontakt stattfindet, auch wieder für ausreichend Frischluft gesorgt.

Willkommen zurück! Tennis ist ein sicherer Sport, zu 99 %. Für das fehlende 1 % sorgen wir gemeinsam! (Tabelle mit Bewertung der potenziellen Infektionsgefahr im Hinblick auf die Abstände bei diversen Sportarten.)