Dolcemente complicate

… sono delle volte le storie d’amore. Non è sempre colpa delle donne. Anche se questa storia musicale lo farà pensare. Dopo un inizio fulmineo, le cose diventeranno più complicate tra i due. Vedete anzi, ascoltate voi:

Per chi si è perso il primo capitolo, ecco il link: Una notte speciale.

 Cosa ti aspetti da me?
 Ti porto via con me, mi sussurri,
 Non avere paura.
 Dai, saliamo Sul treno.
 È l'amore che conta.
 Sì, però,
 Aspettami un attimo! 
 Quello che non ti ho detto (Scusami...), è
 che L'Amore Non Mi Basta,
 Non è mai abbastanza.
 Mi piace vivere,
 Vivere a colori.
 Voglio ballare con te,
 ma poi, mi sento Un angelo disteso al sole,
 e tu sei La voglia che non vorrei.
 Vedi, dici, questa è La differenza tra me e te.
 Per me, ci Sei solo tu.
 Dai, Fatti avanti amore!  
 Baciami Ancora!
 Per Averti, io farei di tutto.
 Ridendo, dico:
 Ci vuole Calma e sangue freddo.
 Prima Promettimi,
 che questa è Un'Emozione Per Sempre!
 Così tu, Come un pittore,
 disegni Girasoli di van Gogh nella sabbia.
 Fidati di me, mi convinci.
 E finalmente, il Sabato,
 siamo Soli.
 Ora esisti solo tu, possiamo
 creare Una storia che vale,
 un amore Più che un sogno.
 Ma Il tempo se ne va, e
 il risveglio è Inevitabile. 

Continua …

Ecco qua la lista delle canzoni citate per chi vuole risentire questi bellissimi brani, quasi tutti dal 2000 in poi. Come è evidente, Nek è assolutamente uno dei miei preferiti. Ma anche Celentano non può mancare, così di lui troverete anche due titoli diciamo più classici, perfetti per questa poesia. E voi? Riuscite a individuare una vostra canzone o un vostro artista preferito nella lista?

Loredana Bertè – Cosa ti aspetti da me (2019)

Lorenzo Jovanotti – Ti porto via con me (2013)

Tommaso Paradiso – Non Avere Paura (2019)

Nek – Sul Treno (2000)

Giorgia – È l’amore che conta (2011)

Vasco Rossi – Aspettami (2014)

Modà – Quello che non ti ho detto (Scusami…) (2006)

Emma – L’Amore Non Mi Basta (2013)

Modà – Non è mai abbastanza (2013)

Nek – Mi piace vivere (2000)

Alessandra Amoroso – Vivere a colori (2016)

Baby K ft. Andrés Dvicio – Voglio ballare con te (2017)

Eros Ramazzotti – Un Angelo Disteso Al Sole (2012)

Nek – La voglia che non vorrei (2009)

Tiziano Ferro – La differenza tra me e te (2011)

Nek feat Laura Pausini – Sei solo tu (2002)

Nek – Fatti avanti amore (2015)

Lorenzo Jovanotti – Baciami Ancora (2010)

Adriano Celentano – Per Averti (2000)

Luca Dirisio – Calma e sangue freddo (2004)

Elisa – Promettimi (2018)

Eros Ramazzotti – Un’Emozione Per Sempre (2003)

Modà feat. Jarabedepalo – Come un pittore (2011)

Emanuele Aloia – Girasoli (2019)

Laura Pausini – Fidati Di Me (2001)

Lorenzo Jovanotti – Sabato (2014)

Adriano Celentano – Soli (1979)

Bianca Atzei – Ora esisti solo tu (2017)

Laura Pausini – Una Storia Che Vale (2002)

Adriano Celentano – Più di un sogno (2002)

Adriano Celentano – Il Tempo Se Ne Va (1980)

Giorgia ft. Eros Ramazzotti – Inevitabile (2011)

Zimmerreisen: B wie Besteck

Gern folge ich der Einladung von Puzzleblume und veröffentliche einen Text zu ihrem Schreibprojekt.

Zimmerreisen“ sind gerade in diesen besch…ränkten Zeiten eine willkommene Idee, mit den Gedanken auf Reisen zu gehen und andere daran teilhaben zu lassen. Wir haben mehr Dinge in unserer nächsten Umgebung, zu denen es Geschichten zu erzählen gibt, als wir glauben. Diese Dinge, wenn wir sie wiederentdecken oder genauer betrachten, als wir es normalerweise tun, können uns erfreuen, trösten, ablenken, unterhalten.

Ich habe einen beziehungsweise ein Set von Gegenständen bei mir daheim gewählt, die eine lange Reise hinter sich und viel erlebt haben: drei Staaten, zwei Sprachen, zwei Gesellschaftssysteme, verschiedene Tischkulturen. Zugegeben, bei deren Gebrauch denke ich nicht jedes Mal an all diese Etappen, aber sehr oft an den Ort und die Person, bei der die Reise begann. Es geht in meiner Zimmerreise mit dem Buchstaben B um:

Besteck. Das meiner Oma.

Meine Oma mütterlicherseits war, so erinnere ich mich, in den 80er Jahren besonders stolz darauf, aus dem damals vorigen Jahrhundert zu stammen. Ich sehe noch ihren kräftigen Busen unter der geblümten Kittelschürze wogen, wenn sie lachend davon erzählte. Meine Kinder staunen heute auch nicht schlecht, dass ihre Urgroβmutter aus dem unvorstellbar vorvorigen (!) Jahrhundert stammt. Genau, die Rede ist von AchtzehnhundertLeipzig. Oder richtiger in diesem Fall wäre: AchtzehnhundertBerlin. Ganz knapp zwar, aber es gilt noch: Meine Oma erblickte 1899 das Licht unserer schönen Welt. In Berlin. Und da, genauer im Osten Berlins, blieb sie auch das ganze Leben, bis Anfang der dreißiger Jahre in verschiedenen Mietshäusern, ab 1933 in der Gellertstraβe in Berlin-Adlershof. Erdgeschoss mit Balkon, Ofenheizung, anderthalb Zimmer, Küche und Bad. Im Sommer angenehm schattig, den Rest des Jahres dunkel, da durch die hohen Bäume und den Wohnblock gegenüber kaum Licht in die Wohnung fiel. Gern erinnere ich mich an die Sonntage, an denen wir Oma besuchten. Es gab, wenn wir bei ihr waren (und wie es sich für ein sonntägliches Mittagessen gehörte) immer ordentlichen Schweinebraten mit viel Soße, Salzkartoffeln und Erbsen. Ich habe noch den Duft in der Nase, glaubt ihr es? Und ich spüre, wie ich die festen Kartoffeln mit der Gabel auf dem Porzellanteller zerdrücke, um die gute Tunke aufzusaugen. Die war nicht dick und dunkel, mit irgendwelchen Zusätzen bereitet. Sie war klar, schmeckte nach dem Fleisch und nix weiter, und das war einfach köstlich.

Omas Besteck, bestehend aus sechs Gabeln, sechs Messern, sechs Suppenlöffeln, sechs Kuchengabeln und sechs Kaffeelöffeln, habe ich geerbt. Bei der Wohnungsauflösung nach Omas Tod 1988 kam es in einen Karton, wurde mit der S-Bahn zu uns nach Strausberg befördert und in den Keller verfrachtet. Aus diesem tristen Kellerdasein befreite ich es einige Jahre später, es war 1995, um es im Auto eines Bekannten mit nach Leipzig zu nehmen, wo ich meine erste eigene Wohnung bezog. In meinem Singlehaushalt kamen Omas Messer und Gabeln leider nur selten zu Ehren oder gar alle gemeinsam auf den Tisch. Wahrscheinlich war eine Gabel von ihnen auserwählt, die ich selbst täglich benutzte, abwusch und im Besteckkörbchen bis zum nächsten Gebrauch einsam trocknen ließ. Doch schon 2001 ging es auf richtig große Reise für die Berliner Besteck-Truppe. Von Leipzig aus tuckerten sie, wieder gut verpackt, in einem kleinen Lastwagen über die Alpen. Es ging nach Norditalien. Da staunten sie nicht schlecht, als sie plötzlich kaum noch für Kartoffeln mit Soße zum Einsatz kamen, sondern vielmehr für Pasta, und zwar in allen möglichen, ihnen bis dahin unbekannten Varianten. Und das regelmäßig und in guter Gesellschaft. Ich bekam oft Besuch aus Deutschland oder von Kollegen. Wie hinlänglich bekannt, sitzt man in Italien gern und lange bei Tisch, dank mehrerer Gänge durfte jedes Besteckteil seinen glänzenden Auftritt absolvieren. Nur die Kuchengabeln fristeten weiter ein eher unbeachtetes Dasein. Eigentlich kamen sie bis vor Kurzem nur alle Jubeljahre mal an einem Sonntag auf den Tisch, wenn ich für meine deutsche Freundin und ihre Familie Kuchen buk. Doch die Zeiten haben sich geändert. Im Frühjahr 2020 ‒ ihr wisst selbst, wie es sich ergab ‒ entdeckten meine Töchter das Backen für sich und es gibt bei uns jetzt regelmäßig auch nachmittags feine Sachen, wir sind schließlich alle den ganzen Tag daheim. Sogar mein Mann, der Italiener, hat mittlerweile den Umgang mit der Kuchengabel gelernt. Er war es gewohnt, ein Stück Torte, so selten wie es das gab, mit Messer und Gabel zu zerschneiden. Er aß die Torte nicht anders als ein Steak! Von mir lernte er nicht nur die Tradition der wichtigen deutschen Mahlzeit „Kaffee und Kuchen“ lieben, sondern auch die feinen Sitten beim Tortenverzehr.

Übrigens: Nach dem Schweinebraten mit Kartoffeln, Erbsen und Soße gab es bei Oma immer Vanillepudding mit Kompott. Ich habe auch noch die Glasschälchen, aus denen wir ihren leckeren Nachtisch aßen. Natürlich hoffe ich, sie werden nicht zerschlagen, aber beim Besteck bin ich mir im Gegensatz zu den Schälchen absolut sicher, dass es auch meine Enkel noch benutzen können und vielleicht einmal erben werden. Wer weiß, wohin auf der Welt es die treuen Gefährten der Familie dann verschlägt. Meine Töchter jedenfalls zieht es nach eigenen Aussagen (Stand Januar 2021) ins Ausland. Womöglich stehen dem Berliner Besteck meiner Oma noch weitere große Reisen und turbulente Erlebnisse bevor, es wird andere Tischsitten und Esskulturen erfahren. Aber das ist noch eine Weile hin. Bis dahin erfreue ich mich selbst an den guten Stücken und an meinen Erinnerungen an Oma in Berlin-Adlershof.

Neuer Tag, neues Glück

Der Italiener und die Flexibilität

Nichts geht über einen guten Plan. Ob wir ihn nun Tagesablauf, Programm oder neudeutsch To-do-Liste nennen, wir Deutschen kommen ohne gewisse Ordnungspunkte schwer über die Runden. Ich habe da wohl einen Gutteil von meinem Vater geerbt. Er war berühmt für seine dicht beschriebenen Notizzettel, genauestens kalkulierten Weckpläne, ein halbes Jahr vor Reisebeginn erarbeiteten Urlaubspacklisten und mehrfarbigen Kalendereinträge.

Mit den Jahren, die ich nun schon in Italien lebe, habe ich mich in Sachen Flexibilität ein wenig angepasst und es gelingt mir zuweilen sogar, mich zu entspannen. Wenn wir Sonntagmittag kurz vor zwölf immer noch die verschiedenen Möglichkeiten durchgehen, wohin unser Sonntagsauflug führen könnte, halb eins beim Restaurant am endlich vereinbarten Zielort anrufen und hören, dass leider kein Tisch mehr frei ist … dann wird es einer preußischen Oberplanungsverantwortlichen allerdings ungemütlich. Und doch nimmt meine Lernkurve langsam Form an, denn bisher haben wir immer noch etwas zustande bekommen. Manchmal sind wir einfach losgefahren. Warum muss man tagelang organisieren, wenn es auch spontan Nettes zu erleben gibt? Oft macht einem ohnehin das Wetter einen Strich durch die lang zuvor ausgeklügelte Rechnung.

Wie es ist, den Tag einfach mal auf sich zukommen zu lassen, verschiedene Optionen zu haben und zu schauen, was sich so ergibt, lernte ich auf meiner ersten Kurzreise nach Italien. Sie ging im März 1999 nach Bologna. Hier könnt ihr Teil 1 und Teil 2 noch einmal nachlesen, bevor ich euch jetzt vom dritten Tag, dem Sonntag, berichte. Da stand ich überraschend vor der Qual der Wahl und im entscheidenden Moment hatte auch die Telekom Italia ihre Hand im Spiel.

Wenn am Sonntag um sechs in der Früh der Wecker klingelt

… dann bin ich in Bologna und zeitig aufzustehen ist meine einzige Chance, vom Messehotel in die Innenstadt zu kommen. Duschen, ein kleines Frühstück und ab in den Bus. Der Messe-Shuttle geht um halb acht. Außer mir sitzen bereits drei Geschäftsmänner darin, unausgeschlafen aber mit wichtiger Miene. Wir fahren noch andere Hotels an, der Bus füllt sich. Wie schön, eine kostenlose Hotelrundfahrt durch Bologna. Ich bin wach, gut gelaunt und kann es kaum erwarten, wieder durch romantische Gassen und über zauberhafte Plätze zu laufen. Auf dem Stadtplan in meiner Hand eine Telefonnummer. Gestern … Hatte ich wirklich einen fremden Mann geküsst, einfach so, weil wir uns mochten? Die stark geschminkte Frau, die mir seit dem letzten Halt gegenübersitzt, mustert mich. Vielleicht, weil ich vor mich hin gegrinst hatte? Ich schaue sie an, sehe ihr direkt ins Gesicht. Jetzt lächelt sie auch. Na bitte, geht doch! Ich drehe mich wieder zum Fenster und schließe die Augen, sauge die Morgensonne in mich auf. Wie dumm es wäre, jetzt im verregneten Leipzig zu sitzen. Ich freue mich auf einen weiteren Tag in Bologna, für den ich schon Pläne geschmiedet habe. Vielleicht würde ich auch von der Telefonnummer Gebrauch machen, aber bis dahin wollte ich möglichst viele sehenswerte Sehenswürdigkeiten sehen. Zu denen ich die Messe allerdings nicht zählte. Genau da ist erst einmal Endhaltestelle. Ich irre über das Messegelände und finde irgendwann einen Bus, der mich in die Stadt bringt. Irgendwo steige ich aus und bin stolz, wie nah ich das Zentrum erwischt habe. Eine Stippvisite in der Basilika San Francesco, dann blicke ich schon wieder auf die imposante Fontana del Nettuno. Aus dem Caffè gegenüber duftet es nach Kaffee und süßem Gebäck. Schade, dass ich schon im Hotel gefrühstückt habe. Ein paar Schritte weiter und ich stehe schon wieder mitten auf der Piazza Maggiore. Wie schön das klingt. Aber es war auch kein Platz. Es war eine Piazza. Man lief nicht darüber hinweg, man war hier. Oder setzte sich auf die Stufen vor der Basilika San Petronio und blinzelte in die Sonne. Genau das tue ich. Bis ich angesprochen werde.

Ciao, hello!

Ein schlanker junger Mann im anthrazitfarbenen Laufdress steht vor mir und strahlt mich an. Mein Schattenspender ist ausgesprochen attraktiv, stelle ich fest, während er mir mitteilt, ich hätte wunderschöne Augen, eine Farbe, die man selten zu sehen bekäme. Aha. War also doch eine Masche der Italiener, wie es im Reiseführer gestanden hatte. Ich muss lachen. Lange allein blieb man hier nicht. Auch das hatte ich vorher gelesen. Meine „fantastischen“ Augen wurden gestern bereits angehimmelt. Offensichtlich war Blaugrau ‒ in Deutschland hatte mir nie jemand ein Kompliment gemacht ‒ für Italiener eben nicht alltäglich. Mein heutiger Verehrer spricht perfektes Englisch. Er arbeite als internationaler Vertreter für Kontaktlinsen, erklärt er mir. Augen seien sein Spezialgebiet, sein Kompliment das eines Fachmanns. Soso. Praktisch veranlagt, wie ich nun mal bin, lenke ich ab und nutze die Gelegenheit, den sportlichen Vertreter nach dem Weg zu dieser Kirche oben auf dem Berg zu fragen, die ich heute unbedingt besichtigen möchte.

Rauf bis San Luca?

Ich versuche, sein schelmisches Grinsen zu interpretieren. Ist das zu weit zu Fuß, frage ich. Nein, aber er könne mich ein Stück begleiten, er hätte denselben Weg. So ein Zufall! Am Arco Bonaccorsi, wo der Arkadengang und der Aufstieg zur Kirche beginnt, trennen sich unsere Wege. Zum Abschied gibt es drei Küsse auf die Wangen. Links, rechts, links. (Oder andersrum, das habe ich bis heute nicht kapiert.) Ich verspreche, ihn später anzurufen. Wir könnten irgendwohin fahren, mit dem Auto. Das klingt verheißungsvoll. Ich lächle und versuche, ihn mir in Jeans und schickem Hemd vorzustellen.

Ciao, thank you for the company.

Gut gelaunt und voller Energie beginne ich den Aufstieg. Doch unter den Portici gibt es wenig Schatten. Bald stöhne ich leise vor mich hin. Die Sonne sticht jetzt unbarmherzig und macht den Pilgerweg zu einer wahren Strapaze. Das konnten sich mittags um halb zwölf auch nur Touristen antun!

Nach Besichtigung der Wallfahrtskirche San Luca ist es kurz nach dreizehn Uhr.

Noch habe ich die Wahl.

Und nun? Worauf hätte ich heute Nachmittag Lust? Oder besser gefragt, auf wen? Zwei Telefonnummern buhlten darum, von mir gewählt zu werden. Die erste versprach süße Küsse, Lachen und Flirten, vielleicht die filmreife Vollendung einer Liebesromanze. Wenn nicht gestern alles nur ein Pilotfilm gewesen war, für den es leider keine Fortsetzungen geben würde. Die zweite Telefonnummer stellte mir eine vielversprechende Spritztour mit dem Auto in Aussicht und zum Essen in einem feinen Restaurant würde ich womöglich auch eingeladen werden. Wollte ich diesen Nachmittag und meinen letzten Abend in Bologna mit einem Geologiestudenten oder einem Kontaktlinsenvertreter verbringen? Mehr zu sehen von der Stadt bekäme ich im zweiten Fall …

Meine Entscheidung ist gefallen.

Ich rufe an. Bei dir.

Mein Herz klopft bis zum Hals. Telekom Italia. Eine Frauenstimme wie ein Maschinengewehr. Hatte ich mich verwählt? Noch ein Versuch. Diesmal gar nichts, tote Leitung. Hattest du mir eine falsche Nummer gegeben, dich beim Schreiben vor Aufregung vertan? Ein letzter Versuch. Sonst rufe ich den Anderen an. Als hättest du meine treulosen Gedanken empfangen, nimmst du endlich ab. Du freust dich, aber am Telefon ist es unerwartet schwierig mit unserem Englisch. Ich beschreibe dir, wo ich bin. Du scheinst es nicht zu verstehen. Ich dachte, du kämst mit dem Motorino. Hattest gestern davon erzählt.

Da hoch? Was?

Aber warum denn nicht! Ich verstehe etwas wie „kein Sprit“. Ach so. Na, dann eben zu Fuß, ich war doch schließlich auch hochgelaufen. Zu Fuß? Du lachst nur. Ich verstehe nicht. Was war denn so komisch an meiner Idee. Piazza Maggiore. Wie? Da willst du mich treffen. Ja, natürlich weiß ich, wo das ist. Selbstverständlich würde ich wieder hinfinden. In einer halben Stunde? Ein Blick auf die Uhr. Nein. Jetzt war ich aber dran, Bedingungen zu stellen. Wenn du es nicht schaffst, hier hochzukommen, dann warte gefälligst, bis ich Lust habe, wieder unten am Platz zu sein. Mein Magen knurrt. Die Erfahrung von gestern hat mich gelehrt, erstmal etwas essen zu gehen. In anderthalb Stunden, so meine Ansage.

I cannot wait to see you.

Und ob du warten kannst. Das wäre ja noch schöner! In einer engen, etwas heruntergekommenen Bar setze ich mich nah ans Fenster und esse doch wieder nur ein Panino. Wie gestern mit Prosciutto Cotto und Formaggio. Aber das im Park war leckerer, aufregender. Mein Magen lässt sich auch von der langweiligen Variante belegtes Brötchen beruhigen. Ein kurzer Stopp in der Toilette, ein etwas längerer vor dem Spiegel und ich bin bereit für unser Wiedersehen.

Und wenn es heute nicht mehr funkt?

Als wir am Palazzo Comunale für einen Moment wortlos voreinander stehen, genügt ein Lächeln von dir, und unsere Telekommunikationsprobleme schmelzen wie Gelato in der Sonne. Ich hatte auf die richtige Nummer gesetzt. Vorhang auf, Film ab! Die Fortsetzung der deutsch-italienischen Frühlingsromanze läuft ohne weitere Stolperstellen an. Wir streifen durch die Gassen, du zeigst mir die Lieblingsorte deiner Stadt. Wir nehmen einen Caffè, später einen Aperitivo. Ungestört sind wir diesmal nicht. Also weiter. Da, eine Bank, wie für uns reserviert. Ein bisschen Reden, viel Lachen, noch mehr Küsse. Dann lerne ich den ersten Satz auf Italienisch:

Voglio fare l’amore con te.

Kann mir schon denken, was das heißt, aber ich lasse es mir trotzdem übersetzen. Warum denn nicht? Fragst du. Ich weiß nicht. Antworte ich. Es war alles so perfekt, bis jetzt. Aber ich hatte auch dieses wunderschöne Doppelzimmer im Messehotel, eine Schande, ganz allein darin zu übernachten. Wir stehen schon in einer Telefonzelle. Ich halte den Hörer in der Hand. Sag, dass ich dein Bruder bin, schlägst du vor. Wir haben uns zufällig getroffen, könnte doch sein. Quatsch, so einen Blödsinn glaubt uns keiner. Du, mein Bruder. Ich halte mir den Bauch, der vor Lachen schmerzt. Ach nein, komm, das geht nicht. Ich stoße die Tür der Zelle wieder auf. Und jetzt? Da ist der Bus, komm schnell. Du nimmst mich an der Hand. Welcher Bus? Schon sitzen wir drin. Wir fahren zu dir nach Hause. Dein Mitbewohner wäre auch da. Wir könnten gemeinsam Vino trinken, quatschen. Das klingt gut. Ich will ohnehin noch nicht zurück ins Hotel.

Also auf ein Glas Wein zu dir!

Viel sehe ich nicht von deiner Bleibe. Klamotten in der einen, leere Bierflaschen in der anderen Ecke. Studentenbude, Männer-WG, was hatte ich erwartet? Dein Amico war doch nicht gekommen. Du freust dich. Ich bin enttäuscht. Vollkommen nüchtern plötzlich. Und zeige es. Was wollte ich hier? Warum war ich nicht vorhin abgesprungen, als es noch so schön war? Ich will mich nicht setzen, auf das ungemachte Bett. Welches war eigentlich deins? Egal. Ich stelle irgendwelche Fragen und höre gar nicht zu, was du antwortest. Ruf mir ein Taxi, bitte, ich bin müde. Du bist enttäuscht. Ich bin es auch. So hatte es nicht enden sollen. Kein Kuss zum Abschied. Alles geht so schnell auf einmal, der Taxifahrer schlägt die Tür hinter mir zu. Ciao!

Das wars dann wohl.

Was meint ihr, gab es am Montag doch noch ein Happy End? Was mich betraf, wurde die Zeit knapp, denn mein Flug ging am frühen Nachmittag. Der Student musste zur Vorlesung in die Uni. Back to reality oder It ain’t over till it’s over?

Se bastasse una canzone

Ci sono volute 22 canzoni per questa piccola storiella, che ho avuto tantissimo piacere di scrivere. Perché cercare e trovare e ricordare tutte queste canzoni, tante anche collegate a ricordi personali, è stato un modo fantastico per trascorrere una domenica in zona rossa. Ringrazio Annuschka per l’ispirazione che mi ha dato con il suo post di una storia d’amore durante la pandemia che finisce male. Anche questa piccola storia finirà male? Spero di no, ma intanto partiamo con un bell’inizio come si deve …

 In Una notte speciale
 a Novembre
 pensavo Ma che freddo fa,
 Io me ne andrei da qua.
 Ma Come il Sole All'improvviso
 arrivi Finalmente tu.
 Mi dici: vieni Via con me.
 Vieni con me, ti faccio vedere Il mare d'inverno.
 Io penso, che succede Tutto per una ragione,
 forse Almeno stavolta
 una Congiunzione Astrale,
 Come nelle favole.
 Ma Prima di partire per un lungo viaggio,
 Credo
 che ci vogliano
 Soldi.
 Tu sorridi e mi regali Una rosa blu.
 Io rimango Senza parole,
 perché L’emozione non ha voce.
 Cosi succedono le Cose della vita,
 Come in un film.
 Tu sei la mia Primavera in anticipo,
 Era una vita che ti stavo aspettando.  

Continua …

Ecco qua la lista delle canzoni citate, nel caso vi fosse venuta la voglia di risentire questi bellissimi pezzi dagli anni 60 ad oggi:

Eros Ramazzotti – Se bastasse una canzone (1990)

Alice – Una Notte Speciale (1982)

Giusy Ferreri – Novembre (2008)

Nada – Ma Che Freddo Fa (1969)

Claudio Baglioni – Io me ne andrei (1973)

Zucchero – Come Il Sole All’Improvviso (1986)

Fiorello – Finalmente tu (1995)

Paolo Conte – Via con me (1981)

Loredana Berté – Il mare d’inverno (1980)

Benji & Fede – Tutto per una Ragione feat. Annalisa (2016)

Nek – Almeno stavolta (2003)

Nek – Congiunzione Astrale (2013)

Vasco Rossi – Come Nelle Favole (2017)

Irene Grandi – Prima di partire per un lungo viaggio (2003)

Giorgia – Credo (2017)

Mahmood – Soldi (2019)

Michele Zarrillo – Una Rosa Blu (1982)

Vasco Rossi – Senza Parole (1994)

Adriano Celentano – L’emozione non ha voce (1999)

Eros Ramazzotti – Cose Della Vita (1993)

Modà feat. Emma – Come in un film (2014)

Laura Pausini – Primavera in anticipo [it is my song] feat. James Blunt (2008)

Francesco Renga – Era una vita che ti stavo aspettando (2015)

Boccadasse, Genua

„Ich stieg ebenfalls aus, um mir die Beine zu vertreten, betrachtete den Kieselstrand, die Boote auf dem Trockenen, die Häuser, in denen bei Sturmflut, wenn von Südwesten die libecciata bläst, schon mal ein Fisch durchs offene Fenster in die Küche weht, sozusagen aus dem Meer geradewegs in die Pfanne. Apropos Wunder, Boccadasse ist ein weiteres der Wunder von Genua, in jeder Hinsicht, auch weil man kaum glauben mag, dass das ein realer Ort sein soll, dass es so etwas geben kann, fernab von allem und doch mitten in der Stadt.“

Lorenzo Licalzi

Signor Rinaldi kratzt die Kurve*, Eisele, 2017, Seite 107. Italienischer Originaltitel: L’ultima settimana di settembre*, Rizzoli, 2015.

Hintergrund: Im Februar 2016, während ich an meiner Version der Übersetzung dieses Romans arbeitete, trafen wir Lorenzo Licalzi in seiner Heimat Ligurien. Bei dieser Gelegenheit habe ich auch einige Orte der Romanhandlung aufgesucht. Einer der wundervollsten ist das antike Fischerdorf Boccadasse in Genua, das im oben wiedergegebenen Zitat vom Protagonisten, dem Ich-Erzähler Pietro Rinaldi, beschrieben wird.

Siehe auch Literarische Orte.

*Werbung, unbezahlt.

Boccadasse, Genova

Anche io sono sceso dalla Dea, giusto quattro passi, fino a guardare la spiaggia di ciottoli, le barche in secca, le case che quando viene una mareggiata, una libecciata per l’esattezza, se non chiudi le finestre puoi trovarti un pesce in cucina, direttamente dal mare alla padella, per così dire. E a proposito di miracoli, Boccadasse è un altro dei miracoli di Genova, in tutti i sensi, anche perché stenti a credere che sia reale, che possa esistere un posto così, fuori da tutto eppure dentro alla città.”

Lorenzo Licalzi

L’ultima settimana di settembre*, Rizzoli, Prima edizione agosto 2015. Pagina 105

Contesto: Nel febbraio del 2016, mentre stavo lavorando alla mia versione della traduzione di questo romanzo, abbiamo incontrato Lorenzo Licalzi nella sua Liguria natale. In questa occasione ho anche visitato alcuni dei luoghi della trama del romanzo. Uno dei più belli è stato l’antico borgo marinaro Boccadasse a Genova, che nella citazione riportata viene descritto dal protagonista, il narratore del libro in prima persona, Pietro Rinaldi.

Vedi anche Luoghi Letterari.

*Pubblicità, non retribuita.

Luoghi letterari

Per gli appassionati di lettura e gli amanti dell’Italia, inizio il nuovo anno con una nuova categoria su Tutto paletti, che chiamerò „Luoghi letterari“. Qui presenterò alcuni piccoli spunti letterari accompagnati da una foto.

L’idea: A volte ci sono luoghi che mi ricordano uno scrittore o una citazione da un libro. Forse perché l’autore ha vissuto o ha scritto un libro in quel posto, oppure perché la trama di un romanzo descrive quel paesaggio, quella piazza, quel bar … Non saranno le famose citazioni che già circolano su internet in molte versioni, illustrate e pronte per essere pubblicate. Piuttosto, voglio mostrare estratti di testo e contesti che hanno un significato personale per me. A volte c’è una piccola storia da raccontare. Ho già qualche idea nel cassetto. Oltre a questo, spero di cogliere nuove opportunità durante le mie future gite, se ci riusciremo, e di fare nuove scoperte di ispirazione letteraria.

Il primo articolo, sarà pubblicato a breve, riguarderà un testo dello scrittore italiano Lorenzo Licalzi.  Quando anni fa ricevetti in regalo il suo fantastico romanzo „Che cosa ti aspetti da me?“*, che mi toccò molto, di seguito ho letto altri suoi libri e Licalzi è diventato il mio autore italiano preferito. Ho desiderato così tanto che le sue storie potessero raggiungere anche i lettori tedeschi tanto che mi è venuta la folle idea di tradurre uno dei suoi romanzi. Qualche anno dopo mi sono messa in contatto con lui e ho tradotto il romanzo „L’ultima settimana di settembre“*, che era appena stato pubblicato in Italia. Ho tentato di proporlo alle case editrici tedesche. Il mio desiderio si è avverato, il libro è stato pubblicato in tedesco, anche se non con la mia traduzione. Un po’ mi è dispiaciuto, ma c’era da aspettarselo, perché senza una qualifica formale da traduttore letterario avevo poche possibilità. Tuttavia, lavorare alla traduzione è stata un’esperienza meravigliosa che non volevo perdermi.

Ora ho divagato un po‘, ma tutto ciò fa parte dell’introduzione e andrebbe oltre la portata del nuovo formato previsto. Spero di aver suscitato il vostro interesse e di potervi intrattenere con piccoli episodi e riflessioni sui „Luoghi letterari in Italia“ nel prossimo futuro. Accetto volentieri consigli se conoscete anche voi dei luoghi letterari simili che volete condividere con me. Stay tuned!

*Pubblicità, non retribuita.

Literarische Orte

Für Leselustige und Italienliebhaber starte ich auf Tutto paletti mit einer neuen Kategorie ins neue Jahr, ich nenne sie „Literarische Orte“. Hier möchte ich kleine literarische Kosthappen präsentieren und sie zusammen mit einem in Verbindung stehenden Foto servieren.

Die Idee dahinter: Manchmal gibt es Orte, die mich an einen Schriftsteller oder an ein Zitat erinnern. Vielleicht, weil der Autor hier gelebt oder sein Buch geschrieben hat, vielleicht, weil die Handlung eines Romans diese Landschaft, diese Piazza, diese Bar beschreibt … Es werden eher nicht die landläufig berühmten Zitate sein, die bereits in vielen Versionen bebildert und fertig zum Weiterposten im Internet kursieren. Vielmehr möchte ich Textauszüge und Zusammenhänge zeigen, die mir persönlich etwas bedeuten. Manchmal gibt es eine kleine Geschichte dazu, die ich euch erzählen kann. Einige Ideen habe ich bereits in der berühmten Schublade. Darüber hinaus hoffe ich natürlich, auch in diesem Jahr irgendwann wieder Gelegenheit zu Ausflügen und neuen literarisch inspirierten Entdeckungen zu haben.

Im ersten geplanten Beitrag wird es um einen Text des italienischen Schriftstellers Lorenzo Licalzi gehen. Als ich vor einigen Jahren seinen großartigen Roman „Che cosa ti aspetti da me?“* geschenkt bekam, der mich sehr berührt hat, las ich anschließend mehr von ihm und Licalzi avancierte zu meinem italienischen Lieblingsautoren. Ich wünschte mir so sehr, seine Geschichten könnten auch deutsche Leser erreichen, dass die verrückte Idee in mir aufkam, einen seiner Romane zu übersetzen. Später habe ich dann tatsächlich Kontakt zu ihm aufgenommen, seinen damals gerade in Italien erschienenen Roman „L’ultima settimana di settembre“* übersetzt und versucht, ihn bei deutschen Verlagen unterzubringen. Mein Wunsch ist in Erfüllung gegangen, das Buch erschien in deutscher Sprache, wenn auch nicht mit meiner eigenen Übersetzung. Das war schade, aber zu erwarten gewesen, denn ohne formelle Qualifikation als Literaturübersetzer hatte ich geringe Chancen. Die Arbeit an der Übersetzung war trotzdem eine wunderbare Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Jetzt bin ich ein wenig abgeschweift, aber all das gehört zur Vorgeschichte und würde den Rahmen des vorgesehenen neuen Formats sprengen. Ich hoffe, ich habe euer Interesse geweckt und kann euch demnächst mit kleinen Episoden und Gedanke rund um „Literarische Orte in Italien“ erfreuen. Stay tuned!

*Werbung, unbezahlt.

Die Nacht der Nächte

Ich kann darauf warten: Alle Jahre wieder, am Abend des 5. Januar, gegen 23 Uhr, wünscht mir mein Mann statt einer „Buona notte!“ ein „Buon lavoro, amore mio!“, nicht ohne dabei süffisant zu grinsen.

Ein Scherz, über den ich nur noch müde lächeln kann, höre ich ihn doch schon zum x-ten Mal. Obwohl, im ersten Jahr unserer Ehe begleitete mein Gatte mich womöglich noch persönlich ins Schlafgemach, statt mich nur mit einem nachgerufenen „Viel Spaß bei der Arbeit!“ vom Sofa aus zu verabschieden. Aber das liegt lange zurück und gehört nicht hierher.

Ihr werdet euch zu Recht fragen, welcher Arbeit ich denn kurz vor Mitternacht nachgehen soll, zu der mein Mann mir viel Erfolg wünscht. Die Lösung des Rätsels liegt in einer italienischen Tradition, welche die Reihe der Jahresendfeiertage zum schaurig-süßen Abschluss bringt. Kinder erhalten noch einmal Geschenke, oder zumindest ein paar Süßigkeiten und Nüsse, und zwar am 6. Januar, dem christlichen Feiertag „L’Epifania“, der in Deutschland als Dreikönigstag bekannt ist. Allerdings bringen nicht die Heiligen Drei Könige weitere kleine Gaben, sondern eine mythische Figur des italienischen Volksglaubens, die Befana. Diese hässliche, aber gutherzige Hexe fliegt der Sage nach in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar auf einem Besen von Haus zu Haus und steckt den Kindern, wenn sie brav waren, Naschereien in die Strümpfe.

Nun bin ich leider, nach dem bedauerlichen Ableben der Seniorin aus dem Parterre, tatsächlich die älteste weibliche Bewohnerin unseres Condominio. Dabei habe ich anderen Müttern nur wenige Jahre voraus, und ob man die im Einzelfall tatsächlich sieht, ist noch fraglich, aber ich entziehe mich nicht der Verantwortung. Ich stelle mich der ehrenvollen Aufgabe! Erhobenen Hauptes und mit Löchern in den Socken, wie es sich für eine anständige Befana gehört.

La befana vien di notte

Heute Nacht werde ich meine Arbeit tun. (Ehrlich gesagt, ist mir meine Nachtruhe heilig, ich werde es vor dem Schlafengehen erledigen, also noch vor Mitternacht, in der Hoffnung, dass mich keiner erwischt.) Die sieben Nachbarskinder werden morgen früh gefüllte Strümpfe an der Wohnungstür finden. Ich freue mich insgeheim, dass keiner darauf kommt, von wem sie stammen. Oder vielleicht doch, denn ich habe extra Antirutsch-Socken für jedes Kind gekauft, damit die ganze Aktion obendrein einen praktischen Sinn hat und sich auch die Muttis freuen. Dieser praktische Aspekt könnte dann schnell mir, der eigensinnigen Deutschen im Haus, zugeordnet werden. Egal! Traditionen sind dazu da, neu interpretiert zu werden. Das wird mir keiner übelnehmen.

Und ich freue mich derweil, im Internet über die Befana zu lesen, dass sie heutzutage in erster Linie als gute Fee (!) gehandelt wird. Mein Mann hatte es also immer als Kompliment gemeint. Wie denn sonst?

Ein Rohrkrepierer

Dass mit diesem neuen Jahr etwas nicht stimmen konnte, ahnte ich bereits in seiner allerersten Stunde. Wir waren mit Freunden in Bologna. Wer hier schon länger mitliest, der weiß, dass die Hauptstadt der Region Emilia-Romagna für mich eine der faszinierendsten Städte Italiens ist, mit ihrer einzigartigen Symbiose von jugendlicher Lebenslust und historischem Flair. Auch in Bologna wurde der Jahreswechsel 2019/20 wie üblich mit großem Tamtam auf dem zentralen Platz, der so treffend schön Piazza Maggiore heißt, gefeiert. Aber ohne uns. Wir hockten in einem Kellerlokal ohne Musik und ohne Dekoration, um in den spektakulären Stunden zwischen einundzwanzig Uhr des alten Jahres und ein Uhr des neuen Jahres an einem mit blassgelbem Tischtuch bedeckten Tisch zu sitzen und ein klassisches italienisches Mehrgänge-Menü einzunehmen. Das große Abendessen, il cenone. Mit Betonung auf dem extra langgezogenen „o“. Während wir nicht einmal einen Knaller hörten, geschweige denn ein Feuerwerk sahen, während die Welt draußen feierte, im guten Glauben, dass dieses Jahr 2020 ein grandioses werden würde, kämpfte ich gegen die Enttäuschung und mit dem vielen Essen. Das obligatorische Anstoßen um Mitternacht konnte nicht stattfinden, da man mit dem endlosen Speisen Servieren noch nicht fertig war und es deshalb nicht geschafft hatte, uns eine Flasche Spumante zu bringen. Den letzten Funken Sinn verlor diese nicht gefeierte Silvesterparty, als ich kurz vor Mitternacht sah, in welch grausigem Zustand sich die einzige Toilette des Lokals befand. Hatte sich ein Gast übergeben, plötzlich Diarrhö bekommen, oder beides? So genau hatte ich mir das nicht ansehen wollen, sondern fluchtartig den Ort des Grauens verlassen. Ich selbst konnte mir den Toilettengang sicher noch eine Stunde lang verkneifen, aber die Kinder hatten so viel Limonata getrunken … Bloß weg hier, war mein Gedanke, so schnell wie möglich zurück ins Hotel. Und geschissen auf Silvester, das ohnehin gelaufen war.

Natürlich gehen meine Selbstzweifel nun nicht so weit, dass ich mir die Schuld gebe an all dem, was in den darauffolgenden Monaten geschah. Aber ich habe diesen verpatzten Auftakt oft reflektiert, gern würde ich die Zeit zurückdrehen. Nicht, weil ich denke, es käme alles anders, wenn unsere Feier anders verlaufen wäre. Nein. Es ist das Bewusstsein, dass mir meine eigene Einstellung so oft dabei im Weg steht, gute Momente mit Freunden und Familie zu verleben. Wobei es doch gerade nur auf diese ankommt, und jede Situation, die man aus Trotz sich selbst und den anderen vermiest, nichts bringt als einen schlechten Nachgeschmack.

Man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Man kann nur den Moment leben, so gut es geht.

Was 2021 sein wird, auf der Welt, in der eigenen Familie, wer weiß. Was ich weiß, ist, dass wir heute gesund sind, es uns verdammt gut geht im Vergleich zu vielen anderen, dass wir etwas tun können, um zu helfen (mit verantwortungsvollem Verhalten, und wenn es uns möglich ist, mit Spenden), und dass wir unser Zusammensein, ob nun vor Ort oder in Gedanken, genießen dürfen. Dass es ein Geschenk ist, hier zu sein, gute und weniger gute und auch solche verdammt beschissenen Jahre miteinander erleben zu dürfen. Mit den neuen Erkenntnissen, was wichtig und was verzichtbar ist im Leben, kann 2021 nur ein grandioses Jahr werden.

Und das mit dem richtig Feiern, auf einer Piazza, im Gedränge, holen wir nach! Egal wann, irgendwann. Seid ihr dabei?

Foto: Bologna, Piazza Maggiore, 31.12.2019 vor Beginn der Feier zum „Capodanno“